Comeback der Sitcom Flucht in den Spaß?

Unter den erfolgreichsten Serienstarts der Saison sind fünf Sitcoms. 2 Broke Girls bei CBS erzählt von zwei jungen Frauen ohne Geld. New Girl (Fox) ist die Geschichte von Jess, die nach der Trennung von ihrem Freund in eine Männer-WG zieht. Die Show startet diesen Mittwoch bei Pro Sieben. Doch nicht nur die neuen Serien sind erfolgreich, auch solche, die schon lange laufen. The Big Bang Theory, How I Met Your Mother oder Two and a Half Men haben in den USA und in Deutschland deutlich zugelegt. Die New York Times erklärte unlängst: "In einer düsteren wirtschaftlichen Lage feiert die Sitcom ihr Comeback."

Die finstere Weltlage als Grund für eine Flucht in den Spaß? Kann sein, aber wurden denn die Jahre davor vom Durchschnittsbürger Amerikas als so viel weniger bedrohlich empfunden?

Um zu verstehen, warum amerikanische wie deutsche TV-Kanäle ein für tot erklärtes Programm, die Amerikaner sagen: Show, nun wiederentdecken, muss man sich erinnern: Von wem wurde die Sitcom abgelöst? Vom Reality TV - sowie von hochwertig gemachten Drama-Serien. Beides lief und läuft auch noch gut. Reality TV reizt die Sendermanager deshalb, weil es billig produziert werden kann und erstaunliche gute Quoten erzielt.

In den USA sind - und auch deshalb wird dem Comeback der Sitcom nun so viel Aufmerksamkeit zuteil - zahlreiche Serien entstanden, die inhaltlich und technisch selbst perfektionierte Sitcoms wie Friends oder Eine schrecklich nette Familie weit hinter sich ließen. Serien wie Mad Men, The Wire, aber auch Sex and the City oder Desperate Housewives sind so aufwendig produziert wie Hollywoodfilme. Sie erzählen ihre lebensechten Figuren und tiefen Geschichten entlang großartiger Spannungsbögen. Und sie verkauften sich in hoher Stückzahl auf dem DVD-Markt, der angesichts sinkender Werbeeinnahmen eine wichtige Einnahmequelle geworden ist.

Eine Sitcom dagegen ist leichte Kost. Michael Gutmann ist Drehbuchautor (Nach fünf im Urwald, Krabat) und unterrichtet an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Er sagt: "Auffällig ist in den USA die Produktion großer Drama-Serien mit langen Erzählbögen. Während bei der klassischen Sitcom am Ende der Folge immer wieder der Normalzustand hergestellt ist, werden die Drama-Serien horizontal, also nach vorne erzählt. Figuren ändern ihre Lebensumstände, andere sterben. Bei HBO und AMC ist man sehr gut darin, Serien so wie Fortsetzungsromane zu erzählen."