Journalismus Das sind die besten Podcasts des Monats

(Foto: SZ)

Ein dunkler skandinavischer Krimi, ungewöhnliche Reisegeschichten, literarische Gespräche und psychologische Phänomene: SZ-Redakteure stellen die besten aktuellen Podcasts vor.

Von SZ-Autoren

Podcasts haben einen neuen Boom des Geschichtenhörens ausgelöst - im Fiktionalen wie im Dokumentarischen und bei Ratgebern. Sie befördern neue Formate, etwa Serien, und bringen neue Produzenten hervor. Die SZ-Medienseite stellt jeden Monat ihre Favoriten vor.

Nochmal Nr. 1

rbbkultur/serienstoff

Helene Fischer und Andrea Berg gehört die Gegenwart. Ihre Vorgängerinnen als Stars des deutschen Schlagers sind hingegen allesamt im Rentenalter. Auch Ireen Sheer. Aber noch lange nicht auf dem Altenteil. Sheer, Peggy March, Lena Valaitis und männliche Kollegen wie Michael Holm treten immer noch auf, machen immer noch Platten. Ireen Sheer hat in diesem Jahr die höchste Chart-Platzierung ihrer Karriere erreicht. Benjamin Teske, der mit Schlager nichts am Hut hat, begleitet die Sängerin über Monate hinweg für seinen achtteiligen RBB-Podcast Nochmal Nr. 1, taucht in den Schlagerkosmos ein, wird Teil davon. Staunt und beobachtet, statt vorschnelle Erklärungen zu liefern. Teske lässt die Dinge für sich sprechen. Im Guten wie im Zweifelhaften. Statt einen mit Ohrwürmern zu ködern. Stefan Fischer

Der Ausnahmezustand

deezer.com/de/show/360772

Müsste man ein Trend-Genre im Bereich des fiktionalen Erzählens bestimmen, läge Nordic Noir weit vorn. Krimis also mit düster-ambivalenter Atmosphäre und Mordszenarien in Skandinavien, deren Aufklärung sich verschrobene Ermittler annehmen. Der Ausnahmezustand, mit seinen acht Folgen das erste Original-Hörspiel im Podcast-Format des Musikstreaming-Dienstes Deezer, ist ein solcher Nordic-Noir-Krimi. Der Tatort: Kopenhagen in der nahen Zukunft, bedroht von Terror und ökologischer Misere. Ida, die Tochter der beiden Polizeibeamten Anita Jensen und Jesper Henriksen, begeht Selbstmord. Sie ist nicht die Einzige. Mehrere Kinder hochrangiger Politiker wählen den Tod anstelle des Lebens auf einem Planeten, den die Menschen zerstören. "Zwischen der Welt, die wir errichtet haben, und dem Nichts hat sie das Nichts gewählt", sagt Idas Mutter, die gebrochen zurückbleibt und nach Antworten sucht. Der kollektive, einem Märtyrertod gleichende Suizid als Ausgangspunkt dieser Geschichte ist ein heikles Mittel, um die Handlung zu motorisieren. Bemerkenswert geschickt dagegen verflicht der Regisseur Matthias Kapohl die Erzählebenen aus Rückblenden, Träumen und den ähnlich wie in einem Tagebuch zusammengefassten Gedanken des Vaters. Carolin Werthmann

Welttournee - Der Reisepodcast

der-reisepodcast.de

Die Macher vieler Reisepodcasts schlürfen Kokosnüsse am Strand, lassen sich mit dem Taxi zum Hotel kutschieren und bewerten den Service im Sternerestaurant. Sie laden zum Träumen ein, aber nicht zum Nachmachen. Wie aber sieht der Urlaub aus, wenn Inlandsflüge, teure Unterkünfte und gepflegte Vorurteile ersetzt werden durch Fahrten mit dem Nachtzug, das Zelten unter Bäumen und grenzenlose Neugier? Statt gebuchten Gruppenausflügen prägen authentische und zuweilen skurrile Begegnungen mit Einheimischen die Reisen, von denen Christoph Streicher und Adrian Klie in Welttournee berichten. Die zwei Vollzeit-Berufstätigen haben bereits mehr als 100 Länder erkundet - meist nur mit Handgepäck und kleinem Budget - und schildern ihre Erlebnisse grundsympathisch und unterhaltsam. In 25-minütigen Episoden fiebern die Hörer bei der norwegischen Zollkontrolle mit, lachen über ukrainische Witze und haben den Geschmack guatemaltekischer Maismehl-Gerichte im Mund. Rebekka Gottl

