Arte-Doku "Suche nach der Heiligen Vorhaut" O Mutter Kirche!

Ist sie hier drin? Reliquiar in der Abtei von Conque.

(Foto: Lucas Gath/All Media/MDR)

Es geht um Kirche und Sex: Ein Reisereporter aus New York macht sich auf die Suche nach einer skurrilen Reliquie, der Vorhaut Jesu. Man kann nur staunen über das, was man da sieht.

Von Matthias Drobinski

Das Thema passt großartig in die Zeit. Es geht um Sex und um die katholische Kirche, die wieder mal was vertuschen will. Es geht um Gottes Sohn und ob er nicht doch etwas zurückgelassen hat auf Erden, aus dem sich am Ende gar die DNA Gottes aufschlüsseln lässt. Es geht um die Vorhaut Jesu. Arte widmet ihr 51 Minuten kostbarer Sendezeit. Und über das, was da gezeigt wird, kann man so staunen wie im Mittelalter die Menschen vor den Reliquien ihrer heiligen Mutter Kirche stehend.

Die Geschichte der Heiligen Vorhaut geht so: Jesus war als Jude beschnitten, das Lukasevangelium berichtet davon. Ziemlich unwahrscheinlich ist dagegen, dass seine Vorhaut nicht nach jüdischer Sitte vergraben, sondern, fachgerecht in Öl gelagert wurde, wie die Legende berichtet. Im Mittelalter stritten ein halbes Dutzend Vorhäute um die Ehre, die einzig wahre zu sein; jene in Rom setzte sich durch, die Karl der Große angeblich Papst Leo III. anlässlich der Kaiserkrönung geschenkt hat. 1527 soll sie ein deutscher Soldat gestohlen haben; 30 Jahre später soll sie in Calcata wiedergefunden worden sein, dem Ort, wo sie dann aufbewahrt und verehrt wurde - bis sie 1983 unter ungeklärten Umständen gestohlen wurde.

Nun also hat sich, nicht als erster, der New Yorker Journalist David Farley auf den Weg gemacht, die verschwundene Vorhaut zu suchen. Er hat einen Verdacht: Könnte es nicht sein, dass der Vatikan selber mit dem Verschwinden der Vorhaut zu tun haben könnte - weil der katholischen Kirche die skurrile Reliquie doch recht peinlich geworden war?

Man weiß nicht, wo sie ist, die gestohlene Reliquie

Nun gibt es tausende merkwürdige Reliquien in katholischen Kirchen, ohne dass der Vatikan Diebe beauftragen würde, aber egal, könnte ja sein. Und so begibt sich Farley auf die Reise. Ja, sagt der Biologe, man könnte aus einem Hautstück von vor 2000 Jahren die DNA bestimmen. Ha! Ein Hinweis! Kann schon sein, dass die Kirche den Vorhaut-Klau selber inszeniert hat, sagen drei nicht näher identifizierbare Bewohner Calcatas.

Siehste: Das ganze Dorf glaubt, dass die Kirche lügt! Kann ich mir nicht vorstellen, sagt der Mann aus dem Vatikan, der dort die Reliquien pflegt. Aber der gehört auch zu den Vertuschern. Oder könnte die wahre Vorhaut vielleicht nicht doch in Frankreich sein, in der Abtei Charroux? Nichts wie hingefahren. Kann schon sein, sagt da einer. Erschöpft von der knallharten Recherche kommt der Autor zum Fazit: Man weiß nicht, wo sie ist, die gestohlene Reliquie.

Farley ist ein angesehener Reisejournalist. Das Reisebuch, das er über seine Suche geschrieben hat, ist preisgekrönt, es hat die erzählerische Leichtigkeit, die dem Film fehlt. Als Reisereportage hat er tatsächlich schöne Bilder verwunschener Orte aus Italien und Frankreich zu bieten - wäre da nicht der Autor, der ständig durchs Bild stapft, im immer gleichen Hemd, schwitzend Authentizität verbreitend. Schön, wenn einer reisen darf, um sich seine Arbeitshypothesen selber zu bestätigen. Aber muss man ihm dabei zuschauen?

Suche nach der Heiligen Vorhaut, Arte, 17.30 Uhr.