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Erziehung:Mit Augenmaß reagieren

Die Studie von Monika Keller, in der Vierjährige gefragt wurden, wie sie den Jungen im Bilderbuch fanden, der Bonbons gemopst hatte, zeigt diesen Unterschied: Die Kinder wurden nämlich auch noch gefragt, wie sich der Junge nach dem Diebstahl wohl fühlen werde: "Super! Die Bonbons sind doch lecker. Und er wollte sie haben!" Schulkinder antworteten bei der gleichen Versuchsanordnung ganz anders - sie bedachten die Situation des Bestohlenen mit ein: "Der Dieb wird sich schlecht fühlen, weil er jemand anderen traurig gemacht und etwas getan hat, was man nicht darf."

Bei aller Empörung sollten Eltern also bei kleinen Gaunereien wie Lügen, Stehlen oder Zündeln mit Augenmaß reagieren. Diese Grenzüberschreitungen sind ja auch kleine Tests der Eltern-Kind-Beziehung: Wie reagiert meine Mutter? Was muss ich fürchten? Wie schlimm ist das wirklich? "In Familien, die das Lügen streng bestrafen, wird am meisten gelogen", hat Herbert Renz-Polster beobachtet. Und die Münchner Erzieherin sagt: "Ich ermutige die Kinder, zu ihren Taten zu stehen, und sage: Du wirst dich besser fühlen, wenn du zugibst, geschwindelt oder etwas mitgehen gelassen zu haben."

Der zündelnden Sechsjährigen erklärte der Vater beim Anblick der flackernden Streichhölzer eindringlich, welche dramatischen Folgen das haben könne. Und versprach, bald mit ihr ein Feuer zu machen, um ihre Faszination für Flammen stillen zu können. Den achtjährigen Dieb stellte die Mutter vor die Wahl: Bis zum nächsten Tag soll er die gestohlenen Münzen zurückgeben - oder ihr erklären, wie er zu diesem Reichtum gekommen ist. Wenig später lag ein Häufchen Münzen auf dem Tisch. Und der Vierjährige stimmte bald der Annahme zu, der Pumuckl hätte im Leben nicht so ein zeichnerisches Talent wie der Familien-Foto-Bemaler. Das müsse wohl jemand anders gewesen sein, ein begabter junger Künstler, der leider nur eines nicht wusste: Die Farbe geht nie wieder weg.

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