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Bauer sucht Frau im TV:Von Menschen und Schweinen

RTL scheint eine Menge Geld mit nahezu unvermittelbaren Bauern zu scheffeln - und es sehen immer noch bis zu acht Millionen Menschen zu. Aber warum? Der Versuch einer Annäherung an das Phänomen.

Das Schöne ist ja, dass die besten Geschichten das Leben selbst schreibt. Wenn der "sanfte Schweinebauer Uwe" sich wie ein Kind freuen darf, dass ihm endlich eine Versicherungsangestellte zur Seite gestellt wurde, die unbeschwert und vor Millionenpublikum mit ihm minutenlang über ein Wasserbett hüpft, ohne sich dafür zu schämen - dann strahlt der Bauer, der sich in den Medien als "der Mann mit einem Meteoriteneinschlag als Nase" kennzeichnen lassen muss, übers ganze Gesicht.

Bauer sucht Frau auf RTL

Neues Glück: Kuhbauer Horst aus dem Bergischen Land hat Buchhalterin Babette aus Ostfriesland gefunden. Geschichten wie diese in Bauer sucht Frau begeistern bis zu acht Millionen deutsche Fernsehzuschauer. Auch wenn oder gerade weil der Moment der Liebe bisweilen sehr flüchtig ist.

Auch Veit und Philipp, das erste schwule Paar in der Geschichte von Bauer sucht Frau, erscheinen beseelt: Mutter und Oma des Nicht-Bauern sind auf den Hof des Zukünftigen gereist, um bei von Männerhand gebackenem Kuchen mit Herzchendeko von alten Zeiten zu erzählen, als Homosexuelle sich noch hätten "verstecken" müssen. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet", raunt die Großmutter unter einer eindrucksvollen Riesenbrille mit dann doch sehr nachdenklichem Blick.

Da freut sich auch RTL, dass es außer ein paar Alliterationen wie "fröhlicher Friese" und "munterer Milchbauer" (wobei die Zuschreibungen ironisch gemeint sein müssen, denn zu sehen ist das Gegenteil von "fröhlich" und "munter") nur ein paar Kameras und ein paar eigentlich öffenlichkeitsuntaugliche Protagonisten oder zumindest Randgruppenangehörige braucht, um "Tabus zu brechen" und damit ganz unerschrocken auf Zuschauerfang zu gehen. Bis zu acht Millionen Deutsche sahen in den vergangenen zwei Monaten wieder jeden Montagabend um 21:15 Uhr die neue Staffel des Kuppel-Formats Bauer sucht Frau, deren siebte Staffel nun zu Ende ging. Man fragt sich nur: Was treibt sie an?

Weil es Landliebe ist

Im Falle der Landwirte ist die Sache relativ klar: Einige von ihnen suchen wirklich eine Frau. Auf dem Land, da gibt's koa Sünd, Frauen sind Mangelware für rund um die Uhr arbeitende Schwerstarbeiter, das Fernsehen bietet da eine vergleichsweise schnelle und komfortable Variante der Partnerinnenvermittlung.

Im Falle von RTL ist die Sache mindestens genauso klar: Wenn alle Nachfolge-Kuppel-Formate weniger erfolgreich sind, obwohl sie mühevoll gecastet, gescripted und performt wurden, dann zieht am besten noch immer das Original mit den "echten" Menschen und der "echten" Landliebe. So echt, dass es beim Zuschauen nicht nur manchmal schmerzt, sondern in der Regel. Um dieses ständige Kuriositätenkabinett aufrechtzuerhalten, greift der Sender auch mal zu Bauern, die eigentlich Busfahrer sind, und zu Kandidatinnen, die eigentlich Prostituierte sind, was den Boulevardmedien wiederum wochenlang Futter gibt.