"Schwerwiegender Fehler":"BamS" zeigt falschen Tatverdächtigen

Messerattacke in Würzburger Innenstadt

So wäre es auch gegangen: mit einem Bild von Blumen und Kerzen am Tatort.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Die "Bild am Sonntag" hat nach dem Messerangriff in Würzburg einen völlig Unbeteiligten gezeigt. Die Entschuldigung des Blatts gibt zu denken.

Von Carolin Gasteiger

Der Bild am Sonntag ist "ein schwerwiegender Fehler" unterlaufen. Das räumt die Zeitung in einem Online-Artikel vom späten Mittwochabend selbst ein, nachdem das Onlinemagazin Medieninsider über den Fall berichtet hatte. Auf dem Titelbild der Ausgabe vom 27. Juni war neben der Schlagzeile "Der Messer-Killer jagte gezielt Frauen" eben nicht der mutmaßliche Täter von Würzburg zu sehen, sondern ein gänzlich Unbeteiligter. Was die BamS nun dazu bewogen hat, sich "In eigener Sache" zu entschuldigen.

In dem Text, der von niemandem gezeichnet ist, heißt es: "Das Foto auf der Titelseite zeigt NICHT den dringend Tatverdächtigen, der inzwischen in U-Haft genommen wurde, sondern einen Landsmann des Beschuldigten, der in keinem Zusammenhang mit dem Verbrechen steht." Man entschuldige sich in aller Form.

Warum hat die BamS den vermeintlichen Täter überhaupt unverpixelt abgebildet?

Nach gründlichster Recherche hätte man "keine vernünftigen Zweifel" daran gehabt, dass auf der geplanten Titelseite der BamS der Beschuldigte gezeigt werde. "Mehrere Quellen hatten uns dies unabhängig voneinander bestätigt, eine in die Ermittlungen in Würzburg involvierte Person auf Nachfrage sogar schriftlich."

Abgesehen davon, dass die Verwechslung ein fataler journalistischer Fehler ist, stellt sich eine andere Frage: Warum hat die BamS den vermeintlichen Täter überhaupt unverpixelt gezeigt? Man darf vermuten: Bei der Abwägung zwischen möglichen Verkaufszahlen und der Achtung von Persönlichkeitsrechten verlieren bei Bild eben oft die letzteren. Der Text "In eigener Sache" zeigt ja, dass es anders geht: Ihn illustriert ein Foto von Blumen und Kerzen am Tatort. Auch aus dem entsprechenden Online-Artikel wurde das Foto des vermeintlichen Verdächtigen entfernt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es auch aus den Tiefen des Internet gelöscht wurde.

Zynisch wirkt so vor allem das Ende des Entschuldigungstextes: "Diese Foto-Verwechslung ist umso bedauerlicher, als der Betroffene es aufgrund seiner Herkunft und seines Flüchtlingsstatus ohnehin in der aktuellen Situation schwer hat." Wozu Bild am Sonntag möglicherweise noch einiges beigetragen hat.

© SZ/mob
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