Prominente Sexsymbole Kann mal jemand schauen?

Ein lasziver Bullenritt, ein Coverbild als Domina oder gleich oben ohne: Warum immer mehr weibliche Stars, die es nicht nötig hätten, sich als Sexsymbol vermarkten.

Von Violetta Simon

Sie trägt nichts als Strapse und Dessous, besteigt einen Rodeo-Bullen, reitet und stöhnt. Nein, das ist nicht der Vorspann zu einem Pornofilm, und die Darstellerin ist keine billige Blondine. Es ist ein Werbeclip für die weltbekannte Dessousmarke "Agent Provocateur", der vor einigen Jahren in den Kinos gezeigt wurde und nun in einer Internetabstimmung zum besten Spot aller Zeiten gewählt wurde. Die halbnackte Frau auf dem Bullen ist Weltstar Kylie Minogue, eine mit Preisen überhäufte Sängerin aus Australien.

Hauptsache stimulierend: Madonna, 51, und Nicole Kidman, 42.

(Foto: Foto: Reuters; GQ)

Eine andere Australierin blickt derzeit verführerisch-verrucht vom Cover eines Männermagazins - in schwarzer Wäsche, Lederstiefeln bis zum Oberschenkel und dunkel geschminkten Augen. Nein, es ist kein Pornoheft, und das Model keine billige Blondine. Es handelt sich um das Magazin GQ , und die Blondine ist teuer: Hollywood-Star Nicole Kidman, eine mit Preisen überhäufte Schauspielerin. Sie ist 42 Jahre alt. Und ebenfalls eine ernstzunehmende, gestandene Frau.

Was ist los mit diesen Damen? Warum kommen immer mehr weibliche Weltstars, die es längst geschafft haben, mit intimen Geständnissen und Nacktfotos um die Ecke?

Der Soziologe Sighard Neckel, Experte für Analyse der Gegenwartsgesellschaft, erklärt den vermeintlichen Trend zum Exhibitionismus: "Öffentliche Entblößung und die Bereitschaft, Intimes in der Öffentlichkeit zu dokumentieren, sind Stationen auf dem Weg zur Prominenz. Sie sollen Aufmerksamkeit erregen, den Nachrichtenwert dieser Person obenhalten und die Aufmerksamkeit des Publikums weiter stimulieren."

Als außerordentlich stimulierend ist auch die März-Ausgabe von Paris Match zu bezeichnen. "Basic-Instinct"-Star Sharon Stone beschenkte sich zu ihrem 51. Geburtstag mit einem Titelcover des Magazins - oben ohne, in Lack-Corsage und geschnürten High Heels. Im Jahr zuvor zeigte sich Schauspielerin Jamie Lee Curtis, damals knapp 50, in einem US-Seniorenmagazin im Pool. Natürlich splitterfasernackt. Und über Madonna, die ewige, alterslose Sex-Göttin, wundert sich ohnehin keiner mehr.

"Diese Maßnahmen wenden Leute aus der Unterhaltungsbranche nicht nur an, wenn sie aufsteigen wollen", erklärt Professor Neckel. "Sie sind auch nötig, um sich in der Szene zu halten - zumal von unten immer wieder neue, jüngere Stars nachkommen und in den Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit eintreten."

Zur Generation der "jüngeren" Stars gehört beispielsweise Schauspielerin und Angelina-Jolie-Klon Megan Fox: Die 23-Jährige verkündete kürzlich, wie sehr sie die Vermarktung ihrer Person als Sexsymbol genieße. "Wir sind eine Ware, und mit nichts verkauft man ein Produkt besser, als durch Sex, Brüste, Beine, Po".

Es geht also um Aufmerksamkeit. Und die ist kostbar: "Um dieses knappe Gut gibt es einen permanenten Verteilungskampf", so der Professor. "Auch jene, die in diesem Kampf bereits Erfolge erzielt haben, müssen dafür sorgen, dass sie in der nächsten Runde nicht ins Hintertreffen geraten." Daher sei es nicht verwunderlich, dass auch prominente Stars intime Details dokumentierten, obwohl sie das vermeintlich nicht mehr nötig hätten.

Das bedrohte Prominenzkapital

Nicht mehr nötig - das ist leicht gesagt in einem der härtesten Geschäfte der Welt. Immerhin sind Stars wie Sharon Stone oder Nicole Kidman in einem Alter, wo sie sich überlegen müssen, ob sie nicht allmählich ins Charakterfach wechseln. Das "Prominenzkapital" - erotische Ausstrahlung und ein jugendlicher Körper - sind derzeit akut vom Älterwerden und von der jungen Konkurrenz bedroht. "Solche Strategien werden gewählt, um das Kapital zu vermehren, bevor man in ein Rollenfach wechseln muss - wie es beispielsweise Meryl Streep angenommen hat", sagt Neckel.

Meryl Streep war niemals in Reizwäsche auf dem Cover eines Magazins zu sehen. Es wäre schlichtweg abwegig, sich die Schauspielerin als junge Frau in Strapsen und lasziv stöhnend vorzustellen. Noch weniger aber kann man sich Kylie Minogue als alternde Chanson-Sängerin vorstellen. Oder Nicole Kidman und Sharon Stone als mütterliche Protagonistin in einem Mantel- und Degen-Film.

In Würde altern, das sagt sich so leicht, wenn man nicht weiß, was das ist. In einem Business, in dem einem niemand vormacht, wie es funktionieren könnte. Vielleicht ist es das, was diese Frauen erkannt haben: Sie haben keine andere Chance. Auf sie wartet nichts Neues mehr. Da wartet nur der Nachwuchs.

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