Jeans vom Designer Bloß nicht in die Waschmaschine

Sie wollen's nicht mehr sehen

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Auch die Kenner sind also bereit, sich ihre Hose einige Hundert Euro kosten zu lassen - nur: "Die Kunden wollen immer wissen, warum sie so viel bezahlen sollen", sagt Müller. "Die Industrie muss da schon Argumente liefern". Die Industrie zeigt sich kreativ, dieser Bitte nachzukommen: Das Label PRPS zum Beispiel verkauft in Japan eine Jeans, die etwa 800 Euro kostet. Einige der vorgetragenen Argumente, die diesen Preis rechtfertigen sollen: Die Hosen würden auf antiken Webstühlen in Japan gefertigt, verwendet werde allein Baumwolle aus Simbabwe und das kleine Label am Hinterteil soll erst nach zwei Tagen Arbeit fertig sein.

Die schwedische Marke Nudie Jeans verkauft ihre Hosen zwar zu etwas günstigeren Preisen, bietet aber ein nicht minder einfallsreiches Verkaufsargument: Einige Jeans von Nudie kommen mit der Empfehlung, sie mindestens sechs Monate lang nicht zu waschen. Sie sollen mit der Zeit, in der die Waschmaschine tabu ist, nämlich noch schöner werden, sich dem Körper anpassen wie eine zweite Haut.

Dieses Jeanstheater der Hersteller überzeugt jedoch bei weitem nicht jeden. Die meisten wollen vor allem eine Jeans, die gut sitzt und aus Beinen, Po und Hüften macht, was eben zu machen ist. Wenn das bloß so einfach wäre: Mindestens zehn Mal quetscht sich statistisch die Mehrheit der Frauen in Umkleidekabinen in verschiedene Hosen, bevor endlich eine dabei ist, die passt.

Vor lauter Schnitten und Marken hat in der unteren bis mittleren Preisliga sowieso kaum noch jemand einen Überblick: Es gibt die Klassiker wie Levi's, Lee und Diesel, und eine Flut von irgendwie angesagten Marken wie J-Brand, Cheap Monday oder Current/Elliott. Dazu kommen ständig neue Modelle, von der "Jeggings" (eine Jeans, die so eng sitzt wie Leggings) bis zur "Boyfriend Jeans" (die aussehen soll, als sei sie aus dem Schrank des Freundes geliehen).

Die Jeans, die eben noch signalisieren sollte, das ihre Trägerin von Trends etwas versteht, kann bei diesem Wirrwarr morgen bereits von gestern sein. Selbst in den Moderedaktionen macht sich bei der Frage, welche Hose gerade unbedingt in die Kleiderschränke gehört, eine gewisse Ratlosigkeit breit. Etwas Orientierung bieten da noch die Models und Promis - wer von ihnen aktuell welche Jeans trägt, wird jedenfalls in Magazinen und auf Internetseiten wie denimblog.com akribisch dokumentiert.

Dort findet man übrigens auch die Adresse von "Denim Therapy". Hinter diesem Namen versteckt sich keine Kur für die strapazierten Nerven der Jeanskäuferin, sondern eine spezialisierte Schneiderei in New York. Sie nimmt sich aller Jeanspatienten an, deren beste Zeiten vorüber sind - egal ob nun Hennes & Mauritz oder Dolce & Gabbana. Flicken sind verpönt, mit neuem Garn sollen Problemzonen saniert werden. "Wir reparieren nicht nur Jeans, wir erneuern Beziehungen", lautet das Versprechen.

Sieben Dollar pro drei Zentimeter kostet das Ausbessern von Löchern, plus Versandkosten. Und dieser Preis ist tatsächlich für alle gleich.