Jugendmode Planking:Steife Gesellschaft

Junge Mitbürger liegen steif wie ein Brett an öffentlichen Orten - und stellen Fotos davon ins Netz. Kunst? Quatsch? Dadaismus? In Australien ein Massenphänomen, ist die Jugendmode "Planking" nun auch in Deutschland angekommen. Die Bilder.

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Junge Mitbürger liegen steif wie ein Brett an öffentlichen Orten - und stellen Fotos davon ins Netz. Was soll das? In Australien ein Massenphänomen, ist die Jugendmode "Planking" nun auch in Deutschland angekommen. Die Bilder.

Auf den ersten Blick weiß man nicht recht, was das sein soll. Eine Fotomontage vielleicht? Eine lebende Installation? Zwei junge Männer liegen auf einer Behindertentoilette, der eine mit dem Bauch auf dem Klodeckel, der andere über ihm, mit den Oberschenkeln und der Brust auf den Haltegriffen. Beide haben die Arme an die Seite gepresst und alle Muskeln angespannt. Kerzengerade liegen sie in der Luft, wie zwei menschliche Bretter.

Text: Marc Felix Serrao/SZ vom 9.6.2011/sueddeutsche.de/rus

Alle Fotos: oH

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"Schön die Behindertentoilette geplankt", steht über dem Foto, das die beiden 20-jährigen Studenten aus München Anfang dieser Woche im Online-Netzwerk Facebook hochgeladen haben. Das etwas holprig eingedeutschte Verb stammt vom englischen "Planking" (von "plank": Planke, Brett). Was das genau ist, lässt sich nicht so leicht beantworten, ein Zwischending aus Sport, Jugendmode und Dadaismus.

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Menschen, meist jüngere, legen sich beim Planking mit dem Kopf nach unten und brettsteif an meist öffentliche Orte. Anschließend stellen sie Bilder von den Aktionen ins Netz. In Australien und Neuseeland ist das Ganze inzwischen ein echtes Massenphänomen. Vor kurzem kursierte ein Foto vom Sohn des neuseeländischen Premiers John Key im Internet, das ihn regungslos und kerzengerade auf dem heimischen Sofa zeigte, im Hintergrund der Vater. Max Key, 16, wurde daraufhin Ende Mai in seiner Heimat der Titel des "Top Planker" verliehen. Seitdem es bei besonders riskanten Versuchen (auf fahrenden Autos oder Balkonbrüstungen) zu Unfällen und auch zu einem Todesfall kam, wird dort allerdings auch über ein Verbot diskutiert, zumindest an Schulen - wie auch immer das aussehen soll.

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Wenn in deutschen Medien übers Planking berichtet wurde, dann meist mit einer Mischung aus Unverständnis und Entgeisterung ("er starb für ein doofes Foto"). Ein schräges, aber fernes Kuriosum, so der Tenor. Dabei ist Planking längst auch in deutschen Städten angekommen. Die Facebook-Gruppe "Planking Germany" hat seit Mitte dieser Woche mehr als 5000 Mitglieder, jede Stunde wächst die Flut der Bilder. Geplankt wird dabei fast überall, auf dem eigenen Rennrad, vorm Brandenburger Tor, sogar zwischen den Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin.

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Worin liegt der Reiz? Dennis, der Student aus München, der mit einem Freund die Behindertentoilette fürs Foto okkupiert hat, gibt zu, dass Planking für Außenstehende erst mal wie "ziemlicher Quatsch" aussieht. Vor ein paar Wochen hat er zum ersten Mal davon gehört, es dann "aus Jux" probiert - und ist dabeigeblieben. "Wenn man den Dreh ein bisschen raus hat, reizen einen immer schwierigere Objekte", sagt er. Dazu komme der künstlerische Aspekt; der Wunsch, das "einzigartige Fotos zu schießen".

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Klingt wild. Es gibt aber auch Regeln, die befolgen muss, wer aus Sicht der Szene ein vollgültiger Planker sein will: von der richtigen Mimik ("ausdruckslos") bis zur korrekten Stellung der Beine, die voll durchgestreckt sein müssen.

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Wenn man Planking vergleichen will, dann vielleicht am ehesten mit der frühen (noch nicht vom Marketing eroberten) Form des Flashmobs. Oder mit der inzwischen zehn Jahre alten Sportart Parkour, bei der städtische Hindernisse wie Mauern, Poller oder Treppen durch akrobatische Kletter- und Sprungmanöver überwunden werden.

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Allen drei Phänomenen liegt ein sachfremder, in den besten Fällen subversiver Umgang mit Einrichtungen des öffentlichen Lebens zugrunde. Und sie verstören, zumindest in der Anfangsphase, jeden Passanten, der zufällig Zeuge wird und sich fragt, was in aller Welt er da gerade sieht.

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Der 20-jährige Planker Dennis aus München hofft jedenfalls, dass sein neues Hobby in Deutschland möglichst viele Anhänger findet: "Größere Planking-Aktionen wären auf jeden Fall genial."

© SZ vom 9.6.20117sueddeutsche.de/rus
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