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Schwangere Promis:Dicke Überraschung

Vor dem Baby Bump: Gigi Hadid und ihr Freund Zayn Malik.

(Foto: AP)

Das Model Gigi Hadid hat bei der publizistischen Verwertung ihrer Schwangerschaft versucht, es allen recht zu machen. Das konnte nicht gelingen. Eine Bauchbetrachtung.

Von Tanja Rest

Aus dem inoffiziellen Handbuch für Topmodels, Kapitel 34: "Ihre Schwangerschaft".

  • Die ersten drei Monate: Genießen Sie Ihr süßes Geheimnis, solange es noch eines ist. Sie tun dies am besten auf den Laufstegen von New York, Mailand und Paris.
  • Der vierte Monat: Da inzwischen nicht nur die Familie, sondern der ganze geschwätzige Freundeskreis Bescheid weiß, kursiert Ihr süßes Geheimnis planmäßig im Netz. Nutzen Sie jetzt die Gunst der Stunde und verkaufen Sie die offizielle Verlautbarung meistbietend an ein Hochglanzmagazin. Noch besser: Treten Sie bei Jimmy Fallon auf!
  • Der fünfte bis siebte Monat: Neben dem Kindsvater sind in dieser Phase Familie und Freunde die Gesellschaft Ihrer Wahl. Sollten Sie befürchten, von diesen nach so vielen Jetset-Jahren nicht wiedererkannt zu werden: Sie waren gerade auf dem Cover der Vogue, Schätzchen! Twittern Sie ausgiebig über Ihre neuen Essgewohnheiten. Menschen lieben Topmodels, die Junk Food essen und dick werden. Das Bäuchlein halten Sie hübsch unter Verschluss. Wenn schon jemand Geld mit Baby-Bump-Fotos verdient, dann ja wohl Sie selbst.
  • Der achte Monat: Juhuuu, Baby-Bump-Shooting! Einige der teuersten Fotografen, Stylisten und Make-up-Künstler sind zur Stelle, wenn Sie ins Studio und vor die Kamera moppeln. Achtung: kein offensives High Fashion! Sie sind diesmal nicht Model, sondern Mutter Natur - wehende Gardinenstoffe oder auch ein weißes Bustier, Jeans mit geöffnetem Reißverschluss und Sie im Profil, die Hand schützend um den Bauch gelegt, mehr braucht es hier nicht. Eine Auswahl der schönsten Bilder dürfen Sie jetzt endlich auch auf Instagram rausblasen. Ihre Fans werden entzückt sein. ;-)

Den Überblick verloren

Wenn man dies zugrunde legt, hat Jelena Noura Hadid, genannt Gigi, in den vergangenen acht Monaten alles richtig gemacht. Sollte sie sich das Ganze jedoch etwas anders vorgestellt haben - und das hat sie bei verschiedenen Gelegenheiten versichert -, dann hat sie eindeutig verloren.

Falls irgendjemand jetzt nicht weiß, wer Gigi Hadid ist (was außerhalb der Glamoursphäre durchaus möglich, innerhalb ihrer aber undenkbar ist), hier die Fakten: US-Amerikanerin, 25, Tochter eines palästinensischen Immobilienunternehmers und eines niederländischen Ex-Models. Eine jüngere Schwester (Bella) und ein Bruder (Anwar), beide ebenfalls Models. Abgebrochenes Studium der Kriminalpsychologie, Durchbruch 2013 auf der New York Fashion Week. Seitdem um die 40 Vogue-Titel, zahlreiche Kampagnen, unzählige Laufstegauftritte. Zehn Millionen Follower bei Twitter, 58 Millionen bei Instagram; geschätztes Vermögen: 29 Millionen US-Dollar. Passionierte Reiterin (zurzeit pausierend). Aktuell wieder liiert mit dem früheren Boygroup-Sänger Zayn Malik, mit dem sie allerdings so oft und dann wieder nicht zusammen war, dass selbst Hello! Magazine den Überblick verloren hat. Niederkunft mutmaßlich: demnächst.

Die öffentliche Geschichte von Gigi Hadids Schwangerschaft begann mit einer Unterstellung. User mutmaßten, sie ließe sich Filler injizieren, da ihr Gesicht so ebenmäßig rund war. Dann platzte die Klatschseite TMZ mit dem süßen Geheimnis heraus. Bei Jimmy Fallon sagte Hadid, sie habe das eigentlich noch für sich behalten wollen, sei in der Tat aber schwanger, glücklich und verrückt nach Bagels der Marke Everything Bagel (für die sie nicht wirbt). Danach verschwand sie.

Dann tauchte ein Foto von ihr im Overall auf, und eine Userin fragte, wie es sein könne, dass man ihren Bauch nicht sehe. Hadid schrieb, das komme von dem wirklich weiten Overall und der Frontalaufnahme ("Im Profil ist es eine andere Geschichte.") Das kam draußen nicht gut an. Verleugnete eine werdende Model-Mutter da etwa ihre Rundungen?! Hadid schrieb recht entnervt zurück, sie verberge nichts und verstehe die Aufregung nicht.

"Hier ist mein Bauch, Leute"

Aber keine Chance. Eine Woche später knöpfte sie bei Instagram Live ihren Overall auf: "Hier ist mein Bauch, Leute." Und es war zweifellos ... ein Bauch. Sie sagte dann noch: "Ich weiß, viele sind irritiert, warum ich nichts mehr von mir teile, aber ich bin schwanger in einer Pandemie. Und ganz offensichtlich ist meine Schwangerschaft nicht das Wichtigste, was auf dieser Welt passiert." Das war weiß Gott mal wahr.

Gigi Hadid setzt sich auf Twitter für die "Black Lives Matter"-Bewegung ein, das Tragen von Masken, für Unicef, die Menschen im Jemen, eine vernünftige Klimapolitik und die unbedingte Notwendigkeit, am 3. November zur Wahl zu gehen und Donald Trump aus dem Amt zu jagen. Es haben Topmodels ihren Ruhm schon für geringere Dinge zu Markt getragen. Auf Instagram aber flankierte sie ihr Baby-Bump-Shooting zuletzt mit dem Versprechen, in Zukunft wieder mehr von sich zu zeigen.

Sollte Gigi Hadid jemals erwogen haben, den akzeptierten Verhaltenskodex für schwangere Topmodels zu verletzen, so können ihre Fans beruhigt sein: Sie ist jetzt wieder auf Kurs.

© SZ
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