Zarte Bande:Küssen verboten?

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Pärchen küsst sich

Erst fragen oder gleich küssen?

(Foto: carlospulido / photocase.com)

Ein Kuss ist eine wunderbare Sache - sofern er einvernehmlich ist und beide Seiten ein wenig Übung haben. Doch wie findet man heraus, ob das Gegenüber auch geküsst werden will? In Großbritannien wird gerade diskutiert, ob man besser vorher fragen sollte.

Von Felicitas Kock

"Ein Kuss ist ein oraler Körperkontakt mit einer Person oder einem Gegenstand", heißt es bei Wikipedia. Das ist wohl wahr - und gleichzeitig grober Unfug. Denn natürlich ist ein Kuss viel mehr als ein mechanischer Vorgang. Zumal, wenn er nicht mit einem Gegenstand ausgeführt wird, sondern mit dem Menschen.

So ein Kuss kann - vor allem wenn es sich um einen ersten handelt - mitunter zu einer heiklen Angelegenheit werden. Passt die Situation? In welche Richtung soll man den Kopf neigen? Und vor allem: Will das Gegenüber überhaupt geküsst werden? Oder reagiert es am Ende gar mit einer Ohrfeige, wie Scarlett O'Hara in "Vom Winde verweht", als sie zum ersten Mal von Rhett Butler niedergeknutscht wird?

Die Angelegenheit ist so heikel, dass in Großbritannien gerade viele Menschen darüber diskutieren, ob man vorher vielleicht fragen muss. "Sollte man um Erlaubnis bitten, bevor man jemanden küsst?", ist ein Text der BBC überschrieben.

Die erste Reaktion auf diese Frage ist wohl eine Gegenfrage. Sie lautet: "Wie bitte?" Da sitzt/steht/liegt man voreinander, schaut sich tief in die Augen, Schmetterlinge flattern, Funken fliegen, die Luft brennt, und das Gegenüber öffnet die Lippen nicht, um in oralen Körperkontakt zu treten, sondern um sich eine Erlaubnis einzuholen? Warum nicht gleich einen Zettel zum ankreuzen überreichen: Willst du mich küssen - ja, nein, vielleicht?

"Puritanisch und verregelt"

Man könnte sich nun über die Downton-Abbey-Manieren der steifen Briten lustig machen, die sich nicht nur bei jeder Gelegenheit brav in eine Reihe stellen, sondern sogar auf verbalisierte Zustimmung warten, bevor sie sich auf die Angebetete stürzen.

Tatsächlich ist das Ganze aber ziemlich verzwickt. "Sexualmoral ist heute sehr puritanisch und verregelt", zitiert die BBC den britischen Soziologieprofessor Frank Furedi, der in den Sechzigern aufgewachsen ist und Unverständnis für die jüngere, "zögerliche" Generation äußert. Er fühle sich zunehmend an Charaktere aus einem Jane-Austen-Roman erinnert, die pflichtbewusst sozialen Regeln folgen, die es so in seiner Jugend nicht gegeben habe.

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