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Abhörskandal in Großbritannien:Enthüller unter Druck

Der "Guardian" deckte den Abhörskandal um das eingestellte Boulevardblatt "News of the World" vor wenigen Monaten auf, nun steht die Zeitung selbst im Visier der Ermittler. Ein Angriff auf die Pressefreiheit?

Die britische Zeitung Guardian hat ihn überhaupt erst ins Rollen gebracht, und zwar mit erstklassigen Quellen: den Abhörskandal rund um Rupert Mudochs inzwischen eingestelltes Boulevardblatt News of the World.

Guardian

Mit welchen Quellen die Mitarbeiter des Guardian (im Bild die Büros der Zeitung und die des Observer) arbeiten, will Chefredakteur Alan Rusbridger Scotland Yard gegenüber nicht offenlegen. 

(Foto: Getty Images)

Die Enthüllungen führten dazu, dass nicht nur Andy Coulson, der Medienberater von Premier David Cameron zurücktrat, sie zeigten auch das enge Netzwerk zwischen Murdochs meinungsfreudiger Medienmacht und der Politik.

Noch immer sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen, doch nun sehen sich die Redakteure der Zeitung auf einmal selbst unter Druck gesetzt. Wie der Guardian meldet, verlangt Scotland Yard, ein Journalist des Blattes solle seine Quellen offenlegen und ermittelt gegen ihn. Pikant ist das auch, weil Scotland Yard in dem Skandal nicht gut aussah, der frühere Chef Paul Stevenson musste gehen. Alan Rusbridger, der Chefredakteur des Guardian, lehnte es umgehend ab, Quellen offenzulegen. Man werde sich dieser ungewöhnlichen Forderung bis zur äußersten Konsequenz entziehen, sagte er.

Die britische Polizei beruft sich auf den sogenannten Official Secrets Act von 1989, ein Gesetz gegen Geheimnisverrat, und will die Herausgabe der Quellen am 23. September vor Gericht erzwingen.

Die Empörung in der britischen Medienbranche darüber ist groß. Aus dem Abhörskanal könnte ein Skandal der Pressefreiheit werden.

© SZ vom 19.09.2011/cag
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