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Merkel-Doppelgängerin:Die Andere

Susanne Knoll ist die Doppelgängerin von Angela Merkel. In den Medien wird sie als komische Nummer gefeiert. Ihr selbst hat die Rolle das Leben gerettet.

Die Frage war auflockernd gemeint, als Witz: "Und wie erkenne ich Sie, wenn wir uns am Bahnhof treffen?" Ein blöder Scherz, zugegeben, fast eine Beleidigung. Immerhin ist Susanne Knoll die Doppelgängerin der Bundeskanzlerin. Sie hat als Angela Merkel vor der Kamera für Kai Pflaumes "Comedy Falle" mit Till Schweiger geknutscht. Sie ist Merkel in der YouTube-Werbung für Maybrit Illner. Sie schlabbert Eierlikörchen im "Atlantic" an der Bar mit Udo Lindenberg. Sie ist die Bundeskanzlerin in Dani Lewis "Deutschland 09", und das war schon ihr fünfter Spielfilmauftritt. Auf dem Plakat für "RTL Radio" küsst sie sogar Gerhard Schröder.

Wenn man Susanne Knoll dann aber aus der Nähe sieht, ist die Frage gar kein Witz mehr. "Das First Kanzlerinnen Double", wie Stefan Raab sie nennt, sieht gar nicht aus wie Angela Merkel. Das Gesicht: ganz anders. Die Haare, die Augen: auch anders, die Nase vor allem. Schwerer und größer als Angela Merkel ist sie außerdem. Niemand käme auf die Idee, dass die Frau Geld damit verdient, die Doppelgängerin der Bundeskanzlerin zu sein.

Aber sie kann sich verwandeln. Wenn sie sich die Haare toupieren und um die Ohren legen lässt à la Merkel, wenn sie einen von Merkels Blazern anzieht, den apricotfarbenen oder den roten; wenn sie ihr Gesicht ein wenig seitlich und in den Nacken legt und die Mundwinkel herunterzieht wie Willy, der Freund von Biene Maja, dann funktioniert es für die Fotografen und Kameraleute. Und wenn sie erst aus der großen, schwarzen Limousine steigt - eine große, schwarze Limousine vorneweg, eine hinterher -, und wenn die Bodyguards ihr die Autotür aufreißen, dann funktioniert es auch für die Touristen vorm Kanzleramt. Sogar das Goethe-Institut in Korea wollte sie haben für die Wahlparty am 27. September in Seoul, hat ihr Agent erzählt.

"Das funktionierte so geil"

Der Agent heißt Jochen Florstedt, er makelt Doppelgänger, er hat sie alle, sogar einen wirklich tollen Oliver Kahn und zwei Obamas. Dreißig Jahre hat er in der Werbebranche gearbeitet. Er weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: "Die ganze Geschichte mit Susanne ist natürlich vor allem ein Medienhype, ein Selbstläufer, ein Beleg dafür, wie Medien funktionieren."

Er hatte Susanne Knoll noch nicht einmal gesehen, als er ihr Foto und die Geschichte von "Merkels erster Doppelgängerin" im Jahr 2003 an die Nachrichtenagentur dpa schickte. Merkel war gerade CDU-Vorsitzende geworden.

"Und das ging dann gleich ab wie die Bombe, ein Tsunami. Das funktionierte so geil, obwohl sie viel größer und viel properer als Frau Merkel ist. Als ich Susanne dann kennenlernte, sah ich, die sieht ja irgendwie doch nicht so aus. Da war das Ding aber schon am Laufen."

Die Geschichte der Susanne Knoll könnte also eine schöne Parabel sein über die Medien oder über die sehr bizarre Welt der Doppelgänger. Es ist nur so, dass Susanne Knoll, wenn man erst ein paar Stunden mit ihr gesprochen hat, Sätze sagt, wie: "Angela Merkel hat mir das Leben gerettet." Und deswegen muss man die Geschichte vielleicht ganz anders erzählen. Von Anfang an. Von einer entsetzlichen Kindheit in Armut, Streit und Lieblosigkeit. Von Alkohol und Schlägen. Die kleine Susanne war die Älteste. Die Mutter ging aus, ohne jemals zu sagen, wohin und ob sie wiederkommt. Die Mutter hatte keine Bildung und keine Liebe. Sie kennt bis heute nicht den Unterschied zwischen Bundeskanzler und Bundespräsident.

Und die kleine Susanne wusste nur eines: Ich muss hier raus. Ich werde weglaufen, wenn sie mich nicht auf die Realschule lässt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie aus Susanne Angela wurde ...