Das Duell: Essen vorm Fernseher:Ohne Glotze ess ich nicht

Lesezeit: 3 min

Selbstgekochtes Essen schmeckt köstlich, wenn dazu ein gutes Gespräch auf den Tisch kommt. Noch besser schmeckt es aber vor dem Fernseher - oder doch nicht? Ein Stil-Duell.

Violetta Simon und Ulrike Bretz

Ulrike Bretz meint: Glotze an! Wer zum Essen den Fernseher anschaltet, erhöht das Glücksgefühl - das ist wissenschaftlich erwiesen.

Essen vor der Glotze; Fernsehen beim Essen, Stil-Duell, Eine Frage des Stils; Photocase

Wer sich nichts mehr zu sagen hat, kann beim Essen auch genauso gut fernsehen? Falsch. Essen und gleichzeitig fernsehen kann doppelten Spaß bringen.

(Foto: Foto: iStockphoto)

Ein Abend nach einem langen Arbeitstag. Man hat gemeinsam gekocht, das Essen duftet. Mann und Frau lächeln sich an, nehmen die Teller, gehen zum Tisch, gehen daran vorbei - und setzten sich aufs Sofa. Dann der Griff zur Fernbedienung: Glotze an.

Für viele Menschen ist Essen vorm Fernseher Enspannung pur. Nicht nur, wenn man alleine ist. Sondern auch als Paar. Nur traut sich keiner, das laut zu sagen. Aus lauter Einsamkeit auf den Schalter zu drücken und den Hunger mit einer Tiefkühlpizza zu stillen - dagegen hat ja keiner was. Doch kein in einer Beziehung lebender Mensch würde zugeben, beim Essen nicht verliebt auf den lukullischen Reigen aus Tomaten, Karotten und Nudeln auf dem Teller oder tief in die Augen des Gegenübers, sondern auf den flimmernden Bildschirm zu starren.

Zeit, mit dem Heucheln aufzuhören!

Dabei gibt es keinen Grund zur Scham: Das Marktforschungsinstitut Human Link hat herausgefunden, dass das Konsumieren ganzer Mahlzeiten vor dem Fernseher für 77 Prozent der Deutschen ganz normal ist - aber nur 15 Prozent findet das Essen vor der Glotze akzeptabel. Zeit, mit dem Heucheln aufzuhören.

Denn jeder hat das doch schon erlebt: Manchmal will man einfach nur seine Ruhe. Keine Fragen stellen. Und keine Antworten hören. Es hat schon einen Grund, dass so viele Familienstreitereien am Esstisch ausgetragen werden.

Das mag mancher als bemitleidenswert empfinden - aber in welcher langjährigen Beziehung erklärt man sich noch jeden Tag, wie man die Welt sieht? Und wer sagt, dass man sich bei einer Diskussion besser auf das Gekochte konzentrieren und es genießen kann, als bei der Stimme von Frank Plasberg?

Fernsehen beim Essen heißt ja nicht, aneinander vorbei zu leben. Die Italiener machen es doch vor - dort läuft der Fernseher in der Küche zu jeder Tageszeit, nebenbei wird lautstark diskutiert. Wir eifern doch sonst so gern der südlichen Lebensart nach. Warum also nicht auch bei diesem Thema?

Wer behauptet, dass Essen in Verbindung mit Fernsehen so richtig entspannt, hat die Wissenschaft auf seiner Seite: Beim Fernsehen werden erwiesenermaßen Glückshormone ausgeschüttet. Beim Essen auch. Essen vor der Glotze ist, rein wissenschaftlich gesehen, also doppeltes Glück - egal, ob alleine oder zu zweit.

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