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Party-Tipps:So gelingt das Sommerfest

Gute Nacht, Freunde: Wer so im Freien feiern kann, hat ganz schön Glück - die Inszenierung ist perfekt.

(Foto: Yannic Schon/Susann Probst)

Feiern zwischen Regenfront und Fleisch vom Designermetzger. Wie bleibt man als Gastgeber trotzdem gelassen? Eine Handreichung.

So ein Sommerfest im Freien ist eine tolle Sache, solange man nicht selbst dafür verantwortlich ist. Was kann da schon im Vorfeld nicht alles schiefgehen: Die Wetterprognosen sind grauenhaft, die Gäste mal wieder dreifach verplant oder melden sich nicht zurück, die Nachbarn haben schon bei der letzten Sause die Polizei geholt, und dann kriegt man auch das Bier nicht richtig kalt, weil der Kühlschrank zu klein ist. Kein Wunder, dass manche Gastgeber regelrechte Panikattacken bekommen, schließlich kann einem nichts Schlimmeres passieren als eine langweilige Party. Kann man das eigene Sommerfest ohne Blessuren an Geist und Körper überleben? Ja, man kann. Mit ein paar hilfreichen Tipps unserer Experten. Selbst wenn man die Handreichungen mit deutlich bescheideneren Mitteln umsetzen möchte - ein cooles Sommerfest ist ja vor der kleinsten Hütte möglich.

Das Wetter

Im Juni beginnt in Deutschland nicht nur die Regenzeit, es ist auch wieder Open-Air-Saison - viele Veranstalter verzweifeln an dieser Koinzidenz. Für Feste im Freien braucht man deshalb immer eine "B-Lösung", sagt der Münchner Gastronom Michael Käfer. Wenn er mit seinem Catering-Service eine Sommerparty organisiert, hat er deshalb immer Zelte im Angebot. Oder man rüstet richtig auf, mit einer XXL-Markise, unter der die Gäste zusammenrücken können. Für die Kunsthistorikerin Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff, die mit ihrem Mann im westfälischen Bad Driburg das Gräfliche Park Grand Resort managt, kommt die Notlösung dagegen nicht infrage: "Bei uns gibt es entweder eine schöne, lange Tafel draußen oder drinnen - bei schlechtem Wetter ziehen wir einfach ins gräfliche Haus um." Wie schade, dass nicht jeder so eine denkmalgeschützte Anlage aus dem 17. Jahrhundert samt Lindenallee zur Verfügung hat. Für das eigene Garten-, Straßen- oder Hoffest muss man weiter mit der Wetter-App in der Hand auf den richtigen Zeitpunkt warten und dann die Einladungen rausjagen. Besonders vorausschauende Naturen terminieren ihre Sommerfeste nach der Mondphase: In der zunehmenden Mondphase ist das Wetter angeblich ein wenig stabiler. Man muss nur feste daran glauben!

Der Gastgeber

Die zentrale Person des Abends, selbst wenn man kein Egozentriker ist. Als Gastgeber sollte man nicht zu nervös und überambitioniert agieren. Wer den ganzen Abend hektisch zwischen Küche und Garten herumspringt, macht etwas falsch. "Man muss lernen, die Dinge laufen zu lassen und sich selbst zu freuen", sagt Michael Käfer. Dass Partys aus dem Ruder laufen oder anstrengend werden, liegt nicht selten an freudlosen Veranstaltern, denen das Ganze über den Kopf wächst, weil sie zu viel wollen. "Wenn sich das gastgebende Paar schon zofft, weil der Grill nicht richtig heiß ist, geht es sehr oft schief", sagt Käfer. Am besten also, man entspannt sich, selbst wenn dunkle Wolken am Himmel erscheinen - und schlägt sich lieber auf die Seite der Gäste. Zur Not kann man dann immer noch eingreifen, frei nach Horaz: "Ein Gastgeber ist wie ein Feldherr. Erst wenn etwas schiefgeht, zeigt sich sein Talent."

Die Dekoration

Michael Käfer mag gerne eine kreative, aber nicht zu perfekte Tischdekoration, zum Beispiel mit bemalten Blumentöpfen, Einmachgläsern und vielen Kerzen - "so dunkel wie möglich, so hell wie nötig", ein paar Feuerschalen und Lampions reichen als Lichtquelle, wenn die Party richtig losgeht. Mit solarbetriebenen LED-Leuchten am Boden kann man auch ein heimeliges Gefühl erzeugen, ohne dass der Garten gleich wie Klein-Ibiza aussieht. "Zu viel Deko wirkt schnell etwas bemüht und anstrengend." Also lieber keine aufwendigen Blumen-Arrangements, wenn man eh schon draußen in der Natur oder auf der Terrasse mit Blick auf die Stadt sitzt: "Mit den falschen Blumen kommt man sich gleich vor wie auf einer Hochzeit. Besser man nimmt das zur Hand, was gerade blüht. Die beste Sommer-Deko hat immer etwas Beiläufiges, Zufälliges", sagt Annabelle von Oeynhausen.

