Vornamen-Ranking Warum der Name Mohammed so beliebt ist

Die Vornamensgutachterin an der Universität Leipzig unterscheidet etwa 25 verschiedene Mohammed-Schreibweisen.

(Foto: imago stock&people)

Der Berliner "Tagesspiegel" sorgt sich um Männer namens Karl-Heinz, die AfD hyperventiliert: Dass Mohammed in Berlin erstmals auf Platz eins der Vornamen-Hitliste steht, sorgt für Aufregung. Aber warum eigentlich?

Von Martin Zips

"Mohammed beliebter als Karl-Heinz", so hat der Berliner Tagesspiegel die aktuelle Vornamen-Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) kurz zusammengefasst und Bild-Chefredakteur Julian Reichelt verknüpfte die "demografische Veränderung" im deutschen Vornamen-Ranking mit einer strengen Forderung: "Wer das Glück hat, als Mohammed geboren zu werden, wird niemals den Zwang erleben, sich verschleiern zu müssen. Dieselbe Garantie muss für jedes Mädchen gelten." Damit das also schon einmal klar ist. Im Internet warnen Rechtspopulisten indes vor "Überfremdung", bei der FPÖ in Österreich beschwört man weiter die These vom "Bevölkerungsaustausch".

Tatsächlich hat es Mohammed 2018 in Bremen auf Platz drei und in Berlin sogar auf Platz eins der Rangliste bei den Erstnamen geschafft. Im Saarland, Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen erstmals unter die Top Ten. "Na so was!", twittert dazu AfD-Frau Alice Weidel - und es ist klar, was sie meint, wenn sie warnt: "Tendenz steigend." Sie übersieht: Nicht in ganz Deutschland ist Mohammed derart beliebt. Vor allem: Ein Propheten-Name ist noch kein Programm. Auch Liberale und Atheisten heißen Mohammed. Und nicht jede Alice war schon im Wunderland.

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Paul und Marie: Diese Kindernamen lagen im vergangenen Jahr in Deutschland im Trend. Bei den Jungen ist erstmals auch ein englischer Name wieder unter den Top 10.

Frauke Rüdebusch, die Jahr für Jahr gemeinsam mit anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesellschaft für deutsche Sprache rund 700 Standesämter in Deutschland auf der Suche nach den häufigsten Vornamen abklappert, möchte ihre Statistik selbst nicht interpretieren. "Da halten wir uns bewusst zurück", sagt sie und bestätigt dann doch einige Gründe, die für den regionalen Erfolg des arabischen Vornamens sprechen.

Die Vornamen-Analysten haben zehn Mohammed-Schreibweisen zusammengefasst

War es in Deutschland vor Jahrzehnten in besonders christlichen Familien noch üblich, selbst männliche Nachzügler mit dem Namen "Maria" zu schmücken, so gehört Mohammed in vielen muslimischen Familien in den Pass fast eines jeden Jungen - gerade in der Diaspora. Schätzungsweise 150 Millionen Menschen heißen weltweit so, in London ist Mohammed seit Jahren der häufigste Vorname bei Babys.

Gabriele Rodríguez, Vornamensgutachterin an der Universität Leipzig, unterscheidet etwa 25 verschiedene Mohammed-Schreibweisen, von denen die GfdS neuerdings zehn zusammenfasst, was den Namen in der Vornamen-Hitliste in einigen Regionen zusätzlich nach oben katapultiert. Auch der "Zuzug von Menschen aus dem arabisch-indischen Raum" hätte an der Platzierung ihren Anteil. Ein weiterer Grund: Im Islam sei die Namensgebung ähnlich wie hierzulande vor hundert Jahren noch sehr traditionell und in der Auswahl eingeschränkt.

Der Erfolg des Namens Mohammed hat also viele Gründe und da wirkt es schon ein bisschen grotesk, wenn beispielsweise der Weser-Kurier am Ende des Tages erleichtert feststellt, dass Mohammed in Bremen im Ranking 2018 vom ersten wieder auf den dritten Platz zurückgefallen ist. Der vorderen Plätze gehörten in der Hansestadt nun, welche Freude für das christliche Abendland: Elias und Ben.

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