bedeckt München 20°

"Der Tatortreiniger" im NDR:Mord ist eine Sauerei

NDR Fernsehen setzt preisgekroente Serie 'Der Tatortreiniger' fort

Stiller Ort: Schotty (Bjarne Mädel) putzt nicht nur den Dreck des Mörders (Jean-Pierre Cornu) weg, sondern tröstet ihn sogar.

(Foto: NDR/Thorsten Jander)

Und wer wäscht das Blut vom Teppich? Der NDR zeigt drei neue Folgen der wunderbaren Comedy-Serie "Der Tatortreiniger". Irre Dialoge und schwärzester Humor in Höchstform sind garantiert.

Heiko Schottes große Stunde schlägt immer dann, wenn die Leiche weggeschafft wurde und die Spurensicherung schon durch ist. Schotte, eigentlich Schotty, ist Tatortreiniger, der Mann dafür, das Grobe wieder wegzumachen: die Blutlachen und zerborstenen Körperteile, die Splitter und Reste von dem, was einst Mensch war. Immer hat es üble Verbrechen gegeben, Schotty bringt den Tatort in den Zustand zurück, der davor geherrscht hat. Das ist sein Auftrag, nein: seine Berufung.

Das ist als Sujet für eine Comedy-Reihe natürlich ein Hammer: Der immer allein vor sich hinwerkelnde Schrubber, der seinem Beruf allerdings nachgeht, wie man einem Beruf eben professionell nachgeht. Hier mal ein Zigaretten-Päuschen nach der größten Lache, da mal eine Entspannungsübung nach dem Teppichbedampfen, weil er sich das Rauchen ja eigentlich abgewöhnen wollte.

Die Diskrepanz zwischen dem immer grausigen Ort und der Routine des Saubermachens ist schon mal eines der stabilen Settings der Serie, aus dem sie sehr viel Nektar saugt.

Das andere ist der Schauspieler Bjarne Mädel, der in der NDR-Produktion ein wenig ausschaut, wie der junge Thomas Gottschalk nach einer Urlaubsdusche: Dreitagebart und etwas geklebt wirkende, am Kopf anliegende Haare.

Bjarne Mädel gibt diesem Schotty die lakonische Ruhe eines Simplicissimus, der stolz darauf ist, dass er seinen Beruf einem Studium verdankt, der allerdings in seinem ganzen Wesen und Walten auch signalisiert, dass es in dem Leben, das er nach dem Rot der Lachen führt, nicht ganz so rosig läuft.

Das dritte stilbildende Arrangement der Serie verdichtet jede Episode zu einem Kammerspiel: Der Tatort wird, anders als beim Sonntagskrimi der ARD, nie verlassen. Während Schotty also pflichtbewusst die krude Sauerei wegmacht (oft klingelt dabei sein Handy mit der ARD- Tatort-Melodie), trifft immer irgendjemand dort ein, und es ist wichtig, dass nach den vorzüglich-subtilen Büchern, die Mizzi Meyer für die Serie geschrieben hat, meistens nur jeweils einer dort eintrifft.

Jede Episode sieht im Kern also den Dialog zwischen zwei Personen vor, das ist oft lustig und situationskomisch, vor allem ist es beste Schauspielerarbeit.

Zum Auftakt der zweiten Staffel trifft Schotty beim Wienern ausgerechnet auf den Mann, der sein Wohnzimmer zu einem Tatort gemacht hat: Auf den Mörder, der seine Frau nicht einfach nur mit der Feueraxt erschlagen, sondern die Gattin auch noch sehr gründlich filetiert hat.