Erkältung und Sport "Sport ist Stress und Entzündung"

sueddeutsche.de: Aber Sie sagten doch, Sport mache stressresistent?

Sportmediziner Gabriel hält nichts von überzogenem Leistungsdenken.

(Foto: Foto: privat)

Gabriel: Ja, aber nicht sofort. Es dauert wirklich Wochen, Monate, manchmal Jahre. Im Sport muss die Belastung und die Erholung ausgeglichen sein. Die Belastung muss auf einen belastbaren Körper treffen. Wenn ich den Körper aber mehr belaste, als er belastbar ist, muss ich mehr Erholung in meinen Trainingsplan einbauen.

sueddeutsche.de: Was bedeutet das in der Erkältungszeit? Wie lange muss ich pausieren, wenn ich einen Schnupfen habe?

Gabriel: Es gibt keine Pauschalantwort. Aber es gibt zwei Risiken, die dringend zu bedenken sind: Die größte Gefahr ist der plötzliche Herztod. Das kann sowohl Leistungssportler als auch Freizeitsportler treffen. Häufig hängt das mit einer Herzmuskelentzündung zusammen, die durch festgesetzte Infektionen entstanden ist. Dadurch enstehen Herzrhythmusstörungen, an denen man akut versterben kann. Insbesondere dann, wenn man sich durch Sport körperlich belastet. Das Herz ist schlicht überfordert. Die zweite Gefahr: Man wird infektanfällig. Es bildet sich ein Infektionsherd aus. Mandel- oder Kieferhöhlenentzündung können chronisch werden.

sueddeutsche.de: Bei welchen Symptomen sollte ich also auf jeden Fall die Sportschuhe stehen lassen?

Gabriel: Ich darf unter gar keinen Umständen Sport treiben, wenn ich Fieber habe, bei Schwellungen und Schmerzen im Hals, in den Ohren und Kieferhöhlen. Aber auch bei allgemeinen Symptomen, wie Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Rücken- und Nackenschmerzen oder Gelenkschwellungen, Kopf- und Bauchschmerzen beim Infekt der oberen Luftwege. Auch dann: kein Sport! Andererseits kann der Sportgeübte bei einem leichten Schnupfen ein leichtes Training fortsetzen. Dann reichen aber zwanzig Minuten laufen statt einer Stunde. Aber am besten macht man einfach einen ausgedehnten Spaziergang, denn körperlich aktiv bleiben hilft.

sueddeutsche.de: Ist es denn besser, sich draußen zu bewegen als Indoorsport zu betreiben - wegen der frischen Luft für die Schleimhäute?

Gabriel: Diese generelle Aussage kann man nicht treffen. Es geht darum, dass der Einzelne für sich herausfindet, was gut für ihn ist. Und die Hauptsache ist: Man ist körperlich aktiv. Es muss nicht gleich Sport sein, denn es gibt viele ältere und kränkere Menschen unter uns, denen das nicht möglich ist. Es ist auch unrealistisch zu verlangen, dass jeder täglich draußen eine Stunde Rad fährt oder läuft, insbesondere für Menschen in der Großstadt. Im Fitness-Studio und selbst zu Hause kann ich mich ausreichend bewegen.

sueddeutsche.de: Haben Sie Tipps, wie man möglichst schnell wieder auf die Beine kommt?

Gabriel: Müssen Sie denn möglichst schnell wieder fit werden?

sueddeutsche.de: Um arbeiten zu gehen ...

Gabriel: Also, wenn das Ziel ist, möglichst schnell wieder produktiv zu sein, dann behaupte ich: Es macht keinen Sinn. Dieser Druck ist hinderlich, um dem Körper Erholung zu geben. Niemand ist so wichtig, dass man ihn nicht ersetzen könnte. Wenn ich diesen Druck von mir nehme, habe ich das erste Gute getan, damit ich schneller wieder gesund werde. Und ganz praktisch gesprochen: Nehmen Sie viel Vitamin C und Zink zu sich. Essen Sie Leichtes und Frisches und trinken frische Säfte. Bei den vielen Mittelchen in der Apotheke wäre ich zögerlich; sie kosten häufig unnötig viel Geld. Die bewusste Ernährung kann man zum Anlass nehmen, seine Ernährung generell so zu ändern, dass man die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfüllt.

sueddeutsche.de: Ihr Credo ist also: Besser mal eine Pause einlegen?

Gabriel: Ja, sowohl im Spitzen- als auch im Freizeitsport ist die wichtigste Quelle für gute Leistung: die Regeneration. Trainieren kann jeder, ausreichend zu pausieren wissen leider die wenigsten. Also: Zuerst die Pause planen, dann die Belastung. Dann beugt Sport Entzündungen im Körper vor - und damit langfristig Krankheiten wie Arteriosklerose und Herzinfarkt.

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