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"Das Adlon" im ZDF:Das Ende - ein wenig traumschiffhaft

Dann bricht der erste Weltkrieg aus. Sonja, die erst am Sterbebett ihres vermeintlichen Vaters erfährt, dass Mutter und Vater in Wahrheit Großvater und Großmutter sind, nimmt das Angebot ihres Patenonkel an, zusammen mit ihrer afrikanischen Vertrauten und Dienerin Galla nach Berlin ins Adlon zu ziehen und so ihren Erbteil "abzuwohnen". Die Geschichte nimmt jetzt Fahrt auf und Tempo.

Im Hotel Adlon taucht die ehrgeizige und attraktive Hedda Burger auf. (Marie Bäumer). Lorenz Adlons verheirateter Sohn und fünffacher Vater, Louis Adlon, verliebt sich in sie. Heino Ferch mit blondierter Nazifrisur bringt diesen Louis großartig und vielschichtig durch vier Jahrzehnte, mithilfe von fünf Perücken, vielen kleinen Silikonteilen und bewundernswerter Schauspielkunst.

Im Adlon beginnen die berauschten Goldenen Zwanziger mit Charleston, Champagner und Gigolos, die gegen Geld mit älteren Damen tanzen. Einer von ihnen, der jüngere Bruder des einstigen Zwangsverlobten der Mutter, ist sehr verliebt in Sonja. Sebastian von Tennen wird gespielt von Johann von Bülow, der, wie er erzählt hat, lange vergeblich geübt hat, für diese Rolle ein Monokel im Auge zu behalten. Bis sie es ihm schließlich angeklebt haben.

Sonja aber findet - unter den wunderbar wohlwollend liebenden Augen ihres zum Concierge aufgestiegenen Vaters Friedrich - die Liebe ihres Lebens: den jüdischen Barpianisten Julian Zimmermann.

"Um das Adlon durchs Dritte Reich zu bringen", gehen Louis und Hedda Adlon Kompromisse mit den neuen Machthabern ein. Die Speisekarte wird eingedeutscht, Ragou fin heißt jetzt Würzfleisch. Und überhaupt ist plötzlich alles ganz anders. Sehr verwickelt, atemraubend, dramatisch. Es bleibt spannend. Wie, das wird aber hier jetzt nicht verraten.

1952 jedenfalls kommt eine junge Frau aus Israel nach Ostberlin. Noch ein furchtbares Geheiminis wird entdeckt und die Geschichte nimmt noch einmal eine sehr überraschende Wendung, eigentlich zwei Wendungen.

Das Ende, die Auflösung der Rahmenhandlung, ist dann ein wenig traumschiffhaft süßlich. Als hätten plötzlich öffentlich-rechtliche Redakteure jetzt reingeredet ins feine Drehbuchgeschehen, weil Fernseh-Geschichten doch immer gut und versöhnlich ausgehen müssen. Anders mag es der Zuschauer ja angeblich nicht.

Was der Zuschauer wirklich nicht mag, jedenfalls nicht, wenn er Liebhaber von Luxushotels ist oder in Berlin lebt: Dass man immer trauriger wird, je länger man dieses prachtvolle Film-Adlon anschaut. Sie haben die großen Interieurs des alten Hotels wunderbar nachgebaut, den schwelgenden Luxus in kathedralenhohen Räumen, die es heute nicht mehr gibt. Weil dafür kein Platz mehr war in der schönen, neuen, durchrationalisierten Welt. Weil das neue Adlon hinter der schönen alten Historien-Kulisse ja unbedingt zwei Stockwerke mehr haben musste - für mehr Zimmer.

Das Adlon. Eine Familiensaga , ZDF, Sonntag, 6. Januar, Montag, 7. Januar und Mittwoch, 9. Januar jeweils um 20:15 Uhr. Im Anschluss am Sonntag, 6. Januar um 21:50 Uhr: "Das Adlon - Die Dokumentation" von Gero von Boem.