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Fernsehen:"Bild" wird zum TV-Sender

Bald nicht nur im Internet, sondern auch über Kabel und Satellit empfangbar: "Bild Live"-Reporterin Nele Würzbach.

(Foto: Bild Live)

Axel Springer macht Tempo: Noch vor der Bundestagswahl soll bis zu sechs Stunden Liveprogramm über Kabel und Satellit gesendet werden.

Von Caspar Busse

Im Netz ist das Programm unter der Marke Bild Live schon länger zu sehen, jetzt soll es bald auch einen frei empfangbaren Fernsehsender mit dem Logo von Europas größter Boulevardzeitung geben. Starten soll der Kanal noch vor der Bundestagswahl im September, teilte das Medienunternehmen Axel Springer mit. Kern werde ein am Vormittag beginnendes Liveprogramm von täglich bis zu sechs Stunden sein.

Gesendet werde künftig aus den Studios im Axel-Springer-Neubau, hieß es. Der Sendestart stehe noch unter dem Vorbehalt der medienrechtlichen Erteilung einer Sendelizenz durch die Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg. Der neue Sender soll über Kabel, Satellit und im Internet zu empfangen sein.

Zuschauer sollen zu Wort kommen, "wo immer sie betroffen sind"

"Wir wollen Fernsehen machen, das Menschen nicht belehrt, sondern zeigt, was ist", wird Bild-Chefredakteur Julian Reichelt zitiert, was man durchaus auch als Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern verstehen könnte. Die Zuschauer würden auch selbst zu Wort kommen, "wo immer sie betroffen sind", so Reichelt. Programmchef des neuen Senders soll Claus Strunz werden, der ehemalige Chefredakteur von Bild am Sonntag. Das Programm des Senders werde mit Dokumentationen, Reportagen und anderen Formaten ergänzt, teilte Springer mit. Die Inhalte für die Livestrecke liefere aber die Bild-Redaktion.

In Deutschland ist die Konkurrenz unter Nachrichtensendern groß: Die RTL-Gruppe ist mit N-TV auf Sendung, auch die öffentlich-rechtlichen ARD und ZDF haben Newssender. Die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe will künftig ebenfalls wieder verstärkt auf Nachrichten setzen, bislang werden diese noch von Springer bezogen. Das Berliner Medienunternehmen hatte einst N 24 übernommen und den Kanal in Welt umbenannt. Bild-TV soll künftig neben Welt-TV senden.

Bei Springer war im vergangenen Jahr der US-Finanzinvestor KKR einstiegen, seitdem wird massiv in das Bewegtbild-Angebot investiert. Bild-Chefredakteur Reichelt war erst Mitte März freigestellt worden, weil es massive Compliance-Vorwürfe von Mitarbeitern gegen ihn gab. Nach einer internen Untersuchung kehrte er vor gut zwei Wochen zurück.

© SZ/cag
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