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Schäden in Venedig:Nach dem Hochwasser

Venedig - Drei Monate nach verheerendem Hochwasser

Hochwasserschäden: Allein für öffentliche Gebäude und Einrichtungen braucht Venedig 360 Millionen Euro.

(Foto: dpa)

Venedig braucht wenigstens 360 Millionen Euro, um die Schäden des extremen Hochwassers vom November 2019 zu beseitigen. Und das ist erst der Anfang.

Vor drei Monaten, am 12. November, wurde Venedig von einem extremen Hochwasser überschwemmt, dessen Pegel einen Stand von 1,87 Metern über Normalnull erreichte. Jetzt werden, wie die Zeitschrift Il Giornale dell'Arte meldet, allmählich erste halbwegs verlässliche Schätzungen zur Höhe der Schäden bekannt. Demnach werden für die Sanierung von Pfeilern, Brücken, Mauern, Böden, Gehsteigen, Beleuchtungskörpern und dergleichen mindestens 360 Millionen Euro aufgewendet werden müssen, und zwar allein für öffentliche Gebäude und Einrichtungen einschließlich der staatlichen und kommunalen Museen.

Allein die dringendsten Arbeiten werden neunzig Millionen Euro verschlingen. Die zwanzig Millionen Euro, die der Kommune zur Verfügung stehen, nachdem die italienische Regierung die Stadt zu einem Notstandsgebiet erklärt hatte, werden also nicht weit reichen. Hinzu kommen die bislang etwa neuntausend Anträge auf Entschädigung, die von Bürgern der Stadt eingereicht wurden, nachdem die Kommune erklärt hatte, auch Schäden an Privatbesitz kompensieren zu wollen, wobei jeder Bürger zunächst einen Anspruch auf fünftausend Euro und jedes Unternehmen einen Anspruch auf zwanzigtausend Euro erheben darf. Die entsprechende Summe beläuft sich insgesamt auf zunächst etwa 75 Millionen Euro.

Unterdessen scheinen immer mehr Touristen die Stadt aufzugeben

Und auch damit ist ein Ende noch nicht erreicht: Die Sanierung der Innenräume des Markusdoms, unter anderem der Säulensockel, der Mosaikböden und einiger Skulpturen, wird mindestens drei Millionen Euro kosten. Noch einmal knapp eine Million werden für eine teilweise Neueindeckung der Kuppel aufgewendet werden müssen. Zugleich sind, im historischen Zentrum der Stadt wie an anderen Orten der Lagune, mehr als achtzig Kirchen und kirchliche Einrichtungen beschädigt worden, vom Glockenturm der Kirche San Donato auf Murano bis zum Mosaikfußboden der Kirche auf Torcello. Es werde mindestens 1,5 Millionen Euro kosten, bis man überhaupt wieder Gottesdienste in den betroffenen Häusern abhalten könne, teilte die Kirchenverwaltung mit.

Unterdessen scheinen immer mehr Touristen Venedig aufzugeben: Die Hotelbuchungen für die gerade begonnene Karnevalssaison lägen deutlich unter denen des Vorjahrs, meldet die Lokalpresse, wobei zugleich die Preise für die Zimmer sänken. Gegenwärtig sei es möglich, ein Zimmer für fünfzig Euro pro Nacht zu bekommen. Der Niedergang habe bereits unmittelbar nach dem Hochwasser begonnen und sich durch die Furcht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus verstärkt.

© SZ vom 10.02.2020/cag
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