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"Thunder Force" auf Netflix:Zum Donner

THUNDER FORCE; Thunder Force

Macht Spaß, ihnen zuzusehen: Melissa McCarthy (links) und Octavia Spencer in "Thunder Force" auf Netflix.

(Foto: Hopper Stone/Netflix)

Die Netflix-Komödie "Thunder Force" wird spektakulär schlecht bewertet im Netz. Dabei haben die neuen Superheldinnen Liebe verdient.

Von Juliane Liebert

Es gibt einen neuen Superheldenfilm auf Netflix, er heißt Thunderdings. In Thunderdings wurde die Erde von kosmischer Strahlung getroffen. Die hat einige Menschen zu Superhelden mutieren lassen. Allerdings, so erklärt der Vorspann, nur die, die "soziopathisches Potenzial haben", also nur die Bösen. Die Bösen heißen Miscreants, und die Eltern der Heldin Nummer eins wurden von ihnen geröstet.

Unsere Heldin Nummer eins hört auf den Namen Emily und ist so schlau, dass sie in der Schule gemobbt wird. Glücklicherweise findet sie eine Freundin, Lydia, die sie verteidigt. Auftritt Heldin Nummer zwei! Leider wird - sehr subtil - ein zunächst unüberwindbarer Konflikt zwischen ihnen sichtbar: Emily will die Miscreants besiegen und die Welt retten, und Lydia will, dass Emily ab und zu schläft und Spaß hat. Vorläufiges Ende der Freundschaft. Titel.

Thunder Force! Genau, so heißt der Film. Warum? Weil sich Lydia (Melissa McCarthy), inzwischen Mitte vierzig, in das Labor ihrer ehemaligen besten Freundin Emily (Octavia Spencer) schleicht, wo sie aufgrund diverser recht vorhersehbarer Entwicklungen ein Serum abkriegt, das sie in eine Superheldin verwandelt. Lydia erhält Superstärke, und Emily die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen. Sie vertragen sich und gründen ein Superheldinnenteam namens "Thunder Force", um den Kampf gegen die Miscreants wieder aufzunehmen. "Thunderdings" passt aber auch, sie sind nämlich ziemlich verpeilt

Der Film hat spektakulär schlechte Bewertungen auf nahezu allen Bewertungsplattformen, was nicht daran liegt, dass der Film wahnsinnig schlecht ist. Er ist so mittel. Manchmal ganz lustig, manchmal ziemlich unlustig, aber irgendwie sympathisch. Das Einzige, was ihn von zehntausend Millionen anderen mittellustigen Superheldenfilmen unterscheidet, ist, dass seine Heldinnen rundlich sind. Sagen wir: dick. Und über vierzig. In Thunderdings sind Personen die Hauptfiguren, die in einem Superheldenfilm normalerweise maximal eine Nebenrolle abbekommen würden.

Diese ganzen Unterwäschemodels in den anderen Filmen, die nerven doch

Ein Kommentator nennt den Film "PC Garbage" - politisch korrekter Müll. Dabei merkt man beim Schauen auch, dass der Welt rundliche Heldinnen fehlen. Es ist überraschend, wie viel Spaß es in der Praxis macht, mal Leuten in einem mittelmäßigen Film zuzusehen, die nicht aussehen wie Unterwäschemodels. Man hat vorher gar nicht gemerkt, wie sehr einen die ganzen Unterwäschemodels nerven. Aber - hier sind wir, Melissa McCarthy und Octavia Spencer verdreschen irgendwelche Bösen, und eigentlich ist der Film nur so lala, aber die Besetzung nimmt diesen ständigen Stress aus dem Spiel, sich mit Leuten identifizieren zu müssen, die unrealistisch langweilig gut aussehen.

Das entschuldigt nicht die Szene, in der Lydia die Arme eines Krabbenmannes (auch eine Mutation, halb Mensch, halb Krabbe) ableckt. Witze wie "Is this Glenn Frey?" - "In my life, everyday is Frey-Day" muss man auch erst mal aushalten. Aber der Hass, der sich über den Film ergießt, zeigt, dass der Film offenbar nötig ist. Weil, seien wir ehrlich - es ist nicht so, als ob die ganzen dämlichen Marvel-Hyperduber-Kombi-Universum-Filme irgendwie besser wären. Und die werden kulthaft abgefeiert. Dann doch lieber Emily und Lydia. Thunderdings, nehmt unsere mittelmäßigen Herzen. Die Welt ist (fast) bereit für euch.

Thunder Force, USA 2021 - Regie und Buch: Ben Falcone. Kamera: Barry Peterson. Musik: Fil Eisler. Melissa McCarthy, Octavia Spencer, Jason Bateman. Auf Netflix, 106 Minuten.

© SZ/kni
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