bedeckt München 17°

Covid-19:EMA empfiehlt weiter den Impfstoff von Johnson & Johnson

FILE PHOTO: Johnson & Johnson COVID-19 vaccine is administered in Bay Shore, NY

Der Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson wird weiter beobachtet.

(Foto: Shannon Stapleton/Reuters)

Die Arzneimittelbehörde geht jedoch davon aus, dass das Vakzin in sehr seltenen Fällen ungewöhnliche Thrombosen auslösen kann.

Von Berit Uhlmann

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson uneingeschränkt einzusetzen. Allerdings soll ihm ein Warnhinweis beigefügt werden, der auf die Gefahr sehr seltener Thrombosen verweist, die mit einer erniedrigten Zahl von Blutplättchen einhergehen. Unterm Strich aber, so EMA-Chefin Emer Cooke, überwiege der Nutzen des Impfstoffs das Risiko von Nebenwirkungen. Er wurde in der EU im März zugelassen, aber bislang noch kaum ausgeliefert.

Die EMA hatte das Vakzin untersucht, nachdem in den USA acht Fälle der speziellen Thrombosen gemeldet wurden. Sie betrafen die Hirnvenen, aber auch andere Blutgefäße und traten ausschließlich bei Unter-60-Jährigen auf; die meisten von ihnen Frauen. Ein Mensch starb. Als die Ereignisse bekannt wurden, waren in den USA bereits etwa sieben Millionen Menschen mit dem Produkt von Johnson & Johnson geimpft. Die US-Gesundheitsbehörden CDC und FDA setzten die Impfungen mit dem Präparat vorübergehend aus.

Nach Angaben der EMA ähneln die in den USA beschriebenen Thrombosen jenen, die nach der Verabreichung des Astra-Zeneca-Vakzins in Europa aufgetreten waren. In Deutschland hat das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bisher 55 Fälle von Hirnvenenthrombosen bei Geimpften registriert; in 30 Fällen wurde zusätzlich eine verringerte Zahl von Blutplättchen entdeckt. Elf Menschen starben. Die meisten Gerinnsel wurden bei Frauen beobachtet; sie waren zwischen 20 und 66 Jahren alt. 13 Männer im Alter von 20 bis 70 Jahren waren betroffen.

Trotz der aktuellen Warnungen konnte die EMA nicht eindeutig bestätigen, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Thrombosen gibt. Sabine Straus, Vorsitzende des EMA-Sicherheitskomitees sprach von einem "möglichen Zusammenhang" und verwies auf die niedrigen Fallzahlen, die die Einschätzung schwer machen.

Ebenso ist nicht sicher, ob beide Impfstoffe die Blutgerinnsel auf die gleiche Weise auslösen. Beide verwenden die selbe Technologie. Sie transportieren das Gen für das Stacheleiweiß von Sars-CoV-2 mithilfe eines Adenovirus in die menschlichen Zellen. Allerdings kommen verschiedene Adenoviren zum Einsatz.

Der bisher plausibelste, aber noch nicht bestätigte Erklärungsansatz ist, dass die Impfstoffe eine Immunreaktion hervorrufen könnten, die zur Bildung von bestimmten Antikörpern führt. Diese richten sich dann gegen die für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen: Die Plättchen verklumpen leichter, gleichzeitig nimmt ihre Zahl ab, was Blutungen begünstigen kann. Einen ähnlichen Mechanismus beobachtet man in seltenen Fällen auch nach der Gabe des Medikaments Heparin, das die Blutgerinnung hemmt. Auch die EMA verweist auf diese Erklärung. Warum aber manche Menschen diese speziellen Thrombosen entwickeln, die überwältigende Mehrheit aber nicht, ist noch ein komplettes Rätsel.

Nach der Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna scheint das Problem nicht aufzutreten. Etwa zehn Millionen Dosen dieser Hersteller wurden bis Mitte April in Deutschland verabreicht. Sieben der damit Geimpften entwickelten eine Hirnvenenthrombose ohne den charakteristischen Abfall der Blutplättchen. Dies liege definitiv im Rahmen dessen, was man auch ohne Impfung erwarten würde, teilte eine Sprecherin des PEI mit. In den USA wurden unter 180 Millionen Geimpften gar keine derartigen Zwischenfälle bekannt.

© SZ
Zur SZ-Startseite
Zweite Impfung für Krankenschwester am Uniklinikum

SZ PlusBetriebsärzte
:"Wir können im Monat fünf Millionen Dosen verimpfen"

Bald sollen auch Betriebsärzte gegen Corona impfen. Anette Wahl-Wachendorf erklärt, was ihre Kollegen dann leisten wollen - und ob auch Partner und Kinder das Angebot nutzen dürfen.

Interview von Elisabeth Dostert

Lesen Sie mehr zum Thema