Cannabis-Clubs in Barcelona:Die meisten Kiffer sind männlich

"Riechst du etwa was?", fragt Andrés, ein mexikanischer Mitarbeiter des Clubs, "ist doch wie in einer Bar - familiär, gesellig, normal, nicht wahr? Es könnte etwas mehr Mädchen vertragen - pero bueno." Andrés sitzt an einer Theke im Bürobereich, dem Herz des Vereins. Maximal zwei Gramm pro Tag und Mitglied gibt er heraus. Von jedem weiß er, was er mag, wie viel er konsumiert. Er preist auch schon mal eine neue Varietät an, von der er glaubt, sie könnte gefallen.

Auf einem Bildschirm bei der Theke steht das aktuelle Angebot: "Kali Mist" soll besonders beliebt sein. Und "Green Poison - Relax, Noche", das grüne Gift eignet sich offenbar für eine sanfte Nachtruhe. Auch "Big Foot" hört sich irgendwie kurios bewusstseinsverändernd an. La Maca beschäftigt sechs Anbauer in Katalonien, denen der Verein ein fixes Salär auszahlt, damit sie ihre Arbeit nicht am Preis des Cannabis orientieren, am Business. Denn das dürfen sie nicht.

Bei mehr als 30 Gramm droht eine Geldbuße

Andrés weist jetzt einen jungen Mann ab, der sich etwas kaufen will. Er kam zwar mit einem anderen jungen Mann, der schon Mitglied ist, wie das die Regeln vorschreiben. Er beteuerte auch, dass er schon geraucht habe, noch so eine Regel, um der Initiierung vorzubeugen. Doch einen Ausweis hat er nicht dabei. Wahrscheinlich ist er noch keine 18. Dann kommt ein Paar mit langen Rastalocken. Er zahlt, sie öffnet den obersten Knopf ihrer viel zu kurzen Hose, packt das kleine Bündel in die Unterwäsche, knöpft die Hose wieder zu, dann verlassen sie den Club. "Wenn sie draußen in eine Kontrolle geraten, geht uns das nichts mehr an", sagt Andrés. Draußen, am Straßeneck. Eben noch standen da vier Polizisten. Vielleicht machten sie nur Verkehrskontrollen.

Wer mit mehr als 30 Gramm erwischt wird, dem droht eine Buße - 300, 500, 700 Euro. Auch das ist das Gesetz: Die Spanier dürfen zwar für den Eigenbedarf Hanf anbauen, zu Hause im Garten oder in Minitreibhäusern, dürfen ihn von Vereinen für sich produzieren lassen und in Clubs konsumieren. Doch Gras bei sich zu tragen, das geht nicht, damit handeln sowieso nicht. Auch Rauchen im Freien ist untersagt, obschon das natürlich alle tun - unten am Meer, im Stadion, in den Parks.

Gesetzliche Grauzonen

Da vermischt sich Legales, Geduldetes und Illegales in einem großen Durcheinander, in einer gesetzlichen Grauzone. Während der spanischen Rezession war jede Aktivität mit etwas Erfolgschancen willkommen. Da wuchs die Branche so schnell und unkontrolliert, dass sich die katalanischen Politiker nun vor ihrer eigenen, sprichwörtlichen Toleranz fürchten.

Die Grauzone hat eben auch schwarze Schafe angezogen. Clubs, die dealen, die Touristen anlocken. Im Sommer wurden 45 Vereine geschlossen, auch einer der größten: Airam, 16 000 Mitglieder. "Die Schuld trägt die Politik", sagt Jaume Xaus, der Vorsitzende des Verbands der katalanischen Cannabisvereine, dem 40 Clubs angehören, "sie hat es versäumt, die Branche rechtzeitig zu regulieren." Nun gebe es einfach alles, auch Unschönes. Xaus sorgt sich ums Image: "Diese Vergleiche mit Amsterdam schaden uns. Wir haben unser eigenes Modell, unsere Kultur, sie ist über viele Jahre gereift."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB