Zum Tod des schwedischen Autors Henning Mankells wichtigste Werke

Was hat der verstorbene Krimiautor Henning Mankell mit Tatort-Kommissar Borowski (hier eine Szene aus "Borowski und der vierte Mann") zu tun? Lesen Sie selbst.

(Foto: NDR/Marion von der Mehden)

Henning Mankell wird mit Kommissar Wallander in Erinnerung bleiben. Und auch der "Tatort" verdankt dem Schweden spannende Episoden.

Von Johanna Bruckner und Carolin Gasteiger

Wallander-Reihe

Wer an Henning Mankell denkt, dem fällt sofort ein weiterer Name ein: Kurt Wallander. Der Kommissar ist die prominenteste Figur des schwedische Krimiautors. In zehn Büchern ließ Mankell seinen Polizisten aus dem südschwedischen Ystad ermitteln. Fast alle Folgen der Reihe wurden verfilmt, teilweise mehrfach. Wallanders Fälle sind immer hart und brutal, doch oft angelehnt an die Wirklichkeit: Im ersten und auch im letzten Roman der Reihe dienten Mankell reale Kriminalfälle als Vorlage. In "Mörder ohne Gesicht" (1991) wird ein altes Ehepaar auf einem Bauernhof brutal ermordet. Bevor die Frau im Krankenhaus stirbt, flüstert sie Wallander noch zu: "Ausländer, Ausländer." In "Der Feind im Schatten" aus dem Jahr 2009 hat es der Kommissar mit einer Serie von Brandstiftungen zu tun.

"Er war ein großartiger Mensch"

Mit seinen Wallander-Krimis wurde Henning Mankell berühmt. Nun ist der schwedische Schriftsteller im Alter von 67 Jahren gestorben - und seine Heimat tief getroffen. mehr ...

Auch sonst nahm sich Mankell mit Vorliebe Themen vor, die nicht nur den heimischen Lesern wehtaten: Zuwanderung und Fremdenhass ("Mörder ohne Gesicht"), Polizeikorruption ("Hunde von Riga", 1992), häusliche Gewalt gegen Frauen ("Die fünfte Frau", 1996), die Gefahren der Digitalisierung ("Die Brandmauer", 1997) oder religiöser Fanatismus ("Vor dem Frost", 2002). Viele Wallander-Bücher sind düster bis deprimierend, selten gönnte Mankell seinen Figuren ein Happy End. Allen voran war Kommissar Wallander selbst arg geplagt: Scheidung, Depression, Alkoholismus, diverse gescheiterte Liebschaften - und ganz am Ende Alzheimer. Ja, Hennig Mankell galt nicht umsonst als einer der populärsten Vertreter der düsteren skandinavischen Kriminalliteratur.

Der Chronist der Winde (1995)

Der "Chronist der Winde" ist ein afrikanischer Bäcker, der von den Straßenkindern in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, erzählt. Besonders vom elfjährigen Nelio, den er angeschossen auf der Bühne eines Theaters gefunden hat und auf dem Dach bis zu seinem Tod pflegt. Neun Tage lang erzählt Nelio dem Bäcker seine Geschichte, stets in dem Wissen, dass er sterben wird, sobald die Geschichte vorbei ist. Mit diesem berührenden Roman zeigt Mankell, dass er nicht nur das Krimigenre beherrscht, sondern es auch versteht, politische Anliegen in feinste Prosa zu verpacken.

Die Rückkehr des Tanzlehrers (2000)

Mankell bleibt sich in "Die Rückkehr des Tanzlehrers" treu - auch wenn der Protagonist nicht Kurt Wallander, sondern Stefan Lindman heißt. Der ist ebenfalls Polizist in Südschweden und hat auch so seine Probleme. Gleich zu Beginn des Buches erhält er die Diagnose Krebs. Wirklich mit seiner Krankheit auseinandersetzen kann sich Lindman aber nicht, denn in der Zeitung entdeckt er die Meldung über den bestialischen Mord an seinem früheren Kollegen Herbert Molin: Der 80-Jährige wurde zu Tode gepeitscht. Also reist der Ermittler, der eigentlich krankgeschrieben ist, nach Nordschweden und nimmt die Ermittlungen auf. Ein Motiv scheint schnell gefunden: Herbert Molin war nicht nur als junger Mann bei der Waffen-SS - sondern auch bis zuletzt noch überzeugter Nazi.

