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40 Jahre Sendung mit der Maus:Tapp, tapp, schnauf. Klick, klick.

Sie ist orange, weiß sich immer zu helfen und nebenbei lernen auch Erwachsene gerne etwas bei ihr. Eine Hommage an die Maus.

Katja Schnitzler

Tapp, tapp, tapp. Schnauf. Klick, klick. Schnauf, schnauf. Klick. Tapp, tapp, tapp. Puff, puff, puff. Tapp, tapp, schnauf. Klick, klick. Hmmhmmmm!

Sie hörten gerade die berühmteste Maus Deutschlands, eine wahre Größe in der Kinderunterhaltung, aber nicht groß genug, um durch ein Fernrohr zu sehen. Doch diese berühmte Maus gibt nicht so schnell auf, also klopft sie das Fernrohr so weit in den Boden, dass sie bequem durchschauen kann. Und sieht ihren Freund, den kleinen blauen Elefanten. Zeit für ein zufriedenes: Hmmhmmm!

Die orange-braune Maus ist so berühmt, weil sie so beliebt ist. Sie ist so beliebt, weil ihr immer etwas einfällt und sie sich zu helfen weiß. Sie weiß sich zu helfen, weil sie immer alles dabei hat, was sie braucht: Ein abschraubbares Ohr zum Suppeschlürfen, einen abnehmbaren Schwanz zum Seilspringen und einen wortwörtlichen Bauchladen prall gefüllt mit Werkzeug. Außerdem wollen sie junge, etwas ältere und sehr viel ältere Fernsehzuschauer jede Woche wieder sehen, weil die Maus alles, wirklich alles erklären kann. Oder vielmehr ihre menschlichen Mitmoderatoren, schließlich gibt sich die Maus seit vier Jahrzehnten schweigsam.

So beantworten Sendungs-Miterfinder Armin Maiwald (der die Filmbeiträge frei Schnauze und stilprägend schnodderig kommentiert), Christoph Biemann (der mit dem grünen Pulli) und Ralph Caspers (der mit der Brille), was wir uns vielleicht selbst noch gar nicht gefragt haben, aber gerne wüssten - und das in ganz einfachen Worten: Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta? Und die Löcher in den Käse? Und warum hat die Drahtseilschlinge eines Skiliftes eigentlich keinen Knoten?

Die Mischung aus spannenden Sach- und lustigen Lachgeschichten ist so erfolgreich, dass die Sendung mit mehr als hundert Preisen überhäuft wurde: mit Bambi(s), Grimme-Preis und internationalen Auszeichnungen. Auch die Macher wurden für das Vergrößern des Allgemeinwissens geehrt: Maiwald und Biemann erhielten das Bundesverdienstkreuz. Die größte Auszeichnung verdient sich die Sendung mit der Maus aber jeden Sonntagmittag: Die bislang 3630 Lach- und 2520 Sachgeschichten sehen aktuell nicht nur Kinder - eigentlich ist die Sendung für junge Zuschauer ab sechs Jahren konzipiert. Doch neben den Kleinen sitzen die Eltern und die Großeltern ebenfalls, so dass der Altersdurchschnitt der Zuschauer knapp 40 Jahre beträgt.

"Wir müssen Flip retten!"

Das liegt auch daran, dass die Maus-Macher schlau genug waren, ihre Moderatorin gewitzt aber stumm zu belassen, so dass sie sich wohltuend von den quietschenden, plärrenden und kreischenden Trickgestalten im restlichen Kinderprogramm abhebt - selbst ein anderer Klassiker, die Biene Maja, kann samt ihrer Freunde das Schreien nicht lassen (Willi: "Majaaaa! MAAAJAAA!" Maja: "Wir müssen Flip REETTEEEEN! Irgendjemand muss doch was TUUUUUN!").

Dankenswerterweise benötigen auch die Weggefährten der Maus keine Worte, weder der kleine blaue Elefant, seit 1973 eine Rarität seiner Art, der kleiner als eine Maus ist, noch die gelbe Ente, die von 1987 an vom Erfindungsreichtum der Maus profitiert. Der blaue Elefant hat inzwischen sogar eine eigene Sendung für Kindergarten- und Vorschulkinder, in der auch alte Maus-Bekannte auftauchen, wie der kleine Maulwurf, ein entzückend fröhliches Wesen, das bei seinen harmlosen, aber amüsanten Abenteuern immer wieder in die Art von Kinderglucksen ausbricht, bei der jeder mitlachen muss. Auch andere Figuren wie Eisbär Lars, Käpt'n Blaubär oder Shaun das Schaf wurden erst mit ihren Maus-Auftritten berühmt.

Das fröhliche statt fordernd-erzieherische Konzept wurde den Sach- und Lachgeschichten nach ihrem Start am 7. März 1971 zunächst vorgehalten, auch dass sich die Autoren nicht als Belehrer, sondern als Erzähler begreifen. Doch die Kritik verstummte.

Und als die Maus in preisgekrönten Sondersendungen wie der "Atom-Maus" (1988) oder der "Wahl-Maus" (1998) das Erklären von heiklen oder schwierigen Themen übernahm, waren wohl nicht nur die Eltern froh, denen schon bei "Warum ist der Himmel blau?", "Was ist Strom?" oder "Wie funktioniert ein Computer?" die Erklärung schwerfällt, um drei der meistgestellten Kinderfragen zu nennen, die an die Maus gesandt wurden.

Die Maus ist so beliebt, dass sie es weit gebracht hat: Stefan Raabs Geburtstagsinterpretation der Titelmelodie, "Hier kommt die Maus", schaffte es 1996 auf Platz zwei der deutschen Charts, Stefan Raab und auch der Komponist der Originalmelodie, Hans Posegga, erhielten Goldene Schallplatten.

Klick, klick

Abgehoben ist der Mäuse-Star deshalb nicht, nur einmal, um die Raumstation Mir zu besuchen. Sonst bleibt die Maus am Boden und macht die komplizierte Welt ein wenig einfacher.

Das Konzept der Sendung mit der Maus ist so erfolgreich, dass es vielfach kopiert wurde, und zwar für Erwachsene: Auch Formate wie Galileo (Pro Sieben) oder Abenteuer Leben (Kabel 1) wollen den Alltag erklären, widmen sich der Herstellung von Fertigpizzen und der Entstehung von Erdbeben. Doch all diesen Sachgeschichten fehlt etwas: Charme - und natürlich die Maus.

Das Programm zum Jubiläum:

Die einstündige Geburtstagssendung für die Maus am Sonntag, 13. März, ist doppelt so lang wie üblich und beginnt daher ausnahmsweise schon um 11 Uhr (sonst 11:30 Uhr, ARD und Kika).

© sueddeutsche.de/berr
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