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Kolumne "Abspann": Grey's Anatomy:Pandemie in Serie

Grey's Anatomy

Dieses Bild aus einer der früheren Staffeln ist inzwischen bei "Grey's Anatomy" nicht mehr denkbar. Auch dort herrschen Pandemie-Bedingungen.

(Foto: Frank Ockenfels/© 2005 ABC, INC.)

"Grey's Anatomy" thematisiert als eine der ersten Produktionen Corona - und schafft die Kunst, sich nicht darauf zu beschränken.

Von Carolin Gasteiger

Wer aus dem pandemiebedingten Alltag fliehen will, fand bislang verlässlich Zuflucht in noch seuchenfreien Büchern, Filmen, Serien. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis Corona auch dort grassiert.

Einer der ersten Hotspots: Grey's Anatomy, Shonda Rhimes' Arztserie, deren 17. Staffel soeben angelaufen und auf iTunes verfügbar ist. Wenn Corona irgendwo Thema werden muss, dann natürlich im Krankenhaus, und so ist Rhimes' Produktion eine der ersten, bei denen nicht nur die Drehbedingungen pandemisch sind, sondern auch der Plot. Der spielt im April 2020 und ist schlicht beunruhigend.

Die Ärzte am Grey Sloan Memorial Hospital operieren nicht mehr, sie sind ausschließlich mit Covid-Patienten beschäftigt. Sie tragen astronautenhafte Schutzkleidung, am Hinterkopf sorgen Schläuche für Luftzufuhr, und die einzelnen Abteilungen sind mit Plastikvorhängen und Sicherheitstüren abgeriegelt. Die Protagonistin Meredith Grey, eigentlich Chirurgin und eigentlich sehr erfolgreich, klagt mit blasser Miene darüber, an einem Tag schon den vierten Patienten verloren zu haben, ein weiterer Assistenzarzt musste 100 Mal Angehörige über den Tod eines Covid-19-Patienten informieren. So viele wie in seinem bisherigen Berufsleben noch nicht. Im Vergleich dazu wirkt die Fernbeziehung zweier Ärzte via Handybildschirm wie eine harmlose Einschränkung.

Grey's Anatomy schildert in seiner letzten Staffel ein Horrorszenario, das durch Rückblenden in vorherige, pandemiefreie Staffeln umso drastischer wirkt. Trotz allem hält Drama-Königin Shonda Rhimes kleine Fluchten aus dem Alltag bereit. Wer denkt schon noch an Videokonferenzen und Abstandhalten, wenn ein Totgeglaubter mit offenen Armen am Strand steht und "Meredith" ruft?

© SZ/ebri
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