Für seine Darstellung des Stefan Lindman in der Verfilmung des Mankell-Romans erhielt Tobias Moretti 2004 den Deutschen Fernsehpreis.

Kennedys Hirn (2005)

"Kennedys Hirn" ist eines der Werke, in denen sich Mankell mit seiner Wahlheimat Afrika befasst. Die Archäologin Louise Cantor versucht, den angeblichen Selbstmord ihres Sohnes Hendrik aufzuklären. Hendrik arbeitete als Journalist und war offenbar an einer großen Geschichte dran. Die Spuren führen sie erst nach Südafrika, anschließend nach Mosambik und in eine Klinik, in der Aids-Kranke behandelt werden. Aber hinter der ärztlichen Versorgung stecken Geldgier, Macht und Korruption - und Mankell webt in die Detektivgeschichte eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik.

Der Roman wurde 2010 mit Iris Berben in der Hauptrolle verfilmt.

Der Chinese (2008)

Der Titel ist hier Programm: In einem kleinen schwedischen Dorf werden 18 Menschen abgeschlachtet, darunter die Adoptiveltern der Richterin Birgitta Roslin. Die Juristin misstraut den Ermittlungen der Polizei und begibt sich selbst auf Spurensuche, die sie bald nach China führt. "Der Chinese" ist nicht nur Krimi, sondern vor allem auch Politthriller - ein Genrewechsel, der die Kritiker nicht überzeugte. So schrieb Martin Bauer in der SZ: "Um die Apokalypse abzuwenden und dem Egoismus der Individuen zu trotzen, plädiert Henning Mankells globalisierungskritisches Manifest für einen Pakt mit dem kältesten Ungeheuer der Moderne, dem Staat. 'Der Chinese' ist ein unheimliches Buch."

Treibsand - was es heißt, ein Mensch zu sein (2015)

Mit "Treibsand - was es heißt, ein Mensch zu sein" hat Henning Mankell sein persönlichstes Werk verfasst. Das Buch war schon fast fertig, als im vergangenen Jahr die Diagnose kam: Krebs. Mankell schrieb es daraufhin noch einmal um, sprach nun auch über seine Angst und das Leben mit der Krankheit. Seine Krebserkrankung thematisierte Mankell auch in seiner Kolumne für die Zeitung Göteborgs Posten.

In "Treibsand" beschäftigt er sich in einzelnen Texten mit Tod und Vergänglichkeit und führt Gespräche mit den Toten, wie er in einem Interview in der Welt bekannte. Mankell übertrug die Fragen nach dem Sinn des Lebens dann auch aufs große Ganze. Wie gehen wir alle mit der Erde um, was wird vergehen - und was bleibt? Auf untypische Weise hat Mankell darin eine Art Nachruf auf sich selbst geschrieben.

Tatorte mit Borowski

Für zwei Tatorte mit dem Charakterkopf aus Kiel lieferte Mankell die Idee: In "Borowski und der vierte Mann" (2010) hat es der Ermittler mit abgetrennten Körperteilen und einer mysteriösen Jagdgesellschaft zu tun. In "Borowski und der coole Hund" (2011) muss der Kommissar mit einem Kollegen aus Schweden zusammenarbeiten, um seinen Fall zu lösen: Beim Sprung in einen Badesee wird ein Mann von Bambuspfählen aufgespießt. Die skurrilen Tötungsarten tragen unverkennbar die Handschrift des Schweden - und weitere Mankell-Plots sollten folgen. Der NDR verkündete, es gebe Skizzen des Autors für zwei weitere Borowski-Tatorte. Gut möglich also, dass Henning Mankell allen Krimifans auch nach seinem Tod erhalten bleibt. Im TV.

Ihre Gedanken zum Tod von Henning Mankell

Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Berühmt wurde er vor allem mit seinen Krimis über den brummigen Kommissar Kurt Wallander. Außerdem engagierte er sich gegen Armut und Analphabetismus in Afrika. mehr ... Ihr Forum