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Kampf gegen Prostitution:Zwischen Repression und Laissez-faire

Frankreich schwankte im Umgang mit bezahltem Sex schön öfters zwischen Repression und Laissez-faire. So ließ bereits Ludwig IX., genannt der Heilige, die Prostitution verbieten und den Besitz der Huren einziehen - die Kleider ausgenommen. Später wurden die Zügel gelockert. Im achtzehnten Jahrhundert soll es 40.000 käufliche Damen in Paris gegeben haben. Die Behörden begannen damals, die Prostitution zu reglementieren und "maisons closes", geschlossene Häuser, zuzulassen, um das Gewerbe zu überwachen und Geschlechtskrankheiten vorzubeugen.

Nicht zuletzt die Affäre um Dominique Strauss-Kahn hat den Ruf nach strengeren Gesetzen in Frankreich verstärkt.

(Foto: AFP)

Nach und nach erarbeiteten sich die französischen Bordelle, zumal in Paris, einen Platz in der Kulturgeschichte. Die Grenzen zwischen Cabarets, Revuetheatern und Freudenhäusern verschwammen genauso wie die Milieus der Halbwelt und der Bohème. Künstler wie Henri de Toulouse-Lautrec verewigten das Pariser Nachtleben des 19. Jahrhunderts, Emile Zola schilderte in seinem Roman "Nana" Glanz und Elend einer Dirne. Bis zum Zweiten Weltkrieg entstanden immer mehr Luxusbordelle, prächtige Häuser im Art-déco-Stil, im Ambiente Arabiens oder mit Fresken à la antikes Ägypten. Künstler, Schauspieler, Politiker und Mitglieder des europäischen Hochadels gingen ein und aus. Paul Claudel antwortete auf die Frage, was er von Toleranz halte: "Dafür gibt es Häuser."

Das Ende kam mit den Nazis. Weil sich die "maisons closes" der horizontalen Kollaboration schuldig machten, hatten es die Sittenstrengen nach dem Krieg leicht, sie zu schließen. Seitdem lebt das Rotlichtmilieu in einer Grauzone zwischen Straßenstrich und Massagesalons. Dem Regisseur Billy Wilder gelang es 1963, die Pariser Straßenmädchen-Szene in seinem Film "Irma la Douce" komisch und anrührend zu porträtieren. Mit diesem romantisierenden Bild hat die Realität wenig zu tun, heute schrecken die Franzosen Berichte von Morden an Huren und von versklavten Frauen aus Afrika und Osteuropa auf.

Auch die Skandale Strauss-Kahns haben den Ruf nach strengen Gesetzen verstärkt. Bislang sind nur Zuhälterei und Anmache, nicht aber die Prostitution an sich strafbar. Künftig könnten auch die Freier belangt werden. So soll die Prostitution in Frankreich 750 Jahre nach Ludwig dem Heiligen endlich ausgerottet werden. Allein, es fehlt der Glaube.