"Wie ich euch sehe" zu Hochzeits-DJ 1000 Euro für den ganzen Abend

Der DJ-Job ist Handwerk, ist manchmal auch Kunst, auch wenn einige von euch denken, ich hätte nur meinen Laptop dabei und drücke auf Play. Dabei muss ich abwägen, muss auswählen: Wann passt welches Genre? Ich schaue mir an, was funktioniert, spiele vielleicht erst Salsa und schwenke zum Beispiel um auf Deutsch, hier ein bisschen Sportfreunde Stiller, da ein bisschen Peter Fox. Wenn Ihr dann reagiert, wenn es funktioniert, dann mache ich so ein Fass später am Abend nochmal auf und spiele weitere vier Lieder aus diesem Genre. Das Wichtige ist am Ende, dass Ihr zufrieden wart. Dass jeder von euch mindestens einmal auf der Tanzfläche war.

1000 Euro nehme ich für den ganzen Abend. Ich arbeite in Lübeck. In Hamburg ist es teurer, da geht es bei 1200 Euro los. Manchen von euch mag das teuer erscheinen. Aber in der Regel ist man zwölf bis 14 Stunden unterwegs, Anlage einladen, aufbauen und so weiter, und natürlich die Vorbereitung. Als DJ auf einer Hochzeit bin ich der erste, der kommt, und der letzte, der geht.

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In der Regel sind es die Frauen, die sich bei Hochzeiten um alles kümmern. Es ist fast immer so, dass sie sich als erste bei mir melden, etwa neun bis zwölf Monate vorher. Fotograf und DJ sind mit die wichtigsten Personen auf einer Hochzeit. Steht das Datum fest, fange ich an, die Leute zu duzen. Ich bin 45, die meisten von euch sind Ende 20, Anfang 30, und man sieht sich ohnehin den ganzen Abend, also würde ein "Sie" etwas merkwürdig zwischen uns stehen. Die Krawatte lasse ich übrigens weg. Einen Anzug ziehe ich schon an, aber ich will nicht besser aussehen als eure Gäste, sage ich immer.

Bei manchen Hochzeiten denke ich mir schon: Um Gottes Willen, hier möchtest du selbst aber nicht heiraten. In einem heruntergekommenen Wirtshaus zum Beispiel, mit billigem Schnaps hinter dem Tresen. Die Leute damals wollten dauernd den Gassenhauer "Das rote Pferd" hören. Am Ende haben sich aber alle überschwänglich für die tolle Musik und den schönen Abend bedankt.

Was mich total nervt, ist, wenn ihr mit eurem iPhone ankommt und mir irgendein Lied unter die Nase haltet, das Ihr hören wollt. Das ist das Schlimmste, was es gibt. Und dann diese Frage: 'Kannst Du das bei Youtube abspielen? Bei Spotify?' Nein, kann ich nicht. Ich logge mich grundsätzlich nicht im Restaurant oder Hotel ins W-Lan ein. Wenn plötzlich die Verbindung weg ist und die Musik ausgeht, habe ich ein Problem. Oder wenn jemand währenddessen bei euch auf dem Telefon anruft und es plötzlich klingelt - nee, sorry. Bitte habt Verständnis, das mache ich nicht. Sagt mir einfach den Song oder Interpreten, den ihr hören wollt.

Was am besten funktioniert? Freie Hand lassen

Genauso schlimm ist die Frage: 'Wann spielst du das und das Lied denn?' Das kann ich euch nicht sagen - wenn es eben passt. Oder: 'Kannst du das und das nochmal spielen?' Nein, kann ich nicht. Warum muss ein Song, den ihr ohnehin dauernd im Radio hört, noch ein zweites Mal laufen? Es gibt doch so viel tolle Musik.

Wenn ich mal heirate, würde ich vielleicht sogar zwei DJs buchen. Am Anfang jemanden, der alles bedient, also auch die ältere Generation. Dann den anderen. Dem würde ich sagen: 'Mach, wie du willst , du weißt, ich mag Housemusik, ich mag Studio 54. Lass es einfach krachen!' Das würde ich Euch auch empfehlen: Gebt dem DJ ruhig ein paar Anregungen, zwei, drei Genres, die ihr und die eure Gäste mögen, schickt ihm vielleicht sogar eine grobe Playlist, aber lasst ihm ansonsten freie Hand. Das funktioniert am besten.

In dieser Serie kommen Menschen zu Wort, mit denen wir täglich zu tun haben, über die sich die meisten von uns jedoch kaum Gedanken machen. Sie teilen uns mit, wie es ihnen im Alltag ergeht und welche Rolle wir dabei spielen - als nervige Kunden, ungeduldige Patienten, ignorante Mitmenschen.

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