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ARD-Mittwochsfilm "Monsoon Baby":Kind im fremden Bauch

Monsoon Baby

Acht Jahre lang haben sie versucht, ein Kind auf dem sonst üblichen Weg zu bekommen: Nina (Julia Jentsch) und Mark (Robert Kuchenbuch).

(Foto: Christian Hartmann/BR)

Ein junges deutsches Paar möchte ein Kind haben, kann aber keines bekommen. Nach drei Fehlgeburten bezahlt es eine Leihmutter - in Kalkutta. Die Geschichte wurde zwar ein wenig hingedengelt, aber Hauptdarsteller Julia Jentsch und Robert Kuchenbuch sind selbst in den unechtesten Szenen echt.

Von Karin Steinberger

Am Ende ist Blut. Überall. An allen Händen, an allen Beteiligten, mehr muss man nicht wissen, nur das: Keiner bleibt ganz sauber in diesem Geschäft. Und trotzdem gibt es nicht den einen Bösen, den einen Schuldigen, es gibt nur die verschiedenen Menschen - sie lügen ein wenig und zweifeln und machen Fehler und torkeln schon mal betrunken durch die Nacht. Jeder von ihnen hat an irgendeinem Punkt seines Lebens eine Entscheidung getroffen. Aus gutem Grund vielleicht - aber was ändert das schon.

Monsoon Baby erzählt die Geschichte eines jungen deutschen Paares, das ein Kind haben möchte, aber keines bekommen kann. Nach drei Fehlgeburten, vier Jahren Hormontherapie und acht Jahren Kampf gegen die eigene körperliche Unzulänglichkeit beschließen Nina (Julia Jentsch) und Mark (Robert Kuchenbuch), eine Leihmutter zu bezahlen, um ihr Kind auszutragen. Und weil nach all dem Zyklusmonitoring und den hormonellen Stimulationen und In-vitro-Fertilisationen das Geld knapp ist, landen sie nicht in Belgien oder Kalifornien, sondern in Kalkutta.

Welche hätten's denn gern?

"Here we are", sagt die indische Ärztin und holt wie aus einer Magic Box drei scheue, indische Frauen hinter einem Vorhang hervor. Die einen bekommen Geld, die anderen ein Kind. Es ist ein Geschäft, das allen eine Chance auf ein besseres Leben gibt, sagt die Ärztin, die Babys zusammenbaut und in ihre Leihmütter einpflanzt, unschlagbar billig. Die drei Frauen stehen da wie bei Robert Lembke: Welche hätten's denn gern?

Es gibt in diesem Film keine sinnfreien Unterhaltungen, nur, um ein paar Fakten über die Problematik unterzubringen. Man bekommt trotzdem mit, was man wissen muss: Dass Leihmutterschaft in Deutschland illegal ist, dass die moralischen Bedenken und der soziale Druck einen erschlagen können. Alles wird gesagt, indem es eben nicht gesagt wird.

Regisseur Andreas Kleinert vertraut seinen Schauspielern, er lässt sie einfach spielen. Julia Jentsch, wie sie am Fenster des Hotels steht und runterschaut, in Straßen voller Kinder. Wie sie die Augen verdreht, als ihr Freund noch einmal all die Fragen stellt, die sie so dringend loshaben will: Woher kommen diese Frauen? Kennen sie die Risiken einer Schwangerschaft? Entsteht während der Schwangerschaft keine Bindung zwischen Mutter und Kind?

Geplatzte Fruchtblase in den Mangrovenwäldern

Natürlich wurde die Geschichte ein wenig hingedengelt. Ausgerechnet die Frau, die sie ausgesucht haben, hat einen Mann, der nichts von der Leihmutterschaft weiß. Ausgerechnet diese Frau verschwindet. Ausgerechnet Ninas Vater ist furchtbar reich und furchtbar einsam in seinem Designerhaus. Oder die schablonenhaft nervige Schwiegermutter, der die Schwangerschaft vorgespielt wird. Es werden ein paar Schaumstoffbäuche besorgt, vierter Monat, sechster Monat. Oder die Hochzeit in Indien, mit Mantras und Puffreis und golddurchwirktem Sari. Und dann noch: Showdown und geplatzte Fruchtblase in den Mangrovenwäldern der Sunderbarns.

Aber all das spielen Julia Jentsch und Robert Kuchenbuch weg, sie sind selbst in den unechtesten Szenen echt, sie kämpfen und zweifeln und streiten, sie durchleben siebentausend Kilometer entfernt von der Frau, die ihr Kind austrägt, eine abstruse, seltsame Scheinschwangerschaft. Bis Nina alleine losfährt nach Indien, um dem eigenen, fremden Embryo nahe zu sein.

Alles endet mit Blut und Zweifeln und dem Schrei eines Neugeborenen. Mark geht erst mal kotzen. Und ein deutscher Beamter weigert sich, so zu tun, als wisse er von nichts.

Monsoon Baby, ARD, 20.15 Uhr

© SZ vom 17.09.2014/tgl

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