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"Das Brenners - Lehrjahre im Grandhotel" im SWR:Die Erotik des Staubwedels

Das Brenners - Lehrjahre im Grandhotel, Teil 1; Das Brenners

Szenenbild aus Das Brenners - Lehrjahre im Grandhotel im SWR

(Foto: SWR/Harold Woetzel)

Seltsame Begegnungen in der Suite: Eine vierteilige SWR-Doku begleitet junge Menschen bei ihrer Ausbildung in einem Luxushotel. Komisch wird der Film dabei vor allem, wenn Udo Lindenberg auftritt.

An Weihnachten gehen Märchenfilme besonders gut. Geschichten, in denen ganz reiche Menschen vorkommen, die oft ein bisschen böse sind, und arme Menschen, die den Reichen mit Demut, Fleiß und reinem Gewissen dienen, bis sie selber vom Aschenbrödel zur Prinzessin werden. Dazu eine sanfte Erzählerstimme, ein wenig Weichzeichner am Bildrand und der dezente Einsatz von Schmeichelgeigen. Der diesjährige Weihnachtsfilm des SWR kommt als Doku daher: Das Brenners - Lehrjahre im Grandhotel. Das Luxushotel als Schauplatz für große Gefühle und ein bisschen auch als Image-Film für große Häuser - damit hat das Öffentlich-Rechtliche seit dem 2012-Dreiteiler Das Adlon Erfahrung. Während im Adlon viel geglamourt und wenig gearbeitet wurde, verspricht Das Brenners den Blick hinter die Kulissen. Der Vierteiler begleitet Azubis beim "Dienen und Bedienen in einem Grandhotel mit großer Geschichte".

Da ist Robin, der Schüchterne. Wenn Robin ins Bild kommt, haben die Geigen Pause, und traurige Töne perlen aus dem Klavier. Denn Robin ist ein wenig langsam. Wenn er ein Zimmer sauber macht, findet seine Vorgesetzte danach noch Hausschuhe unterm Bett. Besorgte Frage aus dem Off: "Ist dieser Beruf für ihn wirklich Berufung?" Robins Gegenpart ist die heiter anpackende Ellena - "Unschuld gepaart mit Erotik und Geschäftssinn". Tja, in so ein Hotel, weiß die Erzählerstimme, kommen eben auch "Popstars und schräge Vögel", so wie der gebürtige Heidelberger und "Szenekünstler aus Berlin" Oliver Rath, der barfuß durch seine Suite latscht, als Ellena zum Putzen kommt. Und die in seinen Augen unschuldig-erotische Ellena muss Rath natürlich sofort fotografieren.

Während Ellena von hinten dabei gefilmt wird, wie sie Raths Spuren aus dem Luxusklo entfernt, referiert der Fotograf darüber, was das Brenners für eine "Traumwelt" ist, "völlig inspirierend, zeitlos geil". Es folgt ein Spontan-Shooting im Hotelzimmer. "Wow, du machst das super! Willst du nicht den Job wechseln?" Doch Ellena nimmt ihren Staubwedel (Rath: "Ja, weiter! Wedeln, wedeln, wedeln!") und putzt brav das nächste Zimmer. Schließlich begann für sie der Morgen, wie jeder Morgen im Brenners, mit dem Verlesen des sogenannten Daily Commitment: "Charakter und Verbindlichkeit prägen unser Handeln. Unser Lächeln kommt von Herzen." Denn wer gut dienen kann, aus dem kann Großes werden. Das bestätigt der Hoteldirektor: "Als ich mit meiner Ausbildung angefangen habe, hat ein Freund gefragt, ob ich jetzt Kellner werde." Und nun sitzt er lächelnd als Ober-Chef auf der Terrasse.

Komisch wird diese Dokumentation, wenn Udo Lindenberg auftritt. Auch er ist Stammgast im Brenners in Baden-Baden und benuschelt mal das Haus ("Schönes Ding"), mal die Ausbildung ("Da muss man auch Aschenbecher putzen") und schließlich die Kurstadt selber: "Ich war auch mal in diesen Blubberbädern, mit Gummihut und so. War witzig." Udo Lindenberg mit Badekappe: das unterhaltsamste Bild entsteht im Kopf des Betrachters.

Das Brenners , SWR, 25., 26., 29. Dezember und 1. Januar, jeweils 16.30 Uhr.