Zum Tod von Walter Giller Ehrenwerter Witzbold und Schelm vom Dienst

Bei ihm hatten selbst Witzfiguren Fallhöhe: Walter Giller war der komische Gentleman des deutschen Films. Er war ein Pionier und er zelebrierte die hohe Fähigkeit des Lustigen. Walter Giller verstarb im Alter von 84 Jahren.

Ein Nachruf von Harald Hordych

Walter Giller war wohl der erste gutaussehende Mann des deutschen Nachkriegsfilms, der sich entschlossen zur komischen Figur machte. Geschadet hat ihm das nicht.

Walter Giller

(Foto: DPA)

Heinz Rühmann war klein, Theo Lingen war dürr, Heinz Erhardt war glatzköpfig sowie ausreichend dick und der schöne Peter Alexander war Österreicher. Giller war all dies nicht, er war vielmehr schlank, groß, dunkelhaarig und hatte, wenn er nicht gerade aufgeregt oder verwirrt war, markante, feine Gesichtszüge. Diese komfortable Grundausstattung prädestinierte ihn für das Rollenfach des juvenilen Liebhabers und zurückhaltenden Idealisten; etwas vom Feinen und Guten des jungen James Stewart oder danach des jungen Gregory Peck steckte auch in Walter Giller.

Aber Giller fühlte sich am stärksten zur Komik hingezogen beziehungsweise er wusste wohl sehr genau, dass man nicht zwingend klein, dürr oder dick sein muss, um die gleichen Macken und Eigenarten wie Rühmann, Lingen und Erhardt einzusetzen. Stottern und Stammeln fiel ihm leicht, er konnte herrlich unbeholfen mit den Armen schlenkern, und wenn auf komischem Gebiet gar nichts mehr ging, näselte und diskantierte er nach Herzenslust.

Sehr smart und ein bisschen doof: Gillers Figuren hatten durch seine Erscheinung Fallhöhe. Und die konnte er ausspielen. So gesehen war Giller ein deutscher Pionier jener Komik der späten 60er und 70er Jahre, als gut aussehende Burschen wie Peter Sellers oder Ryan O'Neal ("Is was, Doc?") eine rundum unglückliche, aber zu Herzen gehende Komik ausstrahlten. Männlich, überfordert, hilflos und sehr harmlos. Mit solchen Kerlchen hinter den Zinnen verlor die Trutzburg Männlichkeit ihre Schrecken.

Giller wurde 1927 in Recklinghausen als Sohn eines Zahnarztes geboren, er wuchs in Hamburg auf. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte der Gymnasiast als Flakhelfer. Nach dem Abitur entschied er sich gegen das Medizinstudium und für das Theater. Zunächst arbeitete er als Requisiteur und Regieassistent. Aber rasch wechselte er die Seiten, es zog ihn auf die Bühne.

Nach privatem Schauspielunterricht wurde er in ersten kleinen Rollen an den Hamburger Kammerspielen eingesetzt. Aber der Film, später das Fernsehen wurden Gillers Medium, sicherlich, weil hier seine präzis ausgespielten kleinen Eigenarten besser zur Geltung kamen. Das Wort Charakterkomiker wirkt, als sei es für ihn erfunden worden: nicht mehr der äußerliche Makel, sondern die Person ist ein Spektakel.

Am feinsten führte Walter Giller 1959 in Wolfgang Staudtes "Rosen für den Staatsanwalt" diese hohe Fähigkeit des Lustigen vor, das nicht des Klamauks bedarf, in der Rolle des vom Krieg und Nachkrieg gebeutelten Rudi Kleinschmidt.