Skischuhe:Ein bisschen Druck muss sein

Die Suche nach einem passenden Skischuh kann für Freizeitsportler zur Wissenschaft geraten. Wie wählt man den richtigen? Tipps vom Profi.

Birgit Lutz-Temsch

Die Suche nach einem passenden Skischuh kann für Freizeitsportler zur Wissenschaft geraten. Wie wählt man den richtigen, für wen empfiehlt sich die individuelle Anpassung? Andreas König (Foto), Sicherheitsexperte des Deutschen Skiverbandes (DSV), gibt Auskunft.

SZ: Wie muss sich ein Skischuh beim Hineinschlüpfen anfühlen?

König: Sehr eng. Der Schuh muss formschlüssig sitzen. Das heißt: Wenn man mit offenen Schnallen aufrecht steht, darf man mit den Zehen anstoßen. In Skiposition, also in der Hocke, muss ich die Zehen bewegen können.

SZ: Was wird beim Kauf besonders häufig falsch gemacht?

König: 90 Prozent der Kunden wählen einen zu großen Schuh, weil er nicht drücken soll. Wenn man die Schnallen auf der vorletzten Rastung schließen muss, ist der Schuh zu groß; durch das festere Schließen wird der Schuh flacher, nicht enger. Das führt zu Problemen.

SZ: Kann man überhaupt einen konfektionierten Skischuh finden, der richtig passt?

König: Natürlich, heute mehr denn je. Wenn sich ein Verkäufer gut auskennt, beurteilt er genau die Form der Füße ohne Socken und wählt dann den entsprechenden Schuh. Der geübte Verkäufer kennt die auf dem Markt befindlichen Skischuhe - er braucht dafür keinen 3D-Scanner. Die individuelle Anpassung ist nicht immer nötig.

SZ: Warum?

König: Ich behaupte, dass man 70 Prozent der Passformprobleme mit den Lösungen der Industrie beheben kann. Wenn man mit einem guten Verkäufer die richtige Schale auswählt, also breit oder schmal, die richtige Größe findet, und dazu einen thermoverformbaren Innenschuh mit unterstützender Einlegesohle nimmt. Die Problemfälle, also Menschen mit sehr schmalen Füßen, extrem kleinem Ristmaß oder ähnlichem, sollten zu den individuellen Anpassern, die die Schale verändern können.

SZ: Auf welche objektiven Kriterien kann man achten?

König: Der Schuh muss zum Fahrkönnen passen, also die richtige Härte haben. Da helfen die Flexangaben auf dem Schuh, von 80 bis 130. Der Rennläufer nimmt 130, der Anfänger 80, der mittelmäßige um die 100. Man sollte sich auf keinen Fall einen zu harten oder zu stark vorgeschnittenen Schuh kaufen.

SZ: Warum?

König: Wenn der Schuh stark vorgeschnitten ist, wird die Oberschenkelmuskulatur beansprucht. Das führt zu Ermüdung. Ich lehne mich dann nach hinten gegen den Schuh und gerate in Rücklage. So kann man nicht sicher Skifahren. Der normale Skifahrer muss seinen Schuh aktiv bewegen können: Der Schuh sollte so weich sein, dass der Skifahrer dann, wenn er es braucht, in Vorlage gehen, ansonsten aber auch einigermaßen entspannt stehen kann. Dabei muss man beachten, dass der Schuh im warmen Laden weicher ist als später in der Kälte.

SZ: Wie bewahrt man Skischuhe auf?

König: Nach dem Fahren den Innenschuh rausnehmen und trocknen lassen; aber nicht direkt auf der Heizung, denn bei zu hohen Temperaturen geht die Form des Innenschuhs verloren. Und beim anschließenden Einsetzen darf rechts und links nicht verwechselt werden. Man glaubt nicht, wie oft das passiert.

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