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Oliver Kahn und sein Kulturbeutel:Aus nach Verlängerung

Die Trennung des Titanen: In seiner Findungsphase zwischen Frau Simone und Freundin Verena erwies sich ein Kulturbeutel als Kahns verschwiegener Freund. Wo ist er abgeblieben?

Holger Gertz

Oliver Kahn war der beste Torwart der Welt, das weiß jeder, in Vergessenheit geraten ist allerdings, dass er auch für die Popularisierung des Kulturbeutels mehr getan hat als jeder andere Mensch. Kurze Rückblende: Kahn, verheiratet, befand sich in einer Findungsphase, gelegentlich wurde er dabei beobachtet, wie er einigermaßen zerzaust die Wohnung einer mutmaßlichen Geliebten verließ.

Lag da das Ende schon in der Luft? Oliver Kahn und seine Noch-Ehefrau Simone im September 2008.

(Foto: Foto: dpa)

Weil Kahn den Reporterteams nichts mitteilen wollte über seine Seelenlage oder wenigstens die Erlebnisse der vergangenen Nacht, nahmen die Reporterteams den Kulturbeutel ins Visier. Es gibt grobkörnige Fotos aus dieser Zeit, die den Kulturbeutel (beige, gemustert, Gucci) auf der Rückbank von Kahns Wagen liegend zeigen, wo er einen Teil seines Inhalts den neugierigen Blicken der Weltöffentlichkeit preisgab. Verfänglich war das Waschzeug nicht: Pump-Haarspray, Rundhaarbürste.

Letztlich erfuhren die Reporterteams vom Kulturbeutel nicht mehr als von seinem Besitzer, der Kulturbeutel erwies sich als Kahns verschwiegener Freund in aufregenden Zeiten. Als die vorbei waren und Kahn zu seiner Frau zurückkehrte, wurde in der einen oder anderen Zeitung leise gefragt, was denn jetzt wohl aus dem Kulturbeutel würde, aber irgendwie geriet auch dieses Thema im Laufe der Zeit mehr und mehr in den Hintergrund.

Und jetzt? Oliver Kahn - genannt: der Titan - trennt sich von seiner Frau Simone, "im 10. Ehe-Jahr" wie die Bild-Zeitung schreibt, ohne diese Zahl mit besonderer Bedeutung aufladen zu können. Kahns Anwalt spricht von einer einvernehmlichen Scheidung. Der Kulturbeutel bleibt wie vom Erdboden verschluckt.

Wenn man sich die Kommentierungen in den bunten Blättern und Webseiten so durchliest, schimmert eine gewisse Betrübnis durch. Es gibt offenbar eine romantische Sehnsucht danach, dass sogenannte Traumpaare, wenn sie mal getrennt waren, wieder zueinander finden und dann auch beieinander bleiben.

Boris Becker und seine Babs sind nach ihrer Scheidung von zahlreichen Zeugen öfter in inniger Umarmung gesichtet worden als Elvis an seiner berühmten Tankstelle, jedenfalls war der Wunsch da, sie gesehen zu haben. "Liebes-Comeback" ist der entsprechende Begriff im Wörterbuch des Boulevards. Aber wie die Dinge liegen, ist Elvis tot, Boris neu verheiratet und Kahn jetzt wieder Single. Und weil man ja, wenn zwei sich trennen, in Deutschland vom "Scheitern" einer Ehe spricht, kann er sich darauf einstellen, dass er in Zukunft unter eingehender Beobachtung stehen wird: Scheitert der Titan nicht gerade auf ganzer Linie?

Der ehemalige Torwart präsentiert im chinesischen Fernsehen eine Castingshow für junge Torhüter. Wer nur die Probleme dieser Sendung aufzählt (Eingriffe der Zensurbehörde, schwache Leistungen der Torhüter) übersieht den gewaltigen Entwurf, der dahintersteht.

Während alte Torwarte früher Lotto-Annahmestellen übernahmen, veranstaltet Kahn nach seiner Karriere ein Torwartcasting in China, was für eine Idee. Und während andere alte Fußballer nach der Karriere beim SV Bienenbostel als sportlicher Leiter einsteigen, rückt Kahn ohne Kulturbeutel, aber mit einem ausgearbeiteten Konzept beim Managercasting des FC Schalke an. Okay, es hat nicht geklappt. Aber wenn Kahn scheitert, dann auf höchstem Niveau.

Oliver Kahn ist ein Suchender, wobei es nur für ihn spricht, dass er nicht alle Welt an seiner Suche teilhaben lässt wie Boris Becker, der eine Nervensäge ist. Oliver Kahn ist ein Titan. Titan ist das 22. Element im Periodensystem, mechanisch und thermisch extrem belastbar. Kahn selbst sagt nichts zu seiner Scheidung, weil er findet: Privat ist privat. Wer trotzdem was aus ihm rauspressen will, wird keinen leichten Job haben. Titan zeichnet sich durch einen hohen Korrosionswiderstand gegen aggressive Medien aus.

© SZ vom 19.08.2009/bre
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