bedeckt München 12°
vgwortpixel

Kolumne "Familie und andere Turbulenzen":Die Wahrheit über Urlaub mit Kindern

Familien-Kolumne

War das entspannt! In der Erinnerung ist der Familienurlaub oft noch einen Tick schöner, als er tatsächlich war - zum Glück.

(Foto: Stephanie Wunderlich)

Es soll die schönste Zeit im Jahr sein, auch für Familien. Doch manchmal werden Eltern nach dem Urlaub ein wenig neidisch, wenn sie von den Abenteuern der Alleinreisenden erfahren. Dabei könnten sie da locker mithalten - erzählen aber nicht immer die ganze Wahrheit.

Wenn sich Eltern Fotos von früher ansehen, als sie selbst noch Kinder waren und aus eigenem Antrieb Sandburgen bauten, dafür aber bei der Auswahl des Reisezieles kein Wörtchen mitzureden hatten, dann blicken Eltern auf ein trügerisches Idyll: Schließlich wurden keine Fotos während der mühsamen Anreise in Autos mit verhängten Seitenfenstern gemacht, als noch keine Klimaanlage gegen die Hitze anblies. Auch die unerträglich juckenden Sonnenbrände auf den Kinderrücken wurden selten fotografisch in Szene gesetzt. Übrig bleiben die wohligen Erinnerungen an die schönste Zeit des Jahres: Urlaub.

Kein Wunder, dass Eltern auch heute noch beim Austausch der Ferienerlebnisse gerne unterschlagen oder zumindest ein wenig beschönigen, wie der Familienurlaub tatsächlich ablief:

Das sagen die Eltern: "Ach, ihr habt euch Business-Class gegönnt? Nun, unsere Anreise war schon etwas anstrengender, aber wir haben es überlebt."

So war es wirklich: Überlebt ja, jedoch nur knapp. Der kritische Punkt war nach 134 Kilometern im Auto erreicht (davon 47 Kilometer Beinahe-Stillstand im Stau), als die Gefühle trotz Klimaanlage überkochten: Das jüngere Kind verkürzte die Dauerfrage "Wann sind wir endlich da?" auf "Da? Da? Da? Da? Da?" und ließ dafür die Pausen zwischen den Fragen weg. Das ältere Kind fragte ebenfalls ohne Unterlass, dafür voll ausformuliert: "Wieso fahren wir nicht schneller? Wann ist der Stau vorbei? Darf ich zu Fuß gehen? Was meinst du mit: Du musst sogar gleich zu Fuß gehen? Darf ich echt aussteigen? Wann hupst du endlich, damit die vor uns schneller fahren?" Damit war das Fass zum Überlaufen gefüllt, es fehlte nur noch der Tropfen. Der kam von der Mutter: "Ich habe dir doch gesagt, wir sollten früher losfahren." Noch 200 Kilometer bis zum Ziel.

Das sagen die Eltern: "Ach, ihr wart auf Safari? Wir haben auch jeden Morgen wilde Tiere gesehen."

So war es wirklich: Die Ameisenstraße führte quer über den Frühstückstisch.

Das sagen die Eltern: "Ach, ihr wart Paragliden? Wir haben auch einige neue Sportarten ausprobiert."

So war es wirklich: Erprobt und für gut befunden wurden die Disziplinen "Wie viele Familienmitglieder können gleichzeitig wasserrutschen - hintereinander und übereinander?" "Wer hüpft auf den Hotelbetten am höchsten (sind ja nicht unsere)?" "Wer spielt am schönsten Kitzel-Hai im Pool - Mama oder Papa?"

Weniger gut kamen die Disziplinen an "Wie viele Purzelbäume macht das Kind unter Wasser, während die Welle es an den Strand spült?" "Wer gewinnt beim Rennen um die wenigen Schattenplätze - die anderen oder wir?" "Wie viel Wasserspielzeug können Eltern zum Strand schleppen, ohne zusammenzubrechen?"

Das sagen die Eltern: "Ach, ihr wart auf Mountainbike-Tour? Wir waren auch in den Bergen."

So war es wirklich: Der Aufstieg bei der Familienwanderung verlief schleppend, wobei das im Wortsinn zu verstehen ist. Auf der Alm baute die schöne Aussicht und das gute Essen die Eltern wieder auf, während die Kinder ihre Energie beim Spielen, Toben und Entdecken vergeudeten. Deshalb war der Abstieg wieder schleppend.