Virale Subversion Die Eule in uns

"Planking", "Coning" und jetzt "Owling": jedem Unsinn seine Fans. Erst verwandelten sich die Menschen in lebende Bretter, dann malträtierten sie das Waffeleis und jetzt gibt es plötzlich nichts mehr Schöneres, als zur Eule zu mutieren - das Internet gebiert ständig neue Massenhysterien. Was kommt als Nächstes?

Von Paul Katzenberger

Was bleibt vom Sommer 2011? Wird er eingehen in die Geschichte als jene Epoche, in der die Finanzprobleme Griechenlands den Euro ruinierten oder die USA ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten? Bei Historikern vielleicht schon. Der Rest von uns dürfte sich aber vielmehr daran erinnern, dass in diesem Jahr erstmals völlig sinnfreie virale Trends durch das Internet zu globalen Massenphänomenen wurden.

Kaum zu toppen: "Owling" unter Wasser - gesehen bei blognewz.de.

(Foto: blognewz.de)

Es ging los mit "Planking": Junge Mitbürger verwandelten sich weltweit an öffentlichen Orten wie etwa Behindertentoiletten zu stocksteifen Brettern und stellten Fotos davon ins Internet. Das "Planken", das sich vom englischen "Planking" (von "plank": Planke, Brett) herleitet, entstand vor knapp 15 Jahren in England unter dem Begriff "The lying down game". Aber erst durch eine Facebookseite entwickelte es sich ab 2009 zu einer echten Massenerscheinung.

In Deutschland wurde "Planking" noch deutlich später populär, nachdem es sich in Australien zu einer halben Volksbewegung entwickelt hatte (Planking-Bilder hier). Diese Form der globalen Verbreitung könnte sich nun mit neuen Massenticks wiederholen. In den USA ist inzwischen das "Owling", also das "Eulen" der neueste Schrei: Menschen posieren dabei an originellen Orten wie auf Hausdächern, auf Brunnen oder sogar unter Wasser in der Haltung des nachtaktiven Vogels.

Jugendmode Planking

Steife Gesellschaft