Griechenland Eine Insel wie eine Zeitreise
Amorgos in Griechenland

Eine Insel wie eine Zeitreise

Das Meer ein Wahnsinnsblau, überall alte Maultierpfade, aber kaum ein Mensch: Die Kykladeninsel Amorgos war schon immer ein Ort für jene Seelen, die die Einsamkeit lieben. Und sie ist wie geschaffen fürs Wandern.   Von Richard Fraunberger

Hanser Rauschen

hanser-literaturverlage.de/rauschen

Eine Mischung aus Branchengespräch, Debatte und Blick hinter die Kulissen präsentiert der Hanser Verlag mit seinem neuen Podcast Hanser Rauschen. Florian Kessler und andere Lektoren des Verlages sprechen mit Autoren über Lesen, Leben und Schreiben. Die Gespräche sind ganz ungezwungen geführt, kaum geschnitten und sehr ausführlich. Schon in der ersten Folge diskutieren die Hanser-Leute mit T.C. Boyle auf Englisch über sein Schreiben und den beängstigenden Zustand der Welt. Boyles eigener Plan gegen all die Krisen: einfach sterben. Damit das Ganze nicht nur eine Werbeaktion für Hanser ist, sind auch Autoren anderer Verlage zu Gast, zum Beispiel der Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow, der verrät, er führe sonst lieber Selbstgespräche, oder Juli Zeh, die inzwischen neben ihrer Tätigkeit als Autorin auch als ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht Brandenburg arbeitet. Mit ihr diskutiert Kessler über Politikverdrossenheit, Populismus und neue Möglichkeiten der demokratischen Partizipation. Das Ganze soll ja eigentlich ein Literatur-Podcast sein, stellen die beiden nach mehr als einer halben Stunde fest. Stört aber gar nicht, denn von der Literatur ausgehend lässt sich eben einfach so gut über die ganze Welt diskutieren. Nicolas Freund

Journalismus Das sind die Podcast-Tipps des Monats
Journalismus

Das sind die Podcast-Tipps des Monats

Von pflanzlichem Wurstsalat und siebzig Jahre alten Detektivgeschichten. SZ-Redakteure stellen die besten Podcasts vor, die es gerade zu hören gibt.   Von SZ-Autoren

Die Lösung

deinpuls.de/dieloesung

Wer nach Psychologie-Podcasts sucht, findet vorwiegend akademisierte Studiumsleitfäden. Lebensnah, pragmatisch und unterhaltsam geht es dagegen im Puls-Podcast Die Lösung zu. Die Moderatorin Verena Fiebiger und die Psychologin Lena Schiestel behandeln in jeder der gut halbstündigen Episoden ein psychologisches Phänomen: Lisa ist extrem eifersüchtig und liest Nachrichten auf dem Handy ihres Partners. Johannes prokrastiniert - so sehr, dass er, obwohl er Zivildienst leisten wollte, die Wehrdienstverweigerung verpasste und doch eingezogen worden ist. Und Linda schämt sich, wenn sie über Gefühle reden soll. In (manchmal fast zu) lockerem Ton, persönlich und mit gut ausgewählten Fallbeispielen machen die beiden Psychologie fassbar. Am Ende jeder Folge gibt es eine praktikable Lösung für jedes Problem, die manchmal jedoch sehr lapidar wirkt (man soll sich seiner Eifersucht bewusst sein und sich dann bewusst ablenken?). Insgesamt ist Die Lösung aber ein unterhaltsamer und konstruktiver Alltagsratgeber. Carolin Gasteiger

Prokrastination Warum sind Prokrastinierer noch nicht ausgestorben?
jetzt
Evolution

Warum sind Prokrastinierer noch nicht ausgestorben?

Evolutionsbiologisch ergibt Aufschieben nicht viel Sinn - oder doch?

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