Der Alkohol

Eine beleuchtete Cocktail-Bar im Garten, um mal richtig anzugeben? Kann man machen, muss aber nicht sein. Überhaupt ist beim Thema Alkohol vieles denkbar. Einig sind sich die Experten nur, dass man einen leichten, qualitativ hochwertigen Weißwein braucht. Und dass man es mit der Getränkeauswahl auf keinen Fall übertreiben sollte, um kein Chaos anzurichten. Annabelle von Oeynhausen schwört auf Erdbeerbowle, um die Zungen zu lockern, "das klappt immer". Michael Käfer empfiehlt ebenfalls einen Begrüßungsdrink: "Dieses Jahr ist der Anton groß im Kommen - Sekt gemischt mit Pfirsichlikör und Pfirsichsaft." Wurde auch Zeit, dass die fast schon zwanghafte Aperol-Besprizzung langsam zu Ende geht. Auf jeden Fall empfiehlt sich, zwei, drei Helfer zu rekrutieren, die sich zumindest am Anfang um die Getränke kümmern. Pappbecher sind was für Kindergeburtstage, deshalb sollte man sich auch im Garten schöne Gläser leisten. Wenn die ersten Sommergäste wegkippen oder nur noch lallen, sollte der Gastgeber höflich einschreiten: "Im Garten kann man die Leute dann wunderbar an die Seite setzen." Am besten mit Blick aufs Gebüsch.

Das Essen

Der Gastronom Michael Käfer, der als Betreiber des P1 einst mit wilden Partys auf sich aufmerksam machte, hat heute einen etwas anderen Ansatz: "Essen ist die neue Diskothek. Heute rennen die Leute nicht mehr in den Club, sie reden auch auf Festen stundenlang über die richtige Ernährung und die Herkunft von Lebensmitteln." Viele seiner Kunden sind da sehr anspruchsvoll, "die wollen beim Barbecue auch gleich die Maserung des Fleisches besprechen." Neben den Produkten vom Bio-Designermetzger braucht man aber, um es allen recht zu machen, jede Menge grillbares Gemüse und tonnenweise Salat für die wachsende Flexitarier-Gemeinde und Vegetarier-Fraktion; das nackte Grillfleisch macht heute nur noch Männer glücklich, die gerne im steinzeitlichen Beef-Magazin blättern. Annabelle von Oeynhausen serviert gerne kalte Suppen, auf den Grill legt sie am liebsten Fisch und Krustentiere. Auf keinen Fall darf das Essen bei ihr länger als zwei Stunden dauern. "Die Gäste wollen ja gerade im Sommer nicht an einen Tisch gefesselt sein und auch nicht bleischwer nach Hause gehen."

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Die Gäste

Wer nur seine Freunde einlädt, geht auf Nummer sicher, aber dann wird es garantiert genauso wie im letzten Jahr. Annabelle von Oeynhausen versucht bei ihren Festen immer, ein wenig die Spur zu wechseln: "Laden Sie bloß nie zu viele Leute aus einer Gruppe ein, zum Beispiel lauter Werber, katholische Landadlige oder Unternehmer. Solche Konstellationen muss man dringend aufbrechen, genauso wie Paare - dass man neben dem eigenen Ehemann sitzt, ist nur auf einem Schützenfest angebracht." Wer zwei, drei Schweiger einlädt, braucht dazu einen charmanten Plauderer. Noch besser: ein Paradiesvogel, der sich zum Vergnügen der anderen ein wenig aufplustert. Man muss es ja nicht gleich so halten wie der Immobilienhändler Marcel Rebus, der für seine Sommerpartys auf einer mallorquinischen Dachterrasse gleich den ganzen Effenberg-Clan nebst einem Rudel glitzernder Models einfliegen lässt - so viel Dschungelcamp ist sogar hinderlich, wenn man sich selbst auch ein wenig danebenbenehmen will.

Die Kleidung

Auch im Sommer sollte man sich nicht gehen lassen, aber lässig darf es schon sein. Wann ist denn sonst Gelegenheit für Trägerkleidchen und das Hippie-Outfit, das noch immer ungetragen im Schrank liegt? In "Kir Royal" musste Baby Schimmerlos noch sein weißes Dinnerjackett tragen, wenn der Ministerpräsident zu Füßen der Bavaria seinen Hofstaat antanzen ließ, eine etwas übertriebene Feierlichkeit, die später der Musiker Elton John bei seiner legendären "White Tie and Tiara Party" in seinem Landhaus in Old Windsor zu einer absurden Blüte brachte - die Gäste sahen eher nach Seifenopernball als nach Gartenparty aus. So viel Gedöns muss gar nicht sein. Aber ein sommerliches Motto kann die Veranstaltung auflockern, sagt Annabelle von Oeynhausen. "Wenn alle in Weiß kommen, finde ich das sehr stilvoll."

Die Musik

Im Roman "Der große Gatsby" von F. Scott Fitzgerald kann man nachlesen, wie man den ultimativen Sommerrausch inszeniert: Man braucht nur eine Zwanzigerjahre-Big-Band, einen Lkw voller Champagner, einen sehnsüchtigen Multimillionär und die heißesten Girls aus New York. Einstimmen kann man sich aber auch mit dem Oscar-gekrönten Film "La Grande Bellezza", der im Grunde eine einzige Tanzparty ist, mit einem in die Jahre gekommenen Gigolo-Schriftsteller, der auf römischen Dachterrassen lebt, liebt und leidet. Die Filmmusik dieses Meisterwerks von Paolo Sorrentino kann man auch gleich fürs eigene Fest hernehmen. Am besten, man hält sich bei der Musikauswahl an Annabelle von Oeynhausens Empfehlung: "Bloß nicht immer diese alten Songs - wer ,I will survive' spielt, hat das Leben doch schon fast hinter sich." Mit "I know there's gonna be good times" von Jamie xx oder "Hideaway" von Kiesza macht man die Gäste schon eher happy, auch ohne Pharrell Williams. Es gilt: Lieber etwas am Essen sparen als an der Musik.