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Compliance-Verfahren:Julian Reichelt kehrt zurück zu "Bild"

Die neue Bild-Doppelspitze: Alexandra Würzbach und Julian Reichelt.

(Foto: Axel Springer PR)

Das hat der Vorstand von Axel Springer nach einer Compliance-Untersuchung beschlossen. Reichelt soll die Boulevardzeitung nun in einer Doppelspitze führen.

Von Laura Hertreiter

Er ist wieder da, am Montag kehrt Julian Reichelt zurück an die Spitze der Bild-Zeitung. Die Chefredaktion teilt er sich dann mit Alexandra Würzbach, derzeit Chefredakteurin der Bild am Sonntag. Das also ist das Ergebnis des Compliance-Verfahrens, nachdem mehrere Frauen Vorwürfe gegen Reichelt erhoben hatten. Machtmissbrauch im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz waren von einer Münchner Anwaltskanzlei untersucht worden.

Reichelt habe "Fehler in der Amts- und Personalführung" gemacht, teilte der Konzern nun am Donnerstag als Ergebnis mit, allerdings nicht von strafrechtlichem Ausmaß. Sein Chef, der Springer-Vorstand Mathias Döpfner, gab zu Protokoll: "Er hat Fehler gemacht." Fehler machen allerdings alle Menschen, weshalb Döpfner anfügt: "Nach allem, was im Zuge der Untersuchungen zum heutigen Tage bekannt geworden ist, halten wir eine Trennung aber für unangemessen." Das klingt ein wenig vorläufig, etwa nach: Der Julian muss jetzt mal eine Weile am Ende des Schultages die Stühle hochstellen. Auch eine Vermischung von beruflichen und privaten Beziehungen gibt Reichelt, 40, zu und lässt sich mit einer Entschuldigung zitieren: "Was ich mir vor allem vorwerfe ist, dass ich Menschen, für die ich verantwortlich bin, verletzt habe. Das tut mir sehr leid."

Der strauchelnde Boulevardzeitungschef ist eine verführerische Geschichte

Alexandra Würzbach, 53, tritt mit dem Auftrag an, die Unternehmenskultur bei der Bild zu retten, der nun auch Döpfner "Änderungsbedarf" attestiert. Und sicherlich auch muss, weil beim Springerkonzern seit zwei Jahren die amerikanische Investmentfirma KKR Anteile am Konzern hält und die Vorfälle streng im Blick hat. Reichelt hat die Bild schon mal in einer Doppelkonstellation mit einer Kollegin geführt, nicht lange allerdings. Als sich Tanit Koch 2018 verabschiedete, sagte Döpfner, die Aufteilung habe nicht funktioniert, "weil diese Aufstellung nicht zu Bild passt. Bild braucht ganz klare Verhältnisse".

Das interne Verfahren war in den Wochen zuvor von sehr ambitionierter Berichterstattung im Konjunktiv begleitet gewesen, seit Jan Böhmermann, ZDF-Satiriker mit großer Gefolgschaft im Netz und in deutschen Medienhäusern, Anfang März das Compliance-Verfahren erwähnt hatte. Es folgten umgehend Youtube-Scherze und ein Berliner Newsletter, der sämtliche Branchengerüchte über Reichelt zu einem Dramolett fiktionalisierte. Dann berichtete der Spiegel, Reichelt wurde darin anonym und diffus beschuldigt, auch in der Titelzeile des Magazins: "Vögeln, fördern, feuern". Der strauchelnde Boulevardzeitungschef war eine so gute Geschichte, dass jetzt auch außerhalb des Springer-Hochhauses Kollegen heiß liefen. Vor knapp zwei Wochen wurde Reichelt dann freigestellt.

Nun ist er wieder da. Prädikat: im Sozialen noch ausbaufähig. Alexandra Würzbach an der Seite. Er werde seine "Chance jetzt nutzen", beteuert Julian Reichelt.

© SZ
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