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Die Probleme von Patchwork-Familien:Noch einmal ganz von vorne anfangen

Und da gibt es zum anderen diesen einen gefährlichen Satz: "Noch einmal ganz von vorne anfangen." Mit einer neuen Liebe wird ein neues Heim gegründet, und die bereits vorhandenen Kinder laufen schon irgendwie mit. Aber es gibt keinen Neubeginn mehr. Das ist für das neue Paar meist schwer zu ertragen und wird mit aufopfernder Liebe und autoritärem Erziehungsstil übertüncht.

Da gibt es dann diese Stiefväter, die ihrer neuen Lebenspartnerin erklären, dass nun ein paar neue Regeln und Pflichten aufgestellt werden müssen. Und das, obwohl diese Partnerin ihre Kinder jahrelang alleine über die Runden gebracht hat. Sie war dabei vielleicht nicht ganz so streng. Also stellt sie sich jetzt schützend vor ihre Kinder.

Und die Kinder reagieren vielleicht mit Trotz und Wut, weil sie jahrelang verbissen gegen jede neue Beziehung gekämpft haben, weil sie keinen Fremden bei sich dulden, der ihnen ihre Hoffnung wegnehmen könnte, dass die Eltern vielleicht doch eines Tages wieder zusammenkommen.

Der Münchner Familienpsychologe Hans Dusolt hat im Auftrag der Familiengerichte viele Gutachten erarbeitet, viele Kinder interviewt. Fast alle, sagt er, würden es vorziehen, wenn Mama und Papa zusammenblieben. Es muss schon ziemlich schlimm zugegangen sein, wenn Kinder das nicht mehr wollen.

Und so gibt es in der neuen Patchwork-Gesellschaft Kinder, die aggressiv werden und auffällig in der Schule, bis die Eltern verzweifelt in die Beratungsstellen kommen. Oder Kinder, die hinausgedrängt werden und hinausfallen aus der neuen Paarbeziehung. Aber das ist eher selten.

Meist sind es die neuen Partner, die erst einmal lernen müssen. Dass die Kinder immer an erster Stelle kommen. Das muss auch Katrin erst lernen, dass sie nicht die Einzige ist in der neuen Beziehung. Manchmal geht es nur um ein paar Stunden, nur um ein bisschen mehr Zeit allein mit Jan, ehe die beide Mädchen wieder zurückkommen von der Mutter.

Als sie diesen Wunsch einmal andeutet, kommt es sofort zum Streit, Jan geht in die Defensive, als ob er sich entscheiden müsse zwischen Katrin und seinen Kindern - und als ob sie genau das von ihm verlangen würde. Dabei meint sie es gar nicht so. Aber wie sagt man so etwas, ohne den anderen zu verletzen, ohne ihm das Gefühl zu geben, er könne sowieso keinem wirklich gerecht werden?

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