Serie "Gotham" bei Netflix:Fledermaus geht ins Netz

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Gotham TV-Serie

Szene aus Gotham mit Robin Lord Taylor (l.) und Ben McKenzie

(Foto: AP)

Viele Fernsehkanäle hätten gerne die neue Batman-Serie ausgestrahlt. Aber den Zuschlag für "Gotham" bekam der Streamingkanal Netflix.

Von Christoph Giesen

Die Geschichte ist schnell erzählt, doch begeistert sie immer wieder Millionen: Als Kind muss Bruce Wayne mit ansehen, wie ein Räuber seine Eltern auf der Straße erschießt. Der Junge schwört Rache, seine Heimatstadt Gotham City will er vom Verbrechen befreien. Er macht Kampfsport, eignet sich Wissen in Chemie und Physik an. Und schon bald nimmt er den Kampf gegen das Verbrechen auf. Mit Umhang und Fledermausmaske jagt er, der Batman, die Kriminellen in Gotham City, an seiner Seite stets sein treuer Adjutant Robin.

Erschaffen wurde Batman 1939 als Comic-Figur, seine Väter: der Autor Bill Finger und der Zeichner Bob Kane. Absoluten Weltruhm erlangte Batman allerdings vor 25 Jahren. Im Sommer 1989 kam der erste Film in die Kinos. Es wurde ein voller Erfolg. 413 Millionen Dollar spielte der Streifen ein. Und einen ordentlichen Anteil davon heimste Jack Nicholson in der Rolle des Batman-Rivalen Joker ein. Mindestens 60 Millionen Dollar sollen es gewesen sein. Weitere Filme folgten, sie alle waren kommerziell große Erfolge. Auch die ein oder andere Serie lief seitdem phantastisch.

Kaum verwunderlich also, dass Fans und natürlich auch Fernsehmacher gespannt auf den Start der neusten 16-teiligen Batman-Serie "Gotham" warten, die am 22. September zum ersten Mal ausgestrahlt werden soll. Sie erzählt von der Zeit, bevor Bruce Wayne zum Batman wurde.

Und die Serie kommt mit einer ordentlichen Überraschung daher. Die traditionellen Fernsehsender haben in der Bieterschlacht um die Serie den Kürzeren gezogen. Normalerweise verhandeln die Produzenten in den einzelnen Ländern mit unterschiedlichen Stationen und schließen am Ende Dutzende individueller Verträge. Diesmal ist es anders. Nach der Erstausstrahlung bei Fox werden Batman und Robin beim Streamingportal Netflix auf Verbrecherjagd gehen. "'Gotham' ist die am sehnlichsten erwartete Serie in diesem Herbst, und wir sind begeistert, dass wir sie unseren Mitgliedern auf der ganzen Welt anbieten können", sagte Ted Sarandos, der Netflix-Programmchef.

Fernsehprogramm selbst gestalten

Vor allem in den USA ist sein Portal erfolgreich, dort haben schon Hunderttausende ihren Kabelanschluss gekündigt. Statt auf Wiederholungen von Serien zu hoffen, gestalten sie ihr Fernsehprogramm längst selbst. Angefangen hatte Netflix 1997 als Online-Videothek. Damals, als das Internet noch ruckelte, konnten die Nutzer die Filme online nur bestellen, die DVDs kamen per Post. Seit 2007 bietet Netflix jedoch Video-on-Demand an. Viele Nutzer konnte das Unternehmen auch durch eigene Produktionen wie zum Beispiel der Polit-Serie "House of Cards" für sich gewinnen. Weltweit haben so mehr als 50 Millionen Kunden bereits einen Zugang.

Bald schon ist Netflix auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten, noch in diesem Monat soll es losgehen. Und auch hierzulande dürften eigene Produktionen für den deutschsprachigen Markt gedreht werden. Vor allem auch deshalb, weil die Nutzungsrechte für die bisherigen Netflix-Serien bereits an andere Anbieter verpachtet wurden. Aus diesem Grund hat Netflix wiederum selbst kräftig eingekauft. Für den Deutschland-Start habe man unter anderem die Ausstrahlungsrechte für die Comedy-Serie "Stromberg", eine Reihe Til-Schweiger-Filme und "Die Sendung mit der Maus" erworben, sagte Programmchef Ted Sarandos kürzlich dem Spiegel.

Mit 'Gotham' und Kinderfernsehen, so macht sich Netflix also auf die Jagd. Natürlich nicht auf Verbrecher wie den üblen Joker, sondern auf die Kunden. Falls der Versuch fehlschlägt, können sich die Netflix-Manager mit einem Batman-Spruch trösten. "Warum fallen wir, Sir, damit wir lernen können, uns wieder aufzurichten."

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