Berliner Edelclub "Soho House":Mitglieder mit der richtigen "DNA"

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Doch das ist kompliziert: Zunächst einmal braucht es zwei Mitglieder, die bestätigen, dass der Bewerber die richtige "DNA" hat. So nennen sie das hier: die "Soho-DNA". Wer rein will, muss entspannt sein, lässig, und natürlich kreativ. Und weil ja jeder behaupten kann, dass er kreativ ist, schadet es nicht, wenn der eigene Name schon mal im Abspann eines Kinofilms gelaufen ist. Um sicher zu gehen, gibt es einen Fragebogen: Welche Branche? Welche Position? Schließlich tagt alle drei Monate ein Komitee: 40 Freunde des Hauses schauen die Bewerbungen durch. Dann heben sie den Daumen - oder senken ihn.

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Bücher für die Elite: Nachdem sich der Clubbesucher überall gezeigt hat, kann er sich in der Bibliothek des Soho Clubs entspannen.

(Foto: gregor hohenberg)

Die Mitglieder nehmen das alles ziemlich ernst, auch den Dresscode. Krawatten sind verpönt, dafür ist das Soho bekannt. Alex zum Beispiel hat alles richtig gemacht: weites Shirt, lockere Jeans, sehr casual. Und entspannt kommt er auch rüber, wie er da am Pool sitzt, beide Arme auf den Lehnen seines Stuhls. Alex, von Beruf DJ, ist anfangs auch skeptisch gewesen, als ihn seine Freundin hierher geschleppt hat. Jetzt findet er es ganz gemütlich. "Das Soho ist mein zweites Wohnzimmer", sagt er, "ich habe viele Freunde gefunden." Das mit dem Wohnzimmer sagen sie alle, wie sie auch alle eine Erklärung dafür haben, warum der Club nach gut einem Jahr schon mehr als 2000 Mitglieder hat - und warum selbst die Warteliste lang ist. "Weil Berlin langsam erwachsen wird", sagt Martin. "Weil Berlin genug Platz für alle Arten von Clubs hat", sagt Alex. "Weil halt nicht jeder rein darf", sagt Sarah.

Sarah arbeitet bei einer PR-Agentur, und deshalb weiß sie, wie man eine Marke interessant macht. Sprecherin Heide Prött weiß das ebenfalls, deshalb lächelt sie nur auf die Frage, wer denn alles Mitglied ist im Soho. "Kein Kommentar", antwortet sie. Und wer wurde abgewiesen? "Kein Kommentar." Nur so viel: Die Jungs, die unten in der Lobby standen und meinten, sie könnten sich mit einer Kiste Roederer einkaufen, die bleiben auch in Zukunft draußen. Geld zählt nicht, das ist die Botschaft. Die Mitglieder haben es natürlich trotzdem, auch wenn der Beitrag nicht viel teurer ist als zum Beispiel bei einem exklusiveren Fitness-Studio: 900 Euro kostet die Mitgliedschaft pro Jahr, 1200 Euro, wenn man auch Einlass in die Filialen in London, New York, Miami oder Hollywood will.

Die Gäste dürfen dafür nicht nur in den Pool und an die Bar, ins Restaurant und auf die Terrasse. Im Soho House gibt es auch ein Spa, ein Fitnesscenter, mehrere Partyräume, die man mieten kann, Hotelzimmer und ein Privatkino mit 30 Plätzen. Neben dem Kino im Keller liegt außerdem die Bibliothek. In den dunklen Holzregalen stehen ein paar Kunstbände herum, Pierre hat es aber gar nicht auf die Bücher, sondern auf die Leinwand abgesehen: Es läuft Fußball.

Pierre ist Anfang 20 und an diesem Tag zum ersten Mal im Soho, ein Freund hat ihn mitgenommen. Jedes Mitglied darf bis zu drei Gäste pro Tag in den Club bringen, um ihnen mal alles zu zeigen. Pierre hat schon genug gesehen, deshalb fläzt er jetzt in der ruhigen Bibliothek auf einem roten Sessel. "Mir ist das zu anstrengend geworden, das ganze Händeschütteln", sagt er. Die kleine braune Karte wird er wohl nicht beantragen, aber das ist in Ordnung. "Wer nicht will, passt auch nicht rein", sagt Prött. Ein Wiener oben in der Lounge, ebenfalls zum ersten Mal hier, würde scheinbar schon ganz gern dazu gehören. "Recht schwierig, Mitglied zu werden, hm?", sagt er zu einer Blondine. "Das ist das Prinzip", sagt die junge Frau und dreht sich um.

Nur einmal hat das Prinzip nicht so richtig funktioniert, ausgerechnet am Tag der Eröffnung. Da war es fast schwieriger, wieder rauszukommen, als reingelassen zu werden. Mitten in der Nacht sind damals die Aufzüge ausgefallen.

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