bedeckt München 32°

Medienkolumne "Unser Beitrag":Sind wir gar nicht so gespalten?

Unser Beitrag
(Foto: Steffen Mackert)

Was die Öffentlich-Rechtlichen senden. Folge 11: Das ZDF-Debattenformat "13 Fragen".

Von Elisa Britzelmeier

Noch ein Diskussionsformat also. Als hätte das den Öffentlich-Rechtlichen noch gefehlt, könnte man sagen - aber 13 Fragen von ZDF Kultur ist anders. Streiten und debattieren mit Respekt will man hier, und siehe da, es funktioniert. Und das auch noch mit Beteiligten, die nicht so wirken, als wären sie beim ständigen Wiederholen ihrer drei Kernsätze innerlich längst abgestorben. Es geht um Themen wie Fleischessen, Abtreibung oder bedingungsloses Grundeinkommen, die Moderatoren Salwa Houmsi und Jo Schück stellen in jeder Folge wechselnde Fragen, aber immer 13 Stück, und führen so durch die Sendung.

Sie lassen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen aufeinandertreffen. So weit, so talkshowbekannt. Doch hier kleben die Gäste nicht in weißen Studiosesseln fest, sondern bewegen sich wie Figuren über ein Spielfeld, mit Kästchen am Boden markiert. Soll Gendern zur Pflicht werden? Muss man rassistische Begriffe streichen? Wer einem Argument widerspricht, macht einen Schritt zurück, wer zustimmt, geht einen Schritt auf die Gegenseite zu. So bewegen die Positionen sich buchstäblich auseinander und wieder zusammen, um am Ende erstaunlich oft im Kompromissfeld anzukommen. Ist unsere Gesellschaft womöglich gar nicht so gespalten, wie immer behauptet wird? Auch mal eine interessante Frage. Bei 13 Fragen würden sie dazu bestimmt tolle Gäste finden.

Seit Herbst gibt es das Format, glücklicherweise nun schon in der zweiten Staffel, auf Youtube und gut versteckt in der Mediathek. Besonders spannend wird es dann, wenn auf harte Ja-Nein-Fragen eine Warum-Frage folgt. Und jemand aus der ganz anderen Ecke plötzlich nickt.

Dass es immer streng an den Fragen entlang geht, ist eine besondere Stärke. So ist alles auf den Punkt, an den richtigen Stellen emotional, dann wieder sachlich. Es ist ja nicht so, dass andere Talkshows nicht auch nach vorab festgelegten Routinen funktionieren. Aber hier können alle die Spielregeln sehen.

© SZ/tyc
Zur SZ-Startseite
"Mittendrin!" Klangvolle Erlebniswelt im WDR Funkhaus

SZ PlusÖffentlich-rechtlicher Rundfunk
:"Das alles ist demokratierelevant"

Neuerungen beim WDR stoßen auf Protest. Gerhart Baum, Ex-Innenminister und Rundfunkrat, über die Akzeptanzkrise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, teures Programm und den Bildungsauftrag.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB