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ADAC Motorwelt:Stelldichein der Politprominenz

Über die Jahre sind sie also durchs Heft gefahren, die Bundeskanzler, Verkehrsminister und Politiker dieses Landes. Angel Merkel (CDU), noch als Umweltministerin, später als Kanzlerin. Erwin Teufel (CDU), einst Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Auch die Sozialdemokraten Reinhard Klimmt, Kurt Bodewig, Manfred Stolpe und Wolfgang Tiefensee als Verkehrsminister.

"Autokanzler" Gerhard Schröder (SPD) fand sich im Streitgespräch mit Edmund Stoiber, dem Herausforderer von der CSU. Günther Beckstein (CSU) als Bayerns Ministerpräsident legte einen Stopp bei der Motorwelt ein, ebenso Frank-Walter Steinmeier als SPD-Kanzlerkandidat und natürlich der aktuelle Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

Das Stelldichein der Politprominenz hat allzuoft Gemeinplätze zur Folge - Sätze wie "Langfristig werden alternative Antriebstechnologien eine zunehmend wichtige Rolle spielen" oder "Ich bin gegen Tempolimit" (alle Angela Merkel).

Es spricht für die Motorwelt, dass sie ihre prominenten Mitarbeiter aus Berlin nicht marktschreierisch anpreist. Leider wollen es die Gäste aus der Politik allen recht machen. Da wirkt die Zeitschrift wie ein allzu williges Transportmedium für Polit-PR.

Sechs Millionen Leserinnen

Vielleicht ist das mit ein Grund, warum die Motorwelt, trotz Prominenz und hoher technischer Kompetenz, laut der letzten Media-Analyse rund 600.000 Leser verloren hat. Chefredakteur Ramstetter sagt, man müsse sich "mit dieser Zahl intensiv auseinandersetzen und nach den Gründen suchen". Das habe aber noch keinen Einfluss auf die Anzeigenkunden. Bei Frauen habe man sogar hinzugewonnen - es seien jetzt rund sechs Millionen Leserinnen.

Dass die Motorwelt bei jungen Männern verloren hat, wurmt Ramstetter aber denn doch ein wenig. Möglicher Grund sei der Relaunch der Zeitschrift im Dezember 2009: "Der ist noch an vielen Stellen verbesserungsfähig. Ich habe den Verdacht, dass unsere Bildsprache jetzt zu intellektuell ist. Auch ist die Leserführung noch nicht ideal." Und natürlich bezögen inzwischen 500.000 ADAC-Mitglieder die Motorwelt als E-Paper: "Die bekommen dann natürlich kein Printheft mehr. Aber die klicken mir noch zu wenig", so Ramstetter.

In der Autofahrer-Nation Deutschland wird die Motorwelt sicher noch viele Jahre ein Begleiter sein. Eines werden die Macher jedoch wohl nie lösen: Wer immer an den ADAC denkt, hat nicht die auflagenstärkste Zeitschrift im Kopf, sondern die "Gelben Engel" des ADAC, die Pannenhelfer.

© sueddeutsche.de/jja/berr/cat
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