ARD-Film "Halbe Hundert" Wenn der halbe Arsch ab ist

In "Halbe Hundert" geht es ums Alter und wie Frauen um die 50 damit umgehen. Eine schöne Filmidee mit Martina Gedeck, aber für eine Komödie nicht komisch genug, für ein Drama nicht entschieden. Und voller Klischees.

Von Christopher Keil

In einem kurzen Gespräch über den Film Halbe Hundert wird Martina Gedeck gefragt, warum "vermeintlich starke Frauen empfänglich für Liebesbekundungen von zweifelhaften Männern" seien? Und Gedeck antwortet: "Ich bezweifle, dass die Mehrheit der erfolgreichen Frauen so ist. Letztlich ist die Wahl der Beziehung eng verknüpft mit Persönlichkeit und Intelligenz."

Brustkrebs, Verlust von Jugend, Entfremdung von der Familie, Trennung: All das, worum es in Halbe Hundert geht, soll es geben. Auch, dass ein Callboy (Torben Liebrecht) eine vermögende Frau (Martina Gedeck) erpresst.

(Foto: dapd)

Das ist, wenn man so will, das Beste, was man über Halbe Hundert sagen kann, einen Film über drei Frauen um die 50, der für eine Komödie nicht komisch genug, für ein Drama nicht entschieden genug ist. Die Figuren wirken, als habe man sie im Supermarkt der Klischees ausgerüstet, Bezüge zur Wirklichkeit sind beabsichtigt.

Gedeck zum Beispiel spielt eine erfolgreiche und vermögende Ärztin, die von einem Callboy erpresst wird. So etwas soll es geben. Wie es ja alles gibt, was da so aufgefahren wird: Brustkrebs, Verlust von Jugend, Entfremdung von der Familie, Trennung, bestimmt auch unverbrüchliche Freundschaft unter drei Frauen, die sich alles gönnen, alles verstehen und sich nichts nehmen. Oder Damen, die sich durch drei Scheidungen eine wirtschaftliche Existenz aufgebaut haben und im Herzen feine, geile Mädchen geblieben sind. Und natürlich Karrieristinnen, die als Hausfrau einen Ehemann haben und nicht einmal merken, dass die Tochter so gar nicht auf Kerle steht - oder, wie es der fürsorgliche Daddy ausdrückt, sexuell mit 15 noch nicht eindeutig festgelegt ist.

Das, was Halbe Hundert möchte, ist ja klar und gut: Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist demnächst 50 Jahre alt, und auch wenn die 50-Jährigen heute die 40-Jährigen von gestern und 30-Jährigen von vorgestern sind, bleibt das Thema Alter, ob's nun um Körper, Geist oder Seele geht. Mit 50, so kann man das mal sagen, ist der halbe Arsch ab, und es fällt einem zuweilen schwer, auf dem anderen entspannt ins Abendrot zu rutschen. Da ist und wäre eine Menge drin, vor allem, wenn Martina Gedeck, Johanna Gastdorf und Leslie Malton mitmachen. In diesem Sinne gibt's ein paar schöne Szene, ansonsten: chance passé, nächster Versuch.

Halbe Hundert,ARD, 20:15 Uhr

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