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Youtube-Essays über Marvel:"Mit dem Charme eines leeren Parkplatzes"

Captain America Civil War

Tolle Szene, allerdings farblich inszeniert "wie trüber Beton", meint Fankritiker Patrick Willems.

(Foto: Walt Disney Company)

Blasse Farben, lahmer Sound: Marvel-Fans analysieren auf Youtube die Machart der Comicverfilmungen - und sind dabei unerwartet kritisch.

Mit welcher Kamera wurde eigentlich der neueste Film aus dem Hause Marvel gedreht, "Guardians of the Galaxy 2", der gerade seinen Siegeszug an den Kinokassen angetreten hat? Wer das nicht weiß, sollte sich schleunigst auf den Youtube-Kanal von Patrick Willems begeben, einem Fan, der sich in einem Videoessay mit einer der großen Fragen unserer Zeit auseinandersetzt: "Why Do Marvel's Movies Look Kind of Ugly?" Das Video zum Thema "Scheußliches Aussehen von Marvelfilmen" ist einer von vielen Youtube-Versuchen, das Marvel Cinematic Universe zu analysieren und zu verbessern.

Der Fan Patrick Willems stellt Ausschnitte zusammen, vergleicht und kommentiert sie. Und zeigt so, wo das Problem liegt. Seine These ist, dass sie alle gleich aussehen, "wie trüber Beton". Ursache des Problems sei die Farbtextur; die Töne sind blass, niemals satt, kontrastarm. Willems hat etwa den Showdown auf dem Leipziger Flughafen aus "Captain America Civil Wars" ausgewählt. "Eine tolle Szene", meint er lakonisch, "aber mit dem Charme eines leeren Parkplatzes".

Inmitten einer anderen Szene aus einem "Iron Man"-Film, hält er das Bild an und hebt mit einem Bildbearbeitungsprogramm ein wenig die Kontraste an. Sieht schon viel besser aus. Willems zufolge mangele es Marvel-Filmen an echten Schwarztönen, die satte Farbwerte überhaupt erst definieren. Wo Schwarz sein sollte, herrscht bei Marvel Dunkelgrau.

Warum dreht ihr nicht auf richtigem Film?

Woran liegt es, dass Marvel auf die vibrierenden Farben anderer Blockbuster verzichtet? Sicher nicht, wie Willems meint, an den hervorragenden Kameramännern. Dann schon eher an den Kameras. Willems erklärt, welche Filme mit welchen Kameras gemacht wurden. Für "Guardian of the Galaxy 2" sieht er daher gute Chancen, seinen Ansprüchen an Farbqualität zu genügen. Da drehe das Studio nämlich erstmals mit einer Kamera der Firma Red, die ihre Vorzüge im Kontrastbereich schon in anderen Filmen unter Beweis gestellt hat.

Bei aller Kritik ist Willems trotzdem großer Marvel-Fan. Indem er mit dem geliebten Material spielt, demonstriert er, wie die Superheldenfilme noch besser aussehen könnten. Der Fan konsumiert nicht einfach, er will die Filme mit seiner Schnittsoftware weiter verbessern. Am Ende kann er sich den Ratschlag nicht verkneifen: Freunde, ihr habt so viel Geld, warum dreht ihr digital und nicht einfach auf richtigem Film? Ist zwar teurer, sieht aber einfach am besten aus.