Gleichgeschlechtliche Hochzeitsfeiern "Wie ein zweites Coming-out"

Chippendales für den Bräutigam, Baumstammsägen für die Braut: Immer mehr Schwule und Lesben zelebrieren ihre Lebenspartnerschaft mit einer Hochzeitsfeier. Die ist manchmal eine schrille Sause und manchmal spießiger als Hetero-Hochzeiten - doch ein paar Besonderheiten gebe es immer, sagt Weddingplaner Marco Fuß.

Von Katrin Derler

Das Paar sieht sich in die Augen und lächelt, als wäre es sich seiner Sache nie so sicher gewesen. Ein Cello-Quartett spielt klassische Musik. Nach dem Ringtausch und der Ansprache des Standesbeamten folgen endlich die Worte, auf die alle Anwesenden gewartet haben: "Sie dürfen einander nun küssen." Martin Munz neigt sich langsam vor und küsst zärtlich seinen Mann Tobias.

Munz, Journalist und Leiter des Rechercheteams beim NDR, heiratete seinen Lebensgefährten 2006. "Wobei man von Heirat ja nicht sprechen kann, solange es eine rechtliche Diskriminierung gibt", betont der 38-jährige Hamburger. "Gefühlsmäßig war es trotzdem für alle Anwesenden eine Hochzeit." Und zwar eine ziemlich traditionelle: Rosen, Streichmusiker, ein DJ für die Feier und Walzer als Hochzeitstanz. Munz wollte immer eine große Feier. Eine Herausforderung, denn: "Ein Standesamt zu finden, das Platz für einhundert Gäste hat, war schwierig. Bei Hetero-Hochzeiten wird der standesamtliche Teil ja eher im kleinen Kreis abgehalten und der kirchliche Teil dann meist größer gestaltet."

Wegen solcher und anderer Herausforderungen beauftragen auch gleichgeschlechtliche Paare immer häufiger einen Hochzeitsplaner. Einer von ihnen ist Marco Fuß: Dem 44-Jährigen wurde bei seiner eigenen Heirat mit seinem Mann Eric klar, dass eine Hochzeit von Lesben und Schwulen zwar auch nicht individueller als eine Hetero-Trauung sein muss - aber dennoch "ein bisschen was anderes" ist. "Die Gäste sind zum Beispiel internationaler, da sich meiner Erfahrung nach die Paare häufiger im Urlaub, über Länder und Kontinente hinweg, kennenlernen", erklärt der Hochzeitsplaner. Einladungen, Tischkärtchen, aber auch das Unterhaltungsprogramm während der Feier müssten daher oft zweisprachig gestaltet werden. Da er bei seiner Hochzeit ein gutes Gespür für jene kleinen Unterschiede entwickelt hat, spezialisierte sich der ehemalige Werbefachmann schließlich auf gleichgeschlechtliche Paare.

Seine Berufung zum Hochzeitplaner fand Fuß eher zufällig, durch einen Freund und ehemaligen Kollegen aus der Werbebranche, Frank Matthé - in den Medien bekannt als "Froonck". Der professionelle Hochzeitsplaner reiste 2006 für seine Reality-Sendung Frank - Der Weddingplanner durch ganz Deutschland und bat Fuß damals aus Zeitmangel, einen seiner Aufträge zu übernehmen. "Nach der Feier fiel mir die Braut weinend in die Arme und bedankte sich", erzählte Fuß. "In der Werbebranche ist mir noch kein Kunde wegen der tollen Verkaufszahlen um den Hals gefallen." Für ihn war klar: Er hatte seine Berufung gefunden. 2010 gründete der einstige Werber schließlich seine Agentur Gleich & Gleich und kümmert sich seither um Locations, Dekoration, Unterhaltungsprogramm, Verpflegung und Koordination auf Hochzeiten - vorwiegend von gleichgeschlechtlichen, aber auch Hetero-Paaren.

Homosexuelle Freunde, heterosexuelle Familie

Die rechtlichen Voraussetzungen für dieses Geschäftsmodell schuf die Politik 2001 mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz. Dieses ermöglicht gleichgeschlechtlichen Paaren, ihrer Beziehung einen rechtlichen - wenn auch nach wie vor nicht gleichgestellten - Rahmen zu geben. Bundesweit lebten 2010 laut einer Umfrage des Statistischen Bundesamtes bereits 37 Prozent aller schwulen und lesbischen Paare, die sich einen Haushalt teilen, in einer eingetragenen Partnerschaft. Dennoch kommt auf 1000 "Hetero"-Ehen gerade einmal eine Lebenspartnerschaft.

Nicht zuletzt deshalb habe es laut Fuß bisher nur in Nürnberg, Düsseldorf und Hamburg Hochzeitsplaner gegeben, die ihren Fokus auf die Organisation von gleichgeschlechtlichen Hochzeiten legen - im weltoffenen Berlin war der 44-Jährige der erste. Dass es Spezialisten für die Planung von gleichgeschlechtlichen Verpartnerungen gibt, findet der Weddingplanner wichtig, denn: "Für das Zusammenspiel der Gäste ist ein besonderes Einfühlungsvermögen gefragt. Das Spannende ist die Kombination aus einem überwiegend homosexuellen Freundeskreis und den beiden Hetero-Familien", sagt Fuß. Hier die Schnittmenge zu finden und ein Fest zu arrangieren, auf dem alle entspannt sein und sich amüsieren können, sei die größte Herausforderung.

Eine der wichtigsten Aufgaben eines Hochzeitsplaners ist es, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. "Auch erste Berührungsängste der oftmals sehr unterschiedlichen Gäste müssen bei den Feierlichkeiten möglichst rasch überbrückt werden, damit die Stimmung so ausgelassen werden kann, wie das Paar es sich wünscht", sagt Fuß. Wenn nötig, greift man dann auch mal zu den üblichen Mitteln: Der Wahl-Berliner brach bei seiner eigenen Feier beispielsweise das Eis mit Hochzeitsspielen - nicht gerade unkonventionell, aber durchaus wirkungsvoll. "Unsere Mütter wurden mit Fotos von meinem Mann und mir Rücken an Rücken gesetzt und gefragt, wer von uns beiden lieber kocht oder in der Regel das Steuer übernimmt."