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Batman als TV-Serie:Aus Schurken werden Schurken

Batman

Gotham heißt die neue TV-Serie beim US-Sender Fox, und sie soll zunächst ohne Batman und ohne Joker auskommen.

(Foto: dpa)

Düster, dekadent, korrupt: "Gotham" heißt die neue Serie, auf die Batman-Fans in den USA ungeduldig warten. Das Prequel soll zunächst ohne Batman und ohne Joker auskommen.

Es gibt da eine neue Fernsehserie, von der aufgrund der gewaltigen Werbemaßnahmen des Senders Fox in den USA nur Menschen nichts mitbekommen haben, die den ganzen Tag zum Himmel starren. Doch auch die könnten noch informiert werden, schließlich würde es nicht verwundern, wenn zum US-Start am Montag über jeder größeren Stadt ein Fledermaus-Zeichen erstrahlt. Gotham heißt sie, und es soll eine Batman-Serie ohne Batman und zunächst auch ohne den Joker sein. Schon deshalb will man Erfinder Bruno Heller fragen: Are you serious?

Ob er das ernst meint oder nicht: Es ist schwer in Mode, Comics nicht mehr nur auf der großen Leinwand zu zeigen, sondern auch fürs Fernsehen zu adaptieren. Nach Marvel's Agents of the S.H.I.E.L.D., Arrow und The Walking Dead kommen in dieser Spielzeit Flash, Constantine und eben Gotham hinzu. Die großen TV-Sender können sich wegen der Popularität der Comics sicher sein, dass bereits vor dem Start eines Projekts ein immenser Hype entsteht und Fans auf sozialen Netzwerken kostenlos für die Serie werben.

Es ist auch künstlerisch spannend, weil die Verantwortlichen kein Popcorn-Spektakel veranstalten müssen, sondern tief eintauchen können in die gewaltigen Universen dieses Genres. Schauplatz und Figuren sind bekannt, es kann sofort losgehen mit der Handlung. Im Falle eines Batman-"Prequels" - also einer Serie, die das Vorleben der Batman-Figuren erzählt - ist das besonders interessant: Es geht um den künftigen Helden, der zu Beginn durch den Mord an seinen Eltern traumatisiert wird und sich zum maskierten Rächer entwickeln darf.

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Und die zahlreichen überstilisierten Bösewichter wie Catwoman, Penguin, Riddler, Poison Ivy - wie werden sie zu dem, was sie später darstellen? Wie wird aus der Stadt Gotham City dieser gottverlassene Ort, der nur von einem maskierten Superhelden gerettet werden kann?

"Werden Leute in die Irre führen"

Die Batman-Welt scheint perfekt für die serielle Aufarbeitung, doch zumindest in der ersten Folge liegt genau darin das Problem: Serienerfinder Heller filmt, soweit die Referenzen ihn tragen. Gotham ist eine Mischung aus dem New York der 80er-Jahre und dem Los Angeles der Zukunft von Blade Runner: düster, dekadent, durch und durch korrupt - bis auf den Polizisten Jim Gordon, der dem jungen Bruce Wayne nach dem Mord an dessen Eltern verspricht, die Täter zu finden. Zu sehen sind die künftigen Schurken, deren Eigenschaften bereits derart ausgeprägt sind, dass man sich fragt, wohin sich diese Figuren denn noch entwickeln sollen.

Natürlich taucht ein Komiker auf, von dem die Zuschauer denken sollen, dass aus ihm mal der Joker werden könnte. Heller sagt: "Wir werden damit spielen, nicht nur mit dem Joker. Wir werden das subtil machen und die Leute damit hoffentlich in die Irre führen." Nochmal: Are you serious?

Es sind die fantastischen Schauspieler, die aus Gotham dennoch faszinierendes Fernsehen machen: Ben McKenzie und Donal Logue bilden als Jim Gordon und Harvey Bullock ein wunderbares Ermittlerpaar, Robin Lord Taylor gibt einen sinistren Oswald Cobblepot, auch bekannt als Penguin, John Doman den finsteren Mafiaboss Carmine Falcone.

Es gibt noch einen wichtigen Grund, warum Gotham eine bedeutende Serie werden könnte: das Vertrauen des Senders. Fox hat ohne Pilotfolge bereits 16 Episoden bestellt, Entertainment-Chef Kevin Reilly sprach bereits vor der Premiere von einer zweiten Staffel. Heller kann sich im reichen Batman-Fundus bedienen, stets neue faszinierende Figuren und interessante Geschichten einführen, ohne ständig fürchten zu müssen, gleich abgesetzt zu werden.

Was er aber nicht tun kann: ein Fledermauszeichen über Gotham erstrahlen lassen, damit Batman den Tag oder die Serie rettet. Das muss Heller ganz allein machen.