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Ökologisch Kaffee trinken:Ich war Volluto, jetzt will ich öko sein

Ökologisch Kaffee trinken

Volluto? Öko? Korrekter Kaffeekonsum ist schwierig.

(Foto: Robert Haas, dpa; Collage SZ.de)

Kaffeekapseln sind schick, bequem - und eine Katastrophe für die Umwelt. Doch welche Alternativen sind wirklich ökologischer? Und trotzdem alltagstauglich?

Von Barbara Vorsamer

Dieser Text beginnt mit einer Beichte. Ich habe gesündigt. Ich habe Hunderte von Kaffeekapseln in den Müll geworfen. Ich war Volluto. Ich war cool wie George Clooney und kaufte meinen Kaffee in Boutiquen, die schicker waren als die Läden, in denen ich nach neuen Pumps suchte. Zu Hause schob ich glitzernde Kapseln in mein stylisches Maschinchen, trank leckeren Espresso und freute mich, dass das kleine Gerät so pflegeleicht war. Nie gammelte irgendwo Kaffeesatz vor sich hin, nie musste verstreutes Kaffeepulver aufgewischt werden. Kapsel rein, Knopfdruck, Kaffee trinken und Kapsel in den Müll.

Der Müll und das schlechte Gewissen

Aber eben: Der Müll! 2,5 Millliarden Kaffeekapseln werden jährlich in Deutschland weggeworfen, das sind circa 5000 Tonnen Müll, vor allem Aluminium und Plastik. Ja, ein Teil davon wird irgendwie recycelt, das redete ich mir immer ein, wenn ich meinen wöchentlichen Kaffeemüll entsorgte. Der bekannteste Kapselhersteller gibt eine "mögliche Recyclingquote von 80 Prozent" an und brüstet sich damit, die Ökobilanz seiner Verpackungen um zwanzig Prozent verbessert zu haben.

Nespresso

2,5 Milliarden Kaffeekapseln werfen alleine die Deutschen in den Müll.

(Foto: picture alliance / dpa)

Aber das sind windelweiche Behauptungen. Zwanzig Prozent besser kann immer noch ganz schlecht sein. Und eine mögliche Recyclingquote ist alles mögliche - aber keine Aussage darüber, wie viel tatsächlich wiederverwertet wird. Zumal es für Recycling die Kapseln erst mal in die richtige Tonne schaffen müssten statt im Restmüll zu landen. An dieser Stelle muss ich erneut meine Sünden gestehen: Mein Kapseltütchen wartete oft vergeblich darauf, von mir zur Aluminiumtonne getragen zu werden, denn die liegt leider so gar nicht auf dem Weg.

Wir wissen es besser. Und machen es trotzdem falsch.

Es besser zu wissen, trotzdem falsch zu machen und vor den Konsequenzen die Augen zu verschließen - im Alltag tun wir das ständig. Denn ökologisch korrekt zu konsumieren ist anstrengend, unbequem und nervig. Das schlechte Gewissen muss ziemlich groß werden, damit wir unser Verhalten ändern.

Bei mir war es dieser kluge Rant des Kabarettisten Philipp Weber, der die Kaffeetasse zum Überlaufen brachte. Er zeigt auf, wie absurd es ist, Bohnen erst zu mahlen und das Pulver dann portionsweise wieder in Aluminium zu verschweißen, damit das Aroma nicht verloren geht. Es ist in etwa so bescheuert, wie eine Banane zu schälen, um sie dann wieder einzuschweißen (gibt es auch).

Eine Alternative muss her - aber haben Siebträgermaschine und Kaffeemühle (die Kombination empfiehlt Weber) tatsächlich die beste Ökobilanz? Wenn ich weiter portionsweise Kaffeetrinken will: Macht ein Vollautomat Sinn? Oder reicht es erstmal, auf Öko-Bio-Fair-Kapseln umzusteigen? Und was ist mit dem Stromverbrauch beim Kaffeekochen?

Bei der schieren Menge der Fragen vergeht einem manchmal direkt die Lust. Ich bekomme das Gefühl, dass ich es eh nicht richtig machen kann und bin kurz davor, die Augen wieder ganz fest zu schließen, eine Volluto-Kapsel reinzuschieben und an George Clooney zu denken.

Doch daran, dass eine Kapselmaschine ökologisch die schlechteste Lösung ist, gibt es keinen Zweifel, selbst mit Bio-Öko-Fair-Kapseln (die es von den meisten Marken auch gar nicht gibt). Das bestätigt Dietlinde Quack, Leiterin der Gruppe Konsum im Institutsbereich Produkte & Stoffströme des Öko-Instituts in Freiburg. Wer bereits eine Kapselmaschine besitzt, muss diese jedoch nicht entsorgen: Es gibt wiederbefüllbare Kapseln aus Edelstahl.

Ökologisch Kaffeetrinken - so geht es

Welches Gerät?

Das Öko-Institut hat verschiedene Möglichkeiten der Kaffeezubereitung hinsichtlich ihrer Umweltbilanz ausgewertet und kommt zu folgendem Ergebnis: "Am besten schneiden Durchdrückkannen ab", sagt Quack, also Kaffeezubereiter, die meistens unter dem Namen French Press laufen. Allerdings nur unter zwei Bedingungen: Man erhitzt nur so viel Wasser wie nötig und schüttet keinen Kaffee weg, sondern verbraucht ihn komplett. Weil man mit einer French Press aber keine halben Portionen machen kann (zumindest schmecken die dann nicht besonders gut), ist es wichtig, sich die Kanne von vornherein in der richtigen Größe zu kaufen.

Kaffeetrinken

Meine Lösung: Eine Caffettiera und frisch gemahlener Kaffee.

(Foto: iStockphoto)

Kaffee aus der French Press mag ich nicht so gerne - ich bin Espresso-Trinkerin. Wären italienische Espressokannen eine Alternative? "Nur wenn die Herdplatte nicht zu groß ist", sagt die Expertin vom Öko-Institut. Da die Kaffeekännchen recht klein sind, heizt die Herdplatte drumherum die Luft. Das ist gar nicht ökologisch.

Also eine Siebträgermaschine oder ein Vollautomat? Das sind meistens teure, große Geräte, deren Herstellung in der Ökobilanz viel mehr zu Buche schlägt als die eines Kännchens. Sie lohnen sich nur, wenn in einem Haushalt über mehrere Jahre viel Kaffee getrunken wird und der am liebsten portionsweise. EcoTopTen vergleicht einige Maschinen hier bezüglich Kosten und Stromverbrauch und gibt den wichtigsten Tipp dazu: Maschinen immer ausschalten, nicht auf Stand-By lassen.

Ich bin in meiner Familie allerdings die einzige, die Kaffee trinkt und entscheide mich daher für eine winzige Zwei-Portionen-Cafettiera - zurück zu den Wurzeln, irgendwie, denn so eine hatte ich schon mal. Sie ist mir aber verschimmelt, weil ich sie immer erst vor der nächsten Benutzung gereinigt habe. Und manchmal vergessen. Jetzt werde ich disziplinierter, nehme ich mir vor. Und damit der Herd nicht umsonst heizt, kaufe ich ein Kännchen mit integrierter Heizplatte, die ich an den Strom anschließen kann. Für Gäste habe ich mir noch eine große Espressokanne angeschafft und damit ich den Kaffee als Bohnen kaufen kann, gibt es noch eine kleine Kaffeemühle dazu. Elektrisch, denn ein bisschen bequem will ich's immer noch haben.

Welcher Kaffee?

Dafür kann ich nun den teuersten Kaffee kaufen - und spare immer noch Geld. Hochgerechnet kommt ein Kilo Kapselkaffee nämlich auf 50 bis 80 Euro. Im Supermarkt kostet ein Kilo Bohnen der Marke, die mit den meisten Siegeln aufwarten kann- bio! fairtrade! - 26 Euro. Doch nun, wo ich von den Kapseln weg bin, will ich noch mehr Verpackung sparen und lasse mir meine Bohnen direkt beim Kaffeeröster in die mitgebrachte Blechdose füllen. Fairtrade gibt es hier nicht, aber immerhin Bio. Preis: Zwölf Euro. Verpackung: Null. Ich bin stolz - und werde mir als nächstes den Coffee-to-go abgewöhnen. Denn auch damit produziere ich jede Menge Müll.

Drei Tipps zum Nachmachen:

  • Verpackung sparen: Kaffeebohnen in mitgebrachte Behälter füllen lassen statt Unmengen an Kapseln wegwerfen.
  • Ressourcen sparen: Nie mehr Kaffee zubereiten als getrunken wird. Kaffeekannen daher gleich in der richtigen Größe kaufen.
  • Strom sparen: Vollautomaten oder Siebträgermaschinen sind für Haushalte, in denen viel und portionsweise Kaffee getrunken wird, eine ökologische Option - aber nur, wenn sie nach jeder Benutzung ausgeschaltet werden.
© SZ.de/dd
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