TV-Kritik: Boris-Becker-Hochzeit Blau blüht der Enzian

Heino heiratet Barbara Feltus vor Alpen-Panorama - oder was war da sonst los mit Boris Becker und RTL? Eine kleine Nachtkritik.

Von Ruth Schneeberger

Boris Becker hat geheiratet. Normalerweise wäre so etwas eine Kurzmeldung in den Agenturnachrichten. Nicht so bei RTL. Hier sind andere Zeiten der Berichterstattung angebrochen.

Süßer die Glocken nie klingen: Lilly und Boris Becker nach getaner Medien-Arbeit, sichtlich erschöpft - aber endlich ein Ehepaar.

(Foto: Foto: ddp)

Es gibt inzwischen, im Moment noch vornehmlich bei den Privatsendern, Sendungen, die allein daraus bestehen, fragwürdige Vorbilder dabei zu filmen, wie sie, wie Max Goldt schreiben würde, seitlich an der Kamera vorbeigehen. "Red!" auf Pro Sieben etwa hat während der wochenlangen Ausstrahlung von "Germany's Next Topmodel" (GNT) keine andere Aufgabe als das Umzieh-Rundum der Umzieh-Show zu sein. Da wird sinnfrei wiedergekäut, was die Kandidatinnen vor, während und nach der Show zueinander gesagt und wie sie miteinander agiert hatten. Jegliche Story-Line erweist sich als überflüssig, von einer Aussage ganz zu schweigen.

Ähnliches hat "Extra" auf RTL übernommen: Einst als Reportage-Format und Darstellungsform für Birgit Schrowange gestartet, wird nun Til Schweigers Show "Mission Hollywood", das peinliche RTL-Pendant zu GNT, zerebral und völlig unkritisch "aufbereitet".

Da ist die Hochzeit von Boris Becker und seiner Lilly bislang nur der traurige Höhepunkt. Kann mal bitte jemand an geeigneter Stelle den Senderverantwortlichen erklären, dass das Backstage-Gehampel von Promis noch kein abendfüllendes Programm ist?

Wieviel RTL dem "Traumpaar" für die exklusive Verwertung seiner Hochzeit gezahlt haben mag, will man gar nicht wissen. Man bekommt eine Ahnung davon, wenn man die einstündige Sendung sieht: Wie "weltexklusiv" diese einzigartigen Bilder seien und dass die Konkurrenz-Kameras draußen bleiben müssen, wird die bedeutungsgeschwängerte Stimme aus dem Off nicht müde, zu betonen.

Ausgestrahlt wird erst zwei Tage nach der Hochzeit, schließlich müssen die Bilder noch auf Einzigartigkeit getrimmt werden. Das Material will schnittig zugeschnitten, die Anzahl der interviewten mehr oder weniger prominenten Hochzeitsgäste auf Kameratauglichkeit zurechtgestutzt werden. Das Ergebnis zeigt: Da muss viel Verschnitt gewesen sein.

Der Frauen-Experte

Denn abgesehen vom Ehepaar Becker werden zwischen den Bildern von An- und Abfahrenden, Rein- und Rausgehenden und höflich Beifallspendenden vor allem solche Personen der Zeitgeschichte vor die Kameras gezerrt, die nun wirklich nichts zu sagen haben. Mariella Gräfin von Faber-Castell muss ohne Unterlass über ihr wertes Befinden reden, das durch einen Mückenstich überm Auge bisweilen empfindlich gestört wird. Jan Ullrich gibt kleinlaute Weisheiten über Liebesglück zum Besten. Und der britische Geschäftsmann Tim Jeffries wird als "Experte für Frauen" verkauft, weil er doch schließlich schon mit Claudia Schiffer liiert gewesen sei. Dass die geplante Hochzeit der beiden damals floppte, wen interessiert's? Hier darf er ungestört in die Kameras lächeln, dass er persönlich total froh über Boris' Entscheidung sei - hätte Bum-Bum-Boris doch beinahe die falsche Wahl getroffen.

Gemeint ist Sandy Meyer-Wölden, die genauso gut die weibliche Hauptdarstellerin dieser inszenierten Hochglanz-Hochzeit vor Alpen-Panorama hätte sein können. Schließlich gab es da mal vor gar nicht allzu langer Zeit eine "Wetten, dass..?"-Sendung, in der Boris Becker eigentlich seine Hochzeitspläne mit der Blondine bekanntgeben wollte. Doch daraus wurde nichts: Wer mit wem per SMS plötzlich Schluss gemacht habe, wurde in den Medien genauso genüsslich ausgebreitet wie die bevorzugte Haarfarbe des Ex-Tennis-Profis in Bezug auf seine weiblichen Kurz- oder Langzeitbegleiterinnen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie es der Braut geht.

Boris-Becker-Hochzeitsbilder

Bum-Bum-Soapstar