bedeckt München 22°

50 Jahre "Star Trek":Die Welt war nie mehr so gut wie im "Star-Trek"-Universum

Star Trek - Raumschiff Enterprise

Freunde fürs Leben: Commander Spock (li., Leonard Nimoy) und Captain Kirk (William Shatner).

(Foto: CBS Paramount International)

Vor 50 Jahren startete die Enterprise in den Weltraum, um freundliche Aliens zu finden. Über ein gnadenlos veraltetes und hochrelevantes Fernsehformat.

Was für eine Naivität. Eine Zivilisation steckt ihre besten Leute in enge Schlafanzüge, schickt sie weit hinaus ins All, in Regionen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Und was sollen sie dort? Sternennebel untersuchen, Zwergplaneten und Risse im Raum-Zeit-Kontinuum. Vor allem aber: Außerirdische kennenlernen und sich mit ihnen anfreunden. Ernsthaft?

Wer die vergangenen drei Jahrzehnte Science-Fiction in Kino und Fernsehen nicht komplett im Kryoschlaf verpennt hat, fasst sich bei dieser Idee erst einmal an den Kopf. Wir haben schleimige Riesenaliens gesehen, deren Brut aus Frauenbäuchen platzte. Böse Mini-Außerirdische in großen Exoskeletten wollten schon zwei Mal am Independence Day die Erde zerstören. Und in Men in Black schlüpfte eine galaktische Schabe in menschliche Körper wie in Handpuppen, um Unheil zu stiften.

Der Schöpfer von "Star Trek" war Motorrad-Polizist

Es ist diese Naivität, als würden ein paar schlaue Kinder den Wald hinter dem Elternhaus erkunden, die Star Trek , den Pionier der Mainstream-Science-Fiction, auch heute noch so liebenswert macht, fünfzig Jahre nach der Ausstrahlung der ersten Episode. Gerade weil die optimistische Zukunftsvision der Serienwelt so hoffnungslos veraltet erscheint. Wenn Autoren und Regisseure sich heute eine Welt in 100, 200 Jahren vorstellen, dann resultiert das zwangsläufig in Dystopien: im autokratischen System der Tribute von Panem oder der Zombie-Postapokalypse von The Walking Dead.

Den düsteren Visionen von der Zukunft eine helle Utopie entgegenzusetzen - diese Idee scheint auch den Serienmachern von Hollywood zu gefallen. Nachdem J. J. Abrams mit seinen Star Trek-Kinofilmen das Franchise wiederbelebt hat und das 50-Jahre-Jubiläum alle noch einmal an die Existenz der Enterprise erinnert, hat der amerikanische Fernsehsender CBS für Januar 2017 eine neue, sechste Serie angekündigt. Star Trek: Discovery wird sie heißen und eine Frau als Hauptfigur haben, die aber kein Captain ist.

Als Gene Roddenberry, ein Motorrad-Polizist, der nachts recht erfolgreich Drehbücher für Fernsehserien schrieb, in den frühen Sechzigerjahren Star Trek erfand, gab die Welt eigentlich nicht viel mehr Anlass zu Optimismus als heute. Der Kalte Krieg war in vollem Gange. Atombombentests zeigten, dass die Menschheit sich komplett auslöschen könnte. Und in den Vereinigten Staaten mussten Schwarze noch vielerorts andere Waschbecken benutzen als Weiße.

559 Stunden

und neun Minuten würde es dauern, alle Episoden der fünf Realfilm-Serien und die 13 Kinofilme anzusehen, die seit dem 8. September 1966 gezeigt wurden. Bei acht Stunden Star Trek pro Tag bräuchte man dafür 70 Tage.

Und doch: Das reale Weltraumprogramm jener Jahre fachte eine Hoffnung auf die Zukunft an, auf die segensreiche Wirkung von Technik und Fortschritt, die weit über die Entwicklung von Teflonpfannen hinausging. Die Probleme waren gewaltig. Aber zumindest Gene Roddenberry erschienen sie - bis zum 23. Jahrhundert - mehr als lösbar.

Natürlich ging es in Star Trek nie wirklich um Weltraumforschung, auch wenn die Autoren von Anfang an großen Wert auf wissenschaftliche Plausibilität legten. Star Trek handelt vom Menschen. Von seinem Potenzial zum Guten wie zum Bösen, vor allem aber zum Guten. Roddenberry war Humanist. Der Glaube an Zusammengehörigkeit, an Mitgefühl und an die Akzeptanz des Fremden hat nicht nur die Episoden mit Kirk, Spock und Uhura geprägt, sondern alle vier Nachfolgeserien, sowie, in Maßen, die Star Trek-Kinofilme.