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Lagerfeld denkt über Nachfolger nach:Karls Kronprinz

Als möglichen Nachfolger bei Chanel bringt Karl Lagerfeld den Kolumbianer Haider Ackermann ins Gespräch - ein schillernder Gedanke.

Peter Bäldle

Karl Lagerfeld ist stets für eine Überraschung gut. Und wie man im Gespräch bleibt, weiß sowieso keiner besser als er. Also hat er im Vorfeld der Pariser Couture-Schauen, die an diesem Montag begonnen haben, einfach mal laut über seinen etwaigen Nachfolger bei Chanel nachgedacht - was ihm prompt die gesammelte Aufmerksamkeit der französischen Presse einbrachte. Da können die Kollegen noch so akribisch an den Säumen sticheln: Diesen Medienvorsprung holen sie garantiert nicht mehr auf.

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Hat einen Vetrag auf Lebenszeit: Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

(Foto: Reuters)

Nicht, dass Lagerfeld beabsichtigen würde, das Zepter bei Chanel aus der Hand zu legen. Da mochte man nach dem elegischen Defilee im Oktober noch so unken. Doch beim Interview mit dem französischen Modemagazin Numéro reagierte er auf die Frage, welcher Designer wohl der fähigste sei, ihm dereinst nachzufolgen, erstmals nicht gereizt, sondern entgegnete kühl: "Ich habe einen Vertrag auf Lebenszeit. Also hängt es allein von mir ab, wem ich zum Schluss die Hand reiche. Im Moment würde ich sagen, das wäre - Haider Ackermann!" Haider wer?

Natürlich ist der junge Mann mit den schwarzen Locken, dem Viva-Zapata-Bart und der Intellektuellen-Nickelbrille in Expertenkreisen kein unbeschriebenes Blatt. Er verfügt sogar über einen gewissen Kultstatus, was nicht zuletzt auf die begrenzte Besucherzahl für seine Defilees zurückzuführen ist: Verknappung erhöht die Begehrlichkeit. Doch wie kommt der große Karl, der in jeder Saison verpflichtet ist, den sattsam bekannten Chanel-Kostümchen einen neuen Dreh zu geben, auf jenen Nomaden der Mode? Auf einen, der, aus den Wüsten Nordafrikas kommend, über Antwerpen seinen Weg nach Paris fand? Wollte Lagerfeld nur sensationshungrige Journalisten seinerseits in die Wüste schicken - oder hat sein Adlerblick hinter den dunklen Brillengläsern mehr erspäht, als die weich fließenden Linien von Ackermanns Drapierungen ahnen lassen?

"Haider versucht seine Frauen so schön wie nur möglich, so stark und unabhängig wie nur möglich aussehen zu lassen", sagt dazu die schöne, rätselhafte Schauspielerin Tilda Swinton. Sie brachte den Designer international ins Gerede, als sie vor zwei Jahren in einem Abendkleid von ihm über den roten Teppich der Filmfestspiele von Cannes schritt. "Er vereint Tradition mit Modernität, Zeitlosigkeit mit einer federleichten Anmut, die wahrhaftige Eleganz der alten Berberstämme mit den windschnittigen Linien futuristischer Raumschiffe", schwärmt sie